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Land zum Leben Grund zur Hoffnung
Die ARD überträgt am 27.11.11 von 10 Uhr bis 11 Uhr einen Fernsehgottesdienst zur Eröffnung der 53. Aktion Brot für die Welt aus der Ev. Stadtkirche Dortmund St. Reinoldi.
Präses Alfred Buß: Eine Handvoll Erde. Boden, auf dem wir stehen. Grund, aus dem wir leben. Lebendige Ackerkrume mit Millionen Organismen. Darin wächst, was Tiere und Menschen nährt. Das Brot für die Welt kommt aus der Erde.
Doch fruchtbare Böden sind heute weltweit ein knappes Gut. Warum? Weil der Konsum an Lebensmitteln steigt. Groß ist der Hunger auf Fleisch. In Ländern, die wirtschaftlich boomen. Und weil Energiepflanzen auf den Feldern wachsen.Treibstoffe aus Zuckerrohr, aus Ölpalmen oder Mais zum Beispiel - sollen das Erdöl ersetzen. Das Land wird knapp. Vor allem in den Ländern des Südens.
Kleinbauern werden von ihren Feldern vertrieben. Mächtige Großgrundbesitzer und internationale Konzerne machen sich breit. Ohne Rücksicht auf Verluste begleitet von Lügen, Intrigen und Korruption. Den Kleinbauern wird der Boden unter den Füssen weggezogen - das Land wird ihnen geraubt. Nichts anderes haben sie als Existenzgrundlage. Landraub landgrabbing - ist ein hochaktuelles Thema.
Hochaktuell aber nicht neu. Hören wir eine Geschichte aus dem Alten Testament. Sie erzählt von König Ahab und seiner Winterresidenz an einem schönen Ort in der Ebene Jesreell, an der Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Jordan, strategisch und klimatisch günstig gelegen.
Michael Kamp: ... Nabot, ein Jesreeliter, hatte einen Weinberg in Jesreel, bei dem Palast Ahabs, des Königs von Samaria. 2 Und Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg dafür geben oder, wenn dir's gefällt, will ich dir Silber dafür geben, soviel er wert ist. 3 Aber Nabot sprach zu Ahab: Das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir meiner Väter Erbe geben sollte! 4 Da kam Ahab heim voller Unmut und zornig um des Wortes willen, das Nabot, der Jesreeliter, zu ihm gesagt hatte: Ich will dir meiner Väter Erbe nicht geben. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß nicht.
Präses Alfred Buß: Der mächtige Ahab ist untröstlich, weil er Nabots Weinberg nicht bekommt. Als Kohlgarten erstrebt er ihn - zur Abrundung seines Areals. Es gibt Menschen, die alles besitzen und immer noch mehr wollen. Doch der kleine Bauer Nabot weist den großen König ab. Ein Weinberg ist kein Kohlgarten. Die Wurzeln der Reben greifen metertief in die Erde. Eine Weinrebe braucht Jahre, bis sie gut trägt. Nabot versteht den Weinberg als Gottes Leihgabe - zu hegen, zu pflegen und weiterzugeben an die nächste Generation, damit alle genug zum Leben haben. Bodenrecht ist Gottesrecht. So ist es im Volk Gottes. Daran hält sich Nabot. Als König Ahab seiner Frau Isebel davon erzählt, spinnt sie eine Intrige gegen den kleinen Bauern. Sie lässt ihn verleumden und paktiert dazu mit den Sippenältesten aus Jesreel. Schurken lassen sich finden.
Michael Kamp: Und die Ältesten und Oberen, die mit Nabod in seiner Stadt wohnten, taten, wie ihnen Isebel entboten hatte, wie sie in den Briefen geschrieben hatte, die sie zu ihnen sandte, und sie ließen ein Fasten ausrufen und ließen Nabot obenan im Volk sitzen. Da kamen die zwei ruchlosen Männer und stellten sich ihm gegenüber und verklagten Nabot vor dem Volk und sprachen: Nabot hat Gott und den König gelästert! Da führten sie ihn vor die Stadt hinaus und steinigten ihn, dass er starb. Und sie sandten zu Isebel und ließen ihr sagen: Nabot ist gesteinigt und tot.
