Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.11.11; Manfred Rütten

"Modern Meets Past" – Luther-Lieder als Pop-CD

Der kleine Raum ist vollgestopft mit Technik: da stehen Computermonitore, große Lautsprecherboxen, ein Mischpult, dazu Gitarren, ein Keyboard und jede Menge Kabel.

Hier in seinem Studio hat der Musikproduzent Heiko Albrecht schon für viele Stars gearbeitet: Er hat Songs von Katy Perry remixed, auch von Beyonce, Barry White oder Michael Jackson. Und auch die Lieder auf seinem neuesten Album stammen von einem ganz Großen – nämlich von Martin Luther. Zehn ausgesuchte Werke des Reformators hat Heiko Albrecht neu vertont – darunter auch diesen Klassiker :

Musik:  Ein feste Burg ist unser Gott // ein guter Wehr und Waffen // er hilft uns frei aus aller Not // die uns jetzt hat betroffen …

Autor: "Modern meets past" – so hat Heiko Albrecht seine CD genannt, und der Titel ist Programm: Moderne Pop- und Rockmusik trifft hier auf original Luther-Texte, die fast 500 Jahre alt sind. Diese beiden Extreme unter einen Hut zu bringen, war für den 35jährigen (Düsseldorfer) eine echte Herausforderung:

O-Ton:  Als ich an das Projekt rangetreten bin war´s ganz simpel, dass ich eigentlich gesagt hab: Es geht nicht. Weil da so viele Welten aufeinanderprallen für die heutige Popmusik zum Beispiel das Reimmaß, Rhythmik , also das war schon etwas schwierig Herrn Luther in dieses Korsett zu kriegen, hat aber ganz gut geklappt am Schluss.

Autor: Großen Anteil daran hat die Sängerin Silke Schmiemann. Sie hat die Melodien der insgesamt 10 Stücke auf der CD mit entwickelt, und ihre rockige Stimme gibt den Texten von Martin Luther eine ganz neue Note.

Musik:  Du wertes Licht gib uns deinen Schein // Lehr uns Jesum Christ kennen allein …

O-Ton: Wir haben uns sehr stark am Radio orientiert und gesagt: Es muss eigentlich Musik sein, wie wir sie aus dem Radio kennen. Wenn wir den Leuten schon den etwas schwierigen Umgang mit der altertümlichen Sprache nahe bringen, dann schau ich auf der anderen Seite, dass wir es ihnen musikalisch so leicht wie möglich machen.

Autor: Mit dieser Marschroute liegt Heiko Albrecht ganz auf der Linie von Martin Luther. Denn auch der soll für seine Lieder gerne auf eingängige Melodien seiner Zeit zurückgegriffen haben. Zum Beispiel für sein Weihnachtslied "Vom Himmel hoch da komm ich her". Die Legende erzählt, Luther habe seinen frommen Text auf ein damals sehr beliebtes Kneipenlied gedichtet. Erst vier Jahre später und auf Druck seiner Freunde komponierte er dann die Melodie, die heute noch im evangelischen Gesangbuch steht. Auf der CD "Modern meets past" klingt sein Weihnachtsklassiker noch einmal ganz anders:

Musik:  "Vom Himmel hoch da komm ich her // ich bring euch gute neue Mär /// der guten Mär bring ich so viel // davon ich singen und sagen will

Autor: Die Frohe Botschaft weitersagen – nicht nur mit Worten sondern auch mit Liedern – das war für Martin Luther immer eine Herzensangelegenheit. Und die Musik war dabei nicht nur Mittel zum Zweck. So soll er gesagt haben: "Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird". Dem kann sich Heiko Albrecht nur anschließen:

O-Ton: Es geht eigentlich nur darum, ob man Musik fühlen kann oder nicht fühlen kann. (…) Vor 500 Jahren hat sich Herr Luther mit Sicherheit überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie könnte das 2012 klingen (…) er hat natürlich sich der Musik dieser Zeit angepasst – und wir haben einfach gesagt, wir machen einfach ne moderne Form von Verkündigung, angepasst auf 2012.

Autor: Martin Luther hätte das sicher gefallen. Schließlich stammt von ihm der Satz "Ecclesia semper reformanda" – die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Und wenn eine CD dabei helfen kann – warum nicht?

Audiobeitrag "Modern Meets Past" – Luther-Lieder als Pop-CD


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