Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.12.11; Pastorin Beate Raguse

Integrative Körperarbeit

O-Ton: Den Kindern wird es häufig schwer gemacht, weil an sie hohe Anforderungen gestellt werden. Sie sollen entscheiden, sie sollen wissen, was gut ist.

Die Kinder reagieren darauf durch Rückzug oder durch Verweigerung oder durch Störungen.

Autorin: Wer Philipp Nessling zuhört, weiß schnell, für wen sein Herz schlägt.
Für behinderte Kinder und Jugendliche - nicht ohne Grund. Der Pensionär war als Pfarrer jahrelang zuständig für die Behindertenarbeit in Essen. Und ist als Experte immer noch gefragt , insbesondere zum Thema integrative Körperarbeit - 

O-Ton: Wenn ein Kind durch herausforderndes Verhalten uns stört, dann geht es nicht darum dem Kind etwas abzugewöhnen,  sondern dass ich mich frage, was das Kind braucht. Es braucht, dass ich mich ihm zuwende, in Kontakt mit ihm bleibe, obwohl es sich so verhält.

Autorin: Gemeinsam mit Gestalttherapeuten hat Nessling die Partner-Übungen entwickelt. Er ist überzeugt davon:  Wer mit Kindern arbeitet, sollte den Körper miteinbeziehen, wenn es darum geht, ihnen Halt zu geben und das soziale Miteinander zu stärken.
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O-Ton: Das hat damit zu tun, dass Kinder überhaupt körperlich sind, Es ist sehr wichtig, dass wir die Körperlichkeit der Kinder ernst nehmen, dass wir das als eine wichtige Kompetenz der Kinder betrachten, dass die Kinder körperlich sein wollen.

Autorin: Der Ablauf des Trainingsprogramms  ist festgelegt. Das vermittelt den Kindern Sicherheit ebenso wie die Wiederholungen. Die Übungen wollen  Angebot zum Dialog sein. Wie bei „Ziehen und Schieben“. Hier stehen sich Erwachsener und Kind mit ausgestreckten Armen gegenüber. Die Hände liegen auf den Oberarmen des Partners. Dann geht’s darum, den anderen wegzuschieben oder auf die eigene Seite zu ziehen. Wichtig ist, dass der Erwachsene weder siegt noch sich besiegen lässt, 

O-Ton: Sondern die Kraft des Kindes aufnimmt, gewissermaßen im Gleichgewicht. Bei dieser Übung lernt das Kind, dass es Kraft hat, dass es mit seiner Kraft die Kraft des Erwachsenen auch herausfordert und auf diese Art und Weise - gewissermaßen in einem Spiel -  es zu einem Kräfteausgleich kommt.

Autorin: Zusammenleben braucht Regeln, auch das Lernen die Kinder bei der Übung.  Der Aussage „Kinder brauchen Grenzen“ steht Nessling, der selbst  Vater einer Familie mit acht Kindern und mehrfacher Großvater ist, kritisch gegenüber.

O-Ton: Ich mag das nicht gerne hören, weil ich häufig dahinter ein kalte Einstellung den Kindern gegenüber erlebe. Kinder brauchen Grenzen. Sie brauchen Spielräume für ihre Freiheit, um sich  in die Freiheit einzuüben und  gewissermaßen sich ins Leben hineinzuspielen.

Autorin: Mit Kindern körperlich umgehen, sie halten, sie in den Schoss nehmen, angesichts der Debatte um den sexuellen Missbrauch wird da mancher hellhörig. Auch Philipp Nessling hat die Diskussion genau verfolgt.

O-Ton:  Ich denke, es besteht die Gefahr, dass wir um die Kinder vor Missbrauch zu schützen aufhören, sie zu berühren. Und es ist sehr wichtig, dass wir auch selber Regeln und Rituale haben. dadurch bekommen die Kinder, was sie brauchen nämlich die Berührung, aber auch den Schutz vor Übergriffigkeit.

Audiobeitrag Integrative Körperarbeit


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