Als aber Isebel hörte, dass Nabot gesteinigt und tot war, sprach sie zu Ahab: Steh auf und nimm in Besitz den Weinberg Nabots, des Jesreeliters, der sich geweigert hat, ihn dir für Geld zu geben; denn Nabot lebt nicht mehr, sondern ist tot.
Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf, um hinabzugehen zum Weinberge Nabots, des Jesreeliters, und ihn in Besitz zu nehmen.
Präses Alfred Buß: So sind die Begleitumstände von Landraub gestern und heute: Ein Gottesgebot nach dem anderen wird gebrochen: das Land eines andern wird begehrt, es wird gelogen, betrogen, falsch Zeugnis geredet, getötet ja, ein Justizmord angezettelt. Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf, um den Weinberg in Besitz zu nehmen.
So sind die Begleitumstände von Landraub gestern und heute: Ohne Rücksicht auf Verluste. Man geht auch über Leichen. Doch Gott nimmt solche Verbrechen nicht hin. Der Prophet Elia geht zu Ahab und klagt ihn an:
Michael Kamp: So spricht der HERR: Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken Und Ahab sprach zu Elia: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er aber sprach: Ja, ich habe dich gefunden, weil du dich verkauft hast, Unrecht zu tun vor dem HERRN.
Präses Alfred Buß: Der Prophet Elia hat den Auftrag von Gott, Unrecht bei Namen zu nennen, den Großen zu zeigen, wie klein sie sind, und den Mächtigen, wie verwundbar. Kurze knappe Sätze, verbale Peitschenschläge: Ahab, Du bist ertappt. Du hast einen Mann getötet und willst jetzt auch noch sein Erbe? Wie die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, werden sie das deine lecken. Wo immer Elia auftaucht, atmet man himmlische Glut und Leidenschaft.
Und wo sind wir in der Geschichte? Wahrscheinlich nah bei Elia. Empört über das Unrecht. Landraub ist ein Verbrechen. Damals wie heute. Darum lasst uns mit Elia den großen Landräubern zeigen, wie klein sie sind und den mächtigen Konzernen, wie verwundbar.
Doch stecken in uns nicht auch Ahab, Isebel und ihre Begehrlichkeit? Große Konzerne produzieren für unseren Konsum - Soja für unser Vieh, Fleisch für unsere Buffets, Treibstoffe für unsere Mobilität. Unser Lebensstil verbraucht mehr Vorräte, als die Natur erneuern kann, zur Zeit den Gegenwert von 1,2 Erdplaneten. Jahr für Jahr. Und darum haben auch wir Anteil an Nabot. Wenn der Raubbau an unserer Erde so weitergeht, dann wird auch uns die Lebensgrundlage entzogen. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen schon heute die Länder des Südens, morgen treffen sie uns und unsere Kinder.
Also keine guten Aussichten? Doch. Heute ist der 1. Advent. Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe.
Ein König von anderem Schlage als all die landraubenden Ahabs kommt in die Welt. Jesus Christus. Nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel. Und zeigt aller Welt: Gott ist auf der Seite der Schwachen, der Entrechteten, der ihres Landes Beraubten. Er richtet sein Reich auf und seine Gerechtigkeit, dass alle satt werden an Leib und Seele. Dahin sind wir unterwegs. Darum beten wir: Dein Reich komme. Darum stellen wir uns an die Seite der Entrechteten. Darum stoßen wir verschlossene Türen auf zuerst bei uns und unserem Konsumverhalten. Land zum Leben, Grund zur Hoffnung Brot für die Welt fängt bei uns an. Amen

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