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Das ist eine Befreiung und ein tolles Gefühl!--Wie Kinder und Jugendliche den Buß-und Bettag sehen
O-Ton Gespräch zwischen 2 Mädchen: Mensch, Celine. Der Weg durch den Wald nimmt ja gar kein Ende! Weißt du noch, wo wir sind?
Keine Ahnung. Ich glaub, wir gehen die ganze Zeit im Kreis herum. Hast du nicht die Wanderkarte mitgenommen? Hol die doch mal raus!
Autorin: So ist es sicherlich vielen von Ihnen schon einmal ergangen. Sie gehen einen Weg entlang, sind sich anfangs auch ganz sicher, wo Sie hergehen wollen, aber plötzlich stehen Sie vor einem unüberwindbaren Hindernis oder Sie landen in einer Sackgasse. Und dann müssen Sie sich entscheiden. Bleiben Sie stehen und verharren in Ihrer misslichen Situation? Rufen Sie um Hilfe? Oder gehen Sie zurück und wählen, wie die beiden Mädchen im Wald, einen neuen, anderen Weg.
O-Töne Mädchen: Komm, wir gehen jetzt einfach mal weiter und dann kommen wir schon irgendwo an.
Autorin: Um Haupt- und Nebenwege, Umwege und Irrwege, um Gratwanderungen, Einbahnstraßen und Stolpersteine geht es in dieser Evangelischen Sendung zum Buß-und Bettag. Aber auch ums Verlaufen, Im Kreis laufen, ums Umkehren und den Weg zurück nach vorn.
Musik: Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird oft steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst du dir einig sein. Doch das Leben bietet so viel mehr.
O-Töne verschiedene Kinder: Wandern ist lustig, weil das Spaß macht, wenn viele Kinder zusammen sind. Ich find Wandern spannend, weil dabei kann man auch neue Dinge sehen. Man erlebt auch viele Abenteuer auf dem Weg. Ich hab mal eine Erdkröte gesehn auf 1000 Meter Höhe ohne Wasser. Wenn man wandert, kann man auch neue Tierarten sehn und da wird man auch ein bisschen entspannter.
Autorin: Nicht alle Wege sind so unbeschwert und heiter, und nicht alle führen geradewegs zum Ziel.
O-Töne verschiedener Kinder: Wenn man den falschen Weg genommen hat oder da ein Hindernis ist, dann kriegt man manchmal auch ein bisschen Panik. Dann fühl ich mich meistens verlassen, wenn da gar keiner ist. Ich kann mich gut da rein versetzen, weil ich bin auch mal son Weg ohne Schilder gegangen und das war irgendwie komisch, weil man hat gar keine Orientierung. Wenn du jetzt im Wald bist und kein Mensch da ist, dann würd ich einfach der Sonne folgen. Ich würd wieder zurücklaufen, da wo ich hergekommen bin. Ich hätte Gott gefragt, ob er mir helfen könnte, weil Gott kennt den Weg, weil Gott die ganze Welt kennt und er kennt auch diesen Weg, den ich dann hinlaufen kann. Weil Gott hat ja die Welt erschaffen, dann kennt der sich auch da drinne aus. Weil Gott ein lieber Mensch ist, weil er auch die Welt erschaffen hat. Ich würde Gott vertrauen, weil Gott alles sehn kann und so groß ist Das bringt auch vielleicht son bisschen Hoffnung auf, dass man dann nicht mehr so verzweifelt ist, dass man sich dann an andere Sachen erinnern kann, dass man wieder weiß, wo man ist und so.
Autorin: Mirai, Mara, Nele, Sarah und Cedric haben großes Vertrauen in Gott. Er kennt den richtigen Weg und wird sie sicher nach Hause bringen, glauben die Neunjährigen. Denn zuhause, das ist ihr Ziel:
O-Töne verschiedener Kinder: Da hat man ja auch die Geborgenheit, die man woanders halt nicht hat und dass man sich da wohl fühlt, dass nichts fremd ist und dass einem da nichts passieren kann. Dass die Eltern einen zuhause trösten, dass einem da niemand weh tut und da kriegt man auch alles, was man braucht. Zuhause ist es auch schön warm und so. Die Familie, die Liebe und die Freundschaft ist das Wichtigste im Leben, da hat man eine Mama und einen Papa und wenn man sich liebt, dann ist das sehr schön für einen Menschen. Es ist schön nach Hause zu kommen, weil man dann nicht mehr einsam ist.
