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Die deutsche Sprache ist reich an Begriffen. ZB fürs Wohnen: da richtet man sich ein, baut ein Nest, mancher haust, man zieht zusammen und manchmal auch wieder auseinander,
residiert oder siedelt um. Doch im Alter ist Schluss mit Vielfalt -und anscheinend auch mit lustig- wenn man krank, alt, vielleicht dement, jedenfalls hilfebedürftig wird. Dann gibts nur noch eins; man wird abgeschoben. Wahlweise ins Alters- oder ins Pflegeheim. Ins Heim zieht man nicht, ins Heim muss man, heißt die Botschaft, die überall verkündigt wird. Insbesondere in den Medien. Ich denke aber, wer privat oder öffentlich davon spricht, dass Alte nur noch abgeschoben werden, der macht es sich zu einfach. Der macht sich zum Richter. Wer stereotyp ein Heim als Abstellbahnhof für ausrangiertes Leben darstellt, der trägt dazu bei, Angehörige und Betroffene zu verunsichern. Wer über die Frau tuschelt, die ihre Mutter ins Heim gibt, wer von moralischer Verpflichtung spricht, der nimmt den Druck nicht wahr unter dem die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen in dieser Lebenssituation sowieso schon stehen.
Ich denke da zum Beispiel an meinen Nachbarn;
Herr Wiese ist 91. Seit mehr als zehn Jahren Witwer, die Kinder hunderte Kilometer entfernt. Lange konnte er sich selbst versorgen, jetzt kommt täglich das Essen auf Rädern. Einmal die Woche die Putzhilfe, einmal die Enkelin mit dem Einkauf, gelegentlich schaut eine Nachbarin nach ihm. Seit er gefallen ist, geht er noch nicht mal mehr auf den Hof. Seinen Oleander und die gepflegte Hortensie hat er schweren Herzens verschenkt. Manchmal spricht er vom Sterben. Dazu ist er bereit. Nur eins will er nicht - ins Heim. Da kommen die jungen Dinger und füttern einen, sagt er. Und: Die sagen mir, was ich machen muss.
Viele alte Menschen denken so sie wollen partout nicht ins Heim. Und manche haben Glück wie es zunächst scheint. Da übernehmen die Kinder die Pflege bis es nicht mehr geht sowie Frau Meyer.-
Sie hat ihre demenzkranke Mutter gepflegt. Ist mir ihrer Familie sogar zu ihr gezogen - in die Nachbarwohnung. Und dann begannen die Probleme: Die Oma erkannte den Schwiegersohn nicht mehr und meinte, ihre Tochter gebe sich mit einem fremden Mann ab die Folge. Sie beschimpfte sie Tag und Nacht. Schließlich ging sie sogar mit dem Stock auf die Kinder los, die in ihrer Wohnung Fernsahen. Was gut gedacht war, wird zur privaten Katastrophe. Frau Meyer ist irgendwann am Ende, gibt auf, bringt die Mutter ins Heim. Für alle die beste Lösung. Auch für die alte Dame. Denn im Heim gibt es Mitarbeiterinnen, die für den Umgang mit Demenzkranken geschult sind. Trotzdem: Frau Meyer fühlt sich schuldig.
Fazit: Angst und Abwehr, Sorge und ein schlechtes Gewissen prägen das Erleben vieler Betroffener. Von daher: Finde ich es nicht richtig, vom Abschieben der Alten zu sprechen. Zumal: Wer das tut, der entwertet die gute Arbeit, die in vielen Heimen geleistet wird. Der missachtet die, die sich -haupt- oder ehrenamtlich- Tag für Tag in Heimen engagieren, die unterstützen, pflegen, assistieren.
Richtig ist aber: Alte Menschen wollen selbstbestimmt leben. Sie wollen Wahlmöglichkeiten haben. Seit langem engagieren sich Senioren für differenzierte Wohn- und Lebensmöglichkeiten im Alter. Das Spektrum wird breiter. Doch es wird dauern bis es ausreichend alternative Wohnangebote gibt.
Bis dahin gilt es, die jetzt vorhandenen Möglichkeiten unvoreingenommen zu prüfen und zu überdenken. Ein sachlich differenzierter Sprachgebrauch kann dabei hilfreich sein auch in der Berichterstattung.
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