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Jesus stellt alte Denkmuster in Frage
In der Adventszeit, liebe Hörerinnen und Hörer, warten Christen auf den Heiland. Jesus Christus. Er heißt Heiland, weil er Menschen heilt. Auf vielfältige Weise.
Hören Sie heute, wie er alte Denkmuster in Frage stellt.
Eines Tages kommt ein Mann zu Jesus, der von Geburt an blind ist. Da fragen ihn seine Jünger: Jesus, wer hat gesündigt? Der Blinde oder seine Eltern. Weder noch, sagt Jesus. Vielmehr soll sich Gottes Macht an diesem Blinden zeigen. Er schickt den Blinden zu einem Teich. Dort soll er sich waschen und der Blinde wird sehend. Also, das ist erst einmal ganz normal: Wenn jemand krank oder behindert ist, stellen Menschen sich die Frage: Wieso ist das so? Menschen suchen nach Erklärungen, wenn ihnen ein Unglück widerfährt. Oder wenn sie durch das Unglück eines nahen Menschen betroffen sind.
Ein altes Erklärungsmuster, das sich bis in unsere Zeit hinein gehalten hat, heißt: Krankheit ist Strafe für Sünden, die jemand auf sich geladen hat. Auch heute noch fragen sich religiöse Menschen: Was habe ich denn verbrochen, dass es mir so schlecht geht? Womit habe ich das verdient? Das habe ich in meiner Arbeit als Krankenhausseelsorger schon oft gehört.
Jesus denkt quer. So wird nicht nur der Blinde geheilt, sondern auch die Jünger. Die sind gefangen in dem alten, traditionellen Denkmuster, dass sich bis heute hartnäckig in den Köpfen der Menschen gehalten hat: Gott bestraft Menschen, indem er sie krank macht. Jesus denkt anders. Er sieht und verkündet Gott als liebenden Vater. Christen glauben im Übrigen: Alle Menschen sind Sünder! Unabhängig davon, ob sie nun gerade gesund oder krank sind. Und das bedeutet: Alle Menschen, Kranke und Gesunde leben gleichermaßen von der Barmherzigkeit und Freundlichkeit Gottes.
Jesus weiß: Wer krank ist, muss einen Weg finden, mit der Krankheit zu-recht zu kommen. Und da bringt es einen nicht weiter, wenn man denkt: Ich bin von Gott bestraft. Viel wichtiger ist es zum Beispiel, eigene Kraftquellen zu finden. Sein Schicksal nach und nach -so gut es geht- anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Das ist heilsam! Jesus, der Querdenker, der Heiland, sagt seinen Jüngern: An dem Blinden soll sich Gottes Macht zeigen! Das ist gewissermaßen seine Bestimmung. Jesus deutet also das Schicksal des blind Geborenen in positiver Weise. An ihm soll sich zeigen, wer Gott ist, nämlich: Einer, der heilt.
Heilung bedeutet freilich nicht immer vollständige Genesung. Bei einem Besuch in Berlin wollte ich mit meinem Freund auf dem Weg zu einem Restaurant die Straße überqueren. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, war, dass gerade der Berlin-Marathon stattfand.
So mussten wir lange Zeit am Straßenrand warten, bis eine schier endlose Schlange von Läufern an uns vorbeigelaufen war. Ich schaute mir neugierig die vielen Läufer mit ihren ganz unterschiedlichen Laufstilen an es war ein buntes Bild! Doch da! Ich traute meinen Augen nicht! Mitten in der Menge lief ein Mann, dem beide Unterschenkel amputiert worden waren. Er hatte spezielle Prothesen, die besonders gefedert waren und an denen unten eine Art Kufe angebracht war.
Die Kraft dieses Mannes hat mich beeindruckt. Ich weiß nicht, woher er sie genommen hat. Aber an ihm zeigte sich für mich, wie Gott Menschen heilt in all ihren Einschränkungen und in ihrer Gebrechlichkeit. Gott sei mit Ihnen an diesem Tag das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.
Jesus stellt alte Denkmuster in Frage
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