Autorin: Verloren gehen und nach einem langen, mühseligen Weg wieder nach Hause zurückfinden, eine solche Geschichte wird auch in der Bibel erzählt. Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn.
Sprecher: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der Jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Der Vater gab ihm das Geld, und der Sohn packte all seine Sachen zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Am Ende war er bettelarm, er hatte keine Wohnung und nichts mehr zu essen. Da ging er in sich und sagte. Ich will nach Hause gehen, zu meinem Vater und ihn um Verzeihung bitten. Und er ging nach Hause. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen. Er lief seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Und er sagte zu allen Knechten: Wir wollen essen und fröhlich sein, denn mein Sohn war verloren und ist wieder gefunden worden.
O-Töne Kinder: Ich fand das war eigentlich auch mutig von dem, weil der Vater
man weiß ja nicht, wie der reagieren würde Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass der Vater dem in die Arme fällt, weil der hat ja alles das Geld mitgenommen, der Sohn, und der hat das alles ausgegeben. Der Sohn ist zurückgekommen, weil er einsam war. Der hatte einfach nichts mehr, woran der sich festhalten kann. Ich glaube, dass er dem Sohn verziehen hat und dann glaub ich, dass der Vater sich erst mal nur gefreut hat, dass er seinen Sohn wieder hatte. Die Geschichte erinnert mich daran, dass man zu manchen Personen, egal, welchen Mist man gebaut hat, egal, was man gemacht hat
man kann immer zu denen zurückkommen. Und die nehmen einen immer wieder in den Arm und nehmen dich an, so wie du bist. Autorin: Genau so ist es auch bei Gott, weiß Pfarrer Gerd Höft.
O-Ton Pfarrer Höft: Der sagt, ich lieb euch alle. Die, die zuhause bleiben und die, die weggehen. Die, die Fehler machen und die versuchen keine zu machen. Das gehört zum Menschsein einfach dazu. Und deshalb gehört auch dazu, dass du dich trauen kannst immer zurück zu kom-men. Ein bisschen Risiko ist schon dabei, wie das ganze Leben nicht ganz risikofrei ist. Ich könnt mir auch vorstellen, dass im realen Leben es Väter gibt, die sich lange bitten lassen, bis sie endlich die Tür aufmachen,
aber hoffnungslos wär es auch nicht.
Musik Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist oft steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst du dir einig sein, doch das Leben bietet so viel mehr.
Autorin: Eine solche Umkehr, wie sie in der Geschichte vom verlorenen Sohn beschrieben wird, muss nicht immer der Weg zurück zu den Eltern oder nach Hause sein. Auch im Alltag gibt es viele Situationen, in denen man etwas falsch macht, sich in etwas verrennt oder sich im Kreis dreht. In denen man merkt, dass die Richtung, in die man läuft, in eine Sackgasse führt.
O-Töne verschiedener Kinder: Ich hatte mich mal mit einem Kind befreundet, das hat mich immer nur angelogen und herumgeschubst als wär ich der letzte Dreck, dann hab ich gesagt, nee, ich möchte nicht mehr mit dem Kind spielen, das kann sich andere Freunde suchen. Dann hab ich in meinem Innern gesagt, das kann doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Ich hab von meiner Mama aus Wut eine Blumenvase kaputt gemacht und dann hab ich gedacht, oh nein, das war jetzt ne falsche Entscheidung und dann hab ich ihr eine neue Blumenvase gemacht, aus Ton.
Wenn man klaut, dann sollte man sich dafür entschuldigen oder dafür grade stehen, erst mal sollte man die Wahrheit sagen und das wieder zurückgeben und bezahlen.
Ich glaub, das ist einem dann ein bisschen peinlich.
Autorin: Besonders peinlich und schwierig wird das Umkehren, wenn man als Mitglied einer Clique unterwegs ist. Selbst wenn man tief in seinem Innern weiß, dass die Gruppe in die falsche Richtung läuft, wird man zunächst einmal mitlaufen, meint der 13jährige Philip.
O-Töne Kinder: Ich finde, wenn man jetzt eine Gruppe hat, wo die Gruppe an sich schon eher negativ auffällt, dass man dann selber schon dazu genötigt wird, solche Wege einzuschlagen, dann macht man einfach mit, weil man das cool findet, dieses Gefühl dazuzugehören. Man denkt halt eben, ja gut, ich könnte jetzt nen Rückzieher machen, aber die andern machens ja auch, dann kann ichs auch machen.
Ich denk mal, durch den Druck der Gruppe lässt macht man oft dumme Dinge.
