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Und am siebten Tage...(1. Mose 2,2)
Und am siebten Tage
schuf Gott den verkaufsoffenen Sonntag. Jedenfalls hatte wieder mal irgendjemand einen solchen angeordnet, und wenn so etwas passierte,
dann geschah das nicht ohne Grund. Also schnappte sich der heilige Petrus seine Einkaufstasche, warf die Himmelstür hinter sich zu und zog los.
Zuerst ging er zum Bäcker, um sich ein paar frische Croissants zu kaufen. Immerhin war ja heute Sonntag, und außerdem gab es heute drei Croissants zum Preis von zweien. Dann schlenderte er in den Supermarkt, wo an der Fleischtheke bereits dichtes Gedränge herrschte. Das Putengeschnetzelte war dort heute zwei Euro billiger als sonst, und obwohl Petrus sich eigentlich nichts aus Pute machte, für vier Euro das Pfund konnte er nicht daran vorbeilaufen. Also kaufte er drei Kilo. Das war zwar für eine Person definitiv zu viel. Aber irgendein Rezept würde ihm dafür schon einfallen, und bei richtiger Zubereitung würde das Geschnetzelte eine ganze Woche reichen.
Vor der Buchhandlung um die Ecke sah Petrus auf großen Rolltischen ein paar dicke Bücherstapel liegen. Obwohl er als ehemaliger Fischer keinen allzu großen Hang zur Literatur verspürte, eilte er sogleich darauf zu und nahm sich den erstbesten Wälzer zur Hand: einen großformatigen Bildband über Kirchen der Gotik. Der kostete früher mal 49 Euro 80. Da sich aber zu diesem Preis offensichtlich niemand so recht für gotische Kirchen begeistern konnte, wurde das Ding nun für 9 Euro 99 verramscht. Nicht dass Petrus solche Bildbände jemals gelesen hätte. Aber bei fast 40 Euro Preisvorteil konnte man sich den Schinken schon mal mitnehmen. Vielleicht würde Petrus das Teil seinem Chef zu Weihnachten schenken, bei dem man ein gewisses Interesse an Sakralbauten ja durchaus voraussetzen konnte.
Schließlich sah sich Petrus im nächsten Warenhaus noch ein wenig in der Herrenabteilung um. Dort entdeckte er auf den Wühltischen ein paar hübsche Markenartikel zu sagenhaft günstigen Preisen. Mit voller Einkaufstasche und einem großen Schwung Klamotten auf dem Arm schritt Petrus zur Kasse, wo sich inzwischen eine große Schlange gebildet hatte. Da Petrus Bargeldvorräte nicht mehr ganz ausreichten, musste er seine Schnäppchen mit Karte zahlen. Dummerweise gab er dabei am EC-Automaten dreimal die falsche Geheimnummer ein, weil er die PIN-Nummer seines Girokontos mit den Zugangsdaten zu seinem Laptop verwechselt hatte.
So blieb Petrus nichts anderes übrig, als alles wieder schön dorthin zu bringen, wo er es hergeholt hatte. Missgestimmt und ein wenig erschöpft trat Petrus bereits drei Stunden vor Ladenschluss seinen Heimweg an und machte sich bei der Himmelfahrt schon mal Gedanken darüber, wie er die Bank dazu bewegen könnte, sein Konto wieder freizuschalten. Aber dafür hatte er ja nun die ganze nächste Woche Zeit.
Nur wenig später war es wieder mal so weit: der nächste verkaufsoffene Sonntag stand ins Haus, mit integriertem Winterschlussverkauf. Diesmal dachte Petrus nicht lange darüber nach, was er an diesem Sonntag tun würde: dasselbe, was sein Chef bereits vor tausenden von Jahren tat, am Anfang der Schöpfung. Er zog sich eine Wolkendecke über, legte die Beine hoch, und siehe da, es war sehr gut!
Und am siebten Tage...(1. Mose 2,2)
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