Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.12.11; Pfarrer Frank Küchler

Jesus stellt eine unsinnige Gesetzesauslegung in Frage

In der Adventszeit liebe Hörerinnen und Hörer, warten Christen auf den Heiland: Jesus Christus. Er heißt Heiland, weil er Menschen heilt. Auf vielfältige Weise.

Hören Sie heute: Jesus stellt eine unsinnige Auslegung des Sabbatgebotes in Frage. Morgen ist ja wieder Sonntag. Am Sonntag, da soll man nicht arbeiten, sondern ausruhen.

Sprecherin: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle Deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit tun.“

Autor: Das ist das Sabbatgebot der Juden. Es liegt unserem Gesetz zur Sonntagsruhe zugrunde. Und die ist von unschätzbarem Wert. Viele schätzen sie ja auch. Der Sonntag ist zum Genießen, zum Auftanken da. Da kann man seine Zeit frei gestalten, da muss man nichts Sinnvolles, nichts Effektives tun. Da kann man sich auch Zeit für die eigene Besinnung nehmen. Oder zum Gottesdienst gehen. Da kann man das Leben feiern.

Aber: Würden Sie einen Menschen ertrinken lassen, nur weil Sonntag ist? Wohl kaum! Das wäre eine sehr enge Auslegung dieses Ruhegebotes! Kein Zweifel: Gebote und Gesetze sind wichtig für unser menschliches Zusammenleben, liebe Hörerinnen und Hörer. Sie helfen uns, in Frieden miteinander zu leben und  schützen die Schwachen. Sie sind eine Art Zaun, der den menschlichen Egoismus und den Hang zur Rücksichtslosigkeit eindämmen soll. Die Gebote sind von Gott als Hilfe zum Leben gegeben.

Aber es kann auch sein, dass ein Gebot dem Wohl eines Menschen entgegensteht. Wie im Fall eines Mannes, der eine verstümmelte Hand hatte, und der Jesus an einem Sabbat in der Synagoge trifft. Jesus heilt den Mann - gegen die Vorschrift. Heilen sei am Sabbat nicht erlaubt – so lautete die unsinnig enge Auslegung des Sabbatgebotes zur Zeit Jesu. Jedenfalls nach der Auffassung der herrschenden Führer des damaligen Judentums. Das aber will Jesus nicht hinnehmen. Ja, diese Engstirnigkeit ruft seinen Zorn hervor. Seine Gegner aber warten nur darauf, ihm diese Gesetzesuntreue anzulasten.

Gebote können auf unterschiedliche Lebenssituationen treffen. Das Leben ist nicht so einfach. Viele Menschen wünschen sich das zwar. Sie wünschen sich, es gäbe klare Anweisungen, die immer und überall richtig sind. Deswegen haben ja auch fundamentalistische Strömungen in allen Religionen einen solchen Zulauf. Denn dort verspricht man einfache Lösungen.

Wir können in unserem Leben auch in Situationen kommen, in denen ein Gebot nicht dazu hilft, dem Wohl eines Menschen zu dienen. Ja, manchmal ist es gut, wenn man sich über ein Gebot hinwegsetzt, um für sich selbst oder einen anderen Menschen etwas Gutes, etwas Heilsames zu bewirken. Nur: Auch das hat seinen Preis. Das kann einen Menschen in schwere Konflikte bringen. Es kann einen sogar das Leben kosten. So war es ja bei Jesus auch.

Und noch etwas anderes wird an der kleinen Geschichte aus dem Neuen Testament deutlich: Religiöse Gebote und weltliche Gesetze sind immer eine Sache der Auslegung. Und die wird von Menschen gemacht – nicht von Gott. Wenn Menschen behaupten, ihre Art der Auslegung sei die einzig richtige oder sei sogar die von Gott selbst eingegebene, das muss einen erst recht besonders skeptisch, misstrauisch und kritisch machen! Ja, das muss einen aufregen. So wie Jesus seinerzeit.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie den morgigen Sonntag für sich so gestalten können, dass Sie neuen Elan für die kommende Woche finden! In der Ruhe liegt die Kraft! Das war Gottes Idee für den Sonntag. Und wenn Sie darüber hinaus die Freiheit haben, für einen anderen Menschen etwas Heilsames zu tun, dann wird sich Gott auch darüber freuen!

Gott sei mit Ihnen an diesem Tag, das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.

Audiobeitrag Jesus stellt eine unsinnige Gesetzesauslegung in Frage


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