Die Gruppe ist viel stärker und allein kommt man gar nicht gegen die an, weil die alle zusammenhalten und wenn da einer aussteigt, dann wird der auch sofort gemobbt.
Autorin: Mitschüler mobben, erpressen oder verprügeln, im Supermarkt klauen, die Schule schwänzen oder mutwillig das Eigentum Anderer zerstören - das sind nur einige Beispiele, wie auch Kinder schon auf den falschen Weg geraten können. Nicht alle merken es und können aus eigener Kraft anhalten. So wie Michelle, Mara, Eileen und Eve.
O-Töne verschiedener Kinder: Wenn ich was falsch mache, merk ich das. Dann ist es in mir ganz komisch. Und wenn ich das nicht selber merke, dann kriegt man es ja auch von den Mitmenschen mit, wenn die jetzt z.B. in einem Streit oder irgendwas mit drin sind, das mitgekriegt haben
und wenn die einem das dann sagen, kommt man innerlich auch selber dazu. Dann denkt man nach, was man falsch gemacht hat und geht noch mal alles durch, was man getan hat und überlegt, ob das richtig oder falsch ist.
Wenn ich was falsch gemacht hab, merk ich daran, dass ich mich einfach schlecht fühle. Wenn ich z.B. mies zu ner Freundin bin, wenn ich dann eine Nacht drüber schlafe, dann merk ich richtig, dass ich das eigentlich gar nicht wollte und dann gehts mir auch gar nicht mehr so gut. Das sagt mir immer mein Bauchgefühl dann.
Dann trägt mein Kopf ganz verschiedene Sachen rum: Hab ich das jetzt richtig gemacht, hab ich das falsch gemacht? Und dann denk ich noch mal in Ruhe nach, ob ich das wirklich richtig gemacht habe, sonst änder ich das oder versuch es zumindest zu ändern.
Autorin: Zweifel, ungute Gefühle oder ein schlechtes Gewissen woher kommen sie, wer lässt sie uns spüren?
O-Töne Kinder: Ob Gott jetzt irgendwie Signale aussendet, wie man sich fühlen soll, da würd ich jetzt schon überlegen, ob das so ist. Weil irgendwo müssen die schlechten Gewissen ja herkommen und wer soll das machen als irgendwer, der eh über alle wacht sozusagen.
Ich denk schon, wenn man was falsch gemacht hat, dass man dann vielleicht auch an Gott denkt, dass man halt jemanden hat, mit dem man reden kann.
Eigentlich glaub ich ja nicht an irgendeine Macht oder an Gott oder so, aber manchmal ist es auch so, wenn das schlechte Gewissen einfach kommt, einfach da ist, dann überleg ich natürlich schon manchmal, wo kommt das jetzt her und ob das was mit Gott zu tun hat?
Autorin: Für Pfarrer Gerd Höft ist das keine Frage. Er glaubt, dass göttliche Signale die Menschen einnorden können, wie ein Kompass.
O-Ton Dr. Höft: Gott kann in unserm Leben sicherlich Kompass oder Navigationsgerät sein, der ist im Grunde eigentlich beides. Er ist derjenige, der die Signale schickt und gleichzeitig sagt, wenn du die Signale aufnimmst und richtig entschlüsselst und deutest, dann hast du auch gleichzeitig Markierungen für einen neuen Weg.
Musik: Dieser Weg wird kein leichter sein
Autorin: So eine Richtungsänderung ist mit vielen widersprüchlichen Gefühlen verbunden. Denn einen Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen, dazu muss man sich erst einmal durchringen
O-Töne verschiedener Kinder: Dass man Entschuldigung sagen will, aber es vom inneren Schweinehund her nicht will, weil man sich eventuell schämt, diese Tat gemacht zu haben, für die man sich entschuldigen will.
Einerseits ist das ein gutes Gefühl, dass man das geschafft hat überhaupt erst mal umzukehren, aber man hat halt in dem Moment auch Angst, dass die Freunde auch irgendwie sauer sind, weil bei ner negativen Tat gibt es ja nicht so viel Gutes.
Ich ermutige mich immer selber und sag mir immer im Kopf: ich schaff das, ich schaff das und dann klappt es auch. Am Anfang denkt man, es ist schwierig, aber wenn man das dann später raus lässt, dann ist das eigentlich ganz einfach, dann schwebt es sich aus einem raus.
Man muss schon eingestehen, dass man auch Mist gebaut hat, weil sonst kann man sich ja gar nicht mehr entschuldigen.
Dann muss man ja auch alleine dafür grade stehen und das auch wieder richten. Wenn man sich z.B. gestritten hat, dann muss man es allein wieder gut machen.
