Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.11.11; Pfarrer Frank Küchler

Jesus richtet Menschen auf

Autor: Viele Kranke warten darauf, dass jemand kommt und sie heilt, liebe Hörerinnen und Hörer.

Und gerade in der lichtvollen Adventszeit schmerzt die Krankheit vielleicht noch stärker als sonst und die Sehnsucht nach Heilung ist umso stärker! Die Sehnsucht nach Heilung an Leib, Geist und Seele. 

In der Adventszeit geben Christen ihrer Sehnsucht nach Heil und Heilung besonderen Ausdruck. Sie warten auf den Heiland. Jesus Christus. Er heißt Heiland, weil er Menschen heilt. Auf ganz unterschiedliche Weise. Hören Sie heute, wie er Menschen aufrichtet.

Sprecherin: „Jesus lehrte am Sabbat in einer der Synagogen. Und siehe, da war eine Frau, die schon achtzehn Jahre einen Geist hatte, der sie krank machte; sie war verkrümmt und konnte sich überhaupt nicht mehr aufrichten. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit! Und als er ihr die Hände auflegte, konnte sie sich sogleich aufrichten und pries Gott.“

Autor: Eine Frau, die sofort auffällt, denn ihr Rücken ist gekrümmt. Das ist irritierend für den, der das sieht. Die Frau kann Jesus nicht anschauen, der in der Synagoge einen Vortrag hält. Ständig schaut sie ja auf den Boden, ihr Blick geht immer nach unten. Sie ist auf sich selbst verwiesen. Ihr Gesichtsfeld ist extrem eingeschränkt. Sie sieht nicht, was um sie herum passiert, sie muss ständig auf der Hut sein, um sich nicht weh zu tun, wenn sie läuft. Man kann ihr gar nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Es ist, als ob sie sich aus dem Kontakt zu anderen Menschen zurückgezogen hätte. Als ob sie sich ständig wegducken wollte und diese Bewegung schon zu ihrer normalen Haltung geworden ist.

Ausdrücklich wird erwähnt: „Die Frau hatte einen Geist, der sie krank machte.“ Ihr kranker Geist hatte in der Verkrümmung der Wirbelsäule seinen Ausdruck gefunden. Das hatte Jesus offenbar sofort erkannt. Er ist mehr als ein guter Orthopäde. Er schaut tiefer!

Was das im Fall der Frau genau bedeutete, „ein Geist, der krank macht“ – das wird nicht erzählt. Aber fest steht: vieles kann Menschen verkrümmen. Ständige Sorgen, die einem den Schlaf rauben,  eine Last, die einem auf Dauer zu schwer ist, Macht, die ein anderer ausübt, oder auch seelische Schmerzen, die einem zugefügt werden. Manchmal sind es auch Worte, die man immer wieder anhören muss, die einen runtermachen, die einem den Lebensmut nehmen, die einen klein machen.

Jesus spricht das heilsame Gegenwort! Und die Frau hört es. Unglaublich! „Frau, sei frei von deiner Krankheit!“  Und dann: die heilende Berührung.  Sie spürt die Wärme der Hände und sie fühlt, dass etwas Neues beginnt.  Sie spürt: Ich bin noch nicht am Ende. Ich kann noch etwas aus meinem Leben machen.  Offenbar traut mir das einer zu. Ich kann mich aufrichten, ich kann wieder die Sonne sehen, ich kann einem anderen Menschen ins Gesicht schauen.

Mein Heilwerden, mein Aufgerichtetwerden braucht Zeit und verläuft schrittweise. Das bedeutet: Ich kann nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen.
Der erste Schritt ist: Ich muss meine Verkrümmung erst einmal merken und mir eingestehen. Das ist gar nicht so leicht! Wie oft rede ich mir das, was mich quält, schön. Wie oft beschwichtige ich mich selbst. „Kein Thema“… !

Manchmal brauche ich jemanden, der sieht, was mit mir los ist, der mich anspricht – wie Jesus die verkrümmte Frau angesprochen hat. Dann kann ich den ersten Schritt wagen und mich dem anderen anvertrauen.

Gott mit Ihnen – das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.

Audiobeitrag Jesus richtet Menschen auf


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