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Jesus hilft, genau hinzuschauen
In der Adventszeit, liebe Hörerinnen und Hörer, warten Christen auf den Heiland. Jesus Christus. Er heißt Heiland, weil er Menschen heilt. Auf vielfältige Weise.
Hören Sie heute, wie Jesus Menschen berührt und hilft, genau hinzuschauen.
Ein blinder Mann wird zu Jesus gebracht, heißt es im Neuen Testament. Jesus macht einen Brei aus Erde und Speichel und spuckt ihn dem Blinden auf die Augen. Zunächst kann der Mann nur undeutlich sehen. Die Menschen erscheinen ihm wie Bäume. Aber dann legt Jesus ihm die Hände auf und jetzt kann der Mann alles klar erkennen. Jesus macht gesund, indem er den Blick schärft. Er hilft, genau hinzuschauen. Denn: Sehen ist nicht gleich sehen. Nach Antoine de Saint-Exupéry ist ja ohnehin nicht das Auge das eigentliche Sehorgan, sondern das Herz. Man sieht nur mit dem Herzen gut, schreibt der Autor.
Will ich das? Manchmal ist es ja besser, nicht so genau hinzusehen. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, begegnen mir tausende von Augenpaaren. Für ganz kurze Zeit treffen sich da die Blicke. Manchmal ist es ein Spiel! Wer hält stand? Jemanden einen Moment länger anzuschauen, das birgt vielleicht schon ein Risiko. Was guckst Du so?, heißt es dann schnell.
Muss ich das, genau hinsehen? Wenn ich die Nachrichten im Fernsehen ansehe, dann habe ich manchmal das Bedürfnis, mich vor all dem zu schützen. Es geht mir einfach zu nahe. Ich will es gar nicht so genau sehen. Manchmal fühle ich mich einfach überflutet von all den Bildern, von zu vielen Reizen so viel strömt auf mich ein. Das raubt meine Kraft und hilft mir nicht, mich zu konzentrieren, mich zu sammeln.
Allerdings bin ich sicher: Viele Menschen warten darauf, gesehen zu werden. Sie wünschen sich Aufmerksamkeit, Anteilnahme, Interesse und Zuwendung. Das erlebe ich auch in meiner Arbeit als Klinikseelsorger auf für mich eindrucksvolle Weise.
Menschen wollen gesehen werden. Sie wollen als Persönlichkeit, als wertvoller, einzigartiger Mensch wahrgenommen werden. Mit ihrer Geschichte, mit dem, was sie von anderen unterscheidet, mit dem, was sie leiden müssen, mit dem, was ihnen zur Lebensfreude hilft, mit dem was ihnen Angst macht. Ich merke, dass ich in meiner Fähigkeit, genau hinzuschauen, manchmal sehr begrenzt bin. Da flüchte ich mich dann in die Flüchtigkeit, in die Geschäftigkeit. Vor allem, wenn es mir zu viel wird.
Da habe ich die Erfahrung gemacht: Mir tut es gut, mich von Zeit zu Zeit all dem zu entziehen und einmal bewusst die Augen zu schließen. Mich zu sammeln. Mit Gott zu sprechen. Zu hören, was er mir zu sagen hat. Mich von Gott berühren zu lassen, wie Jesus den Blinden berührt hat. Die Stille bewusst zu suchen, mich von Gott berühren zu lassen, das gibt mir neue Kraft. Und das schärft auch meinen Blick wieder neu. Denn das will ich doch: Die Menschen um mich herum mit den Augen Gottes sehen. Also: sie liebevoll anschauen! Nicht nur flüchtig an ihnen vorbeirauschen. Sondern ich will mich berühren lassen. So wie Jesus mich berührt hat und mir von Zeit zu Zeit die Augen immer wieder neu öffnet wenn ich es zulasse.
Gott sei mit Ihnen an diesem Tag das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.
Jesus hilft, genau hinzuschauen
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