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Schwarze Rutenpädgogik
Letztes Jahr sollte ich bei Bekannten den Nikolaus für ihre Kinder spielen. Im Flur stand ein großer Sack mit Geschenken bereit, aber auch die unvermeidliche Rute
und ein goldenes Buch. Darin stand über jedes Kind etwas: ein paar nette Sachen, aber auch ein paar Dinge, die der Nikolaus den Kindern austreiben sollte.
Als ich in meinen roten Bademantel schlüpfte, kamen ein paar aufgebrachte Mütter runter und sagten: Der Frederik, das ist so ein richtiger Satansbraten, der hat gerade eben noch die Sophie geschubst und ihr den Teddybären weggenommen. Den kannst du ruhig mal ordentlich durch die Mangel nehmen, bevor du ihm sein Geschenk gibst.
Und irgendwie denke ich da: Nee. Darum geht es nicht. Geschenke sind keine Belohnungen und keine Erziehungsmittel. Geschenke gibts umsonst, nicht, weil du so oder so bist und dich brav an die Regeln gehalten hast. Dass man in der Welt etwas leisten muss, um Anerkennung zu bekommen, lernen die Kinder schon früh genug. Und vielleicht brauchen gerade Jungs wie Frederik die Erfahrung, dass man sie trotz ihrer Fehler lieb hat.
Darum eine Bitte an alle Nikoläuse dieses Jahr: Lasst das blöde goldene Buch und die schwarze Rutenpädagogik zuhause und gebt den Kindern um Gottes Willen ihre Geschenke ohne den erhobenen Zeigefinger. Denn das sind sie wert.
Sprecher: Daniel Schneider
Schwarze Rutenpädgogik
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