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Lucia
Das Unglück begann mit einer Reise. Damals wurde die Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die mit Lucias Tod endete. Aber im Grunde begann das Drama schon vier Jahre davor.
Damals brach die Krankheit ihrer Mutter aus. Seitdem litt die sizilianische Frau an chronischen Blutungen. Obwohl sie zahlreiche Ärzte zu Rat zog, konnte keiner ihr helfen. Die Familie war hilflos. Irgendwann war sie bereit, jeden rettenden Strohhalm zu ergreifen.
Vier Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit ihrer Mutter schlug Lucia vor, eine Pilgerfahrt zu unternehmen. Sie hatte gehört, dass Menschen geheilt worden waren, die das Grab der heiligen Agathe in Catania besucht hatten.
Am Ziel angekommen, besuchten die beiden Frauen den Abendgottesdienst. Es traf sich, dass gerade über eine Frau gepredigt wurde, die ebenfalls seit langem an Blutungen litt. Als sie Jesus berührte, wurde sie gesund. Aber Jesus sagte ihr: Es lag nicht daran, dass Du mich berührt hast. Sondern weil Du so fest daran geglaubt hast, bist Du gesund geworden.
Nach dem Gottesdienst ging Lucia mit ihrer Mutter zum Grab der heiligen Agathe. Sie beteten darum, dass die Mutter endlich gesund würde. Bald darauf schlief Lucia ein. Sie hatte einen bemerkenswerten Traum. Darin begegnete ihr Agathe. Und die sagte zu ihr: Ihr hättet gar nicht zu meinem Grab pilgern müssen. Ihr müsst nicht auf ein Wunder setzen. Sondern fest daran glauben, dass Deine Mutter geheilt werden kann. Dann wird alles gut werden. Es war, als ob Lucia die Predigt in ihrem Traum verarbeitet hätte. Was Jesus zu der Frau gesagt hatte, das sprach Agathe nun zu ihr. Vielleicht helfen die Heiligen auf eine viel vernünftigere Weise, als man so denkt.
Jedenfalls wurde Lucias Mutter tatsächlich gesund. Und Lucia war so dankbar, dass sie etwas Gutes tun wollte. Sie schlug vor, dass die Familie ihr Vermögen für wohltätige Zwecke einsetzen sollte. So wollte sie etwas von der Hilfe weitergeben, die sie selbst erfahren hatte. Die Mutter riet ihr davon ab. Sie solle an ihren Verlobten denken. Der würde schließlich eine gute Partie machen wollen. Wer weiß, wie er reagieren würde, wenn Lucia ihre gesamte Mitgift verschenken würde.
Das bestärkte Lucia jedoch nur in dem Verdacht, dass ihr Verlobter nicht zu ihr passte. Als er sie wegen ihrer Ausgaben zur Rede stellte, sagte sie: Ich brauche das Geld für eine gute Anlage. Langfristig verspricht sie mir höchsten Gewinn. Er dachte an ein gutes Investment und war zufrieden. Aber sie dachte an ihre Seele und den Gewinn der Armen. Als der Verlobte das begriff, war es zu spät. Das Vermögen war aufgebraucht und er zog Lucia vor Gericht.
Was dann geschah, war so erschütternd, dass Lucia weltberühmt wurde. Seit 1.700 Jahren erzählt man ihre Geschichte. Vor dem Richter berief sie sich auf ihre Unschuld. Daraufhin wollte der korrupte Jurist genau diese Unschuld zerstören. Er befahl, sie vergewaltigen zu lassen. Doch bevor es dazu kam, wurde Lucia erstochen. Hat ihr gutes Herz ihr genützt? Immerhin, sie hat vielen geholfen. Bis heute gelten ihr Glaube und ihr Handeln als leuchtendes Vorbild. Jedes Jahr werden am 13. Dezember Millionen von Lichtern angezündet, um an sie zu erinnern.
Lucia
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