Autorin: Nicht jeder schafft es ganz allein, umzukehren und neue Wege zu betreten. Denn dazu muss man oft schwere Entscheidungen treffen.
O-Töne Kinder: Mein Bruder hilft mir manchmal die Entscheidungen zu treffen, dann entscheiden mein Bruder und ich gemeinsam, was richtig ist
Man könnte beten, ich glaube, das nützt schon etwas. Dass man irgendwie im Kopf die Richtung sich besser vorstellen kann.
Ich glaube, dass Gott mir dann auch den richtigen Weg zeigt.
Ich würd schon vielleicht zu Gott beten, dass er mir hilft, weil es muss ja auch jemand auf die Menschen aufpassenund nicht immer nur die Eltern.
Ich glaub nicht, dass jetzt nur Gott mir sagen kann, der richtige Weg ist das.. sondern auch Mitmenschen. Die dann zu dir kommen und die das vielleicht selbst schon mal so erlebt haben und sagen, das ist Kacke, was du machst.
Autorin: Auch der heute 29jährige Ben ist solchen Menschen begegnet. Mit 14 kam er durch falsche Freunde vom Weg ab und begann eine zweifelhafte Gratwanderung. 5 Jahre lang balancierte er tollkühn über jeden Abgrund und suchte seine Grenzen
O-Ton Ben: In der Schule war man der große King, man war lange weg, man hat die falschen Leute kennen gelernt, rückblickend. Aber in dem Moment war man der bekannte Coole von der Schule, der auch die bösen Jungens kannte, der jede Mutprobe mitgemacht hat. Und automatisch kommt man in Kreise, wo man mit Drogen konfrontiert wird, das fängt an mit Marihuana, geht dann weiter zu Pep, Speed, Koks, keine Ahnung-- und dann mit siebzehn, achtzehn nimmt man dann mal chemische Drogen und probiert die aus. Und das private Leben ist ne Riesenparty. Aber auf die Dinge, die es wirklich ankommt, Freunde, Familie, Leute, die einen eigentlich bewahren wollen oder einen auf den richtigen Weg bringen möchten, für die interessiert man sich nicht mehr und alles andere bleibt auf der Strecke.
Autorin: Ben ließ die Schule schleifen, er zog nächtelang mit seiner Clique um die Häuser, kam mit der Polizei in Konflikt und hatte ständig Stress mit seinen Eltern. Seine ehemaligen Mitschüler machten mittlerweile das Abitur und planten ihr Studium.
O-Ton Ben: Der Moment, wo ich ins Grübeln gekommen bin und diesem Lebensabschnitt abtrünnig werden wollte oder mich verändern wollte, war ein schleichender Prozess, weil irgendwann sieht man Leute, mit denen man groß geworden ist, die studieren gehen, die Erfolge in ihrem Werdegang nach der Schule verzeichnen
Bei mir war es der Zivildienst, wo ich gemerkt habe, dass nach dem Zivildienst erst mal nichts mehr kommt. Und ich mich für irgendwas entscheiden muss und dass einem die Möglichkeit, wenn man nicht den Schulabschluss hat, einen eigentlich eingrenzen oder begrenzt sind.
Autorin: Zwei engagierte Lehrer halfen Ben, das Fachabitur und eine Ausbildung zu machen.
O-Ton Ben: Und als ich mich entschlossen hab, einfach mal Gas zu geben und zu gucken, was steckt eigentlich in mir und Erfolge feiern konnte, das hat mich beflügelt und dementsprechend wollt ich auch wissen, wo führt mich das hin. Also hab ich nach der Ausbildung ein Studium angefangen und all das trägt irgendwann Früchte. Wenn man fest genug an sich glaubt und das nötige Quäntchen Glück hat, dann klappt das, ja!
Musik: Manche treten dich, manche lieben dich Manche geben sich für dich auf. Manche segnen dich Setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust
Autorin: Nicht alle Jugendlichen, die den falschen Weg eingeschlagen haben, schaffen es, so wie Ben.
O-Töne Jugendliche: Ne Freundin von mir, deren Mutter ist halt sehr schwer krank geworden, dann hat die halt die Schule geschmissen, ist nicht mehr hingegangen, hat 1000 Ausbildungen angefangen, aber alles abgebrochen, hat jetzt ein Kind, aber nicht mal einen Schulabschluss, und ich sag mal so, ich glaub schon, dass sie das später mal bereuen wird.
Ich kenne das auch von meiner eigenen großen Schwester. Die hat sich mit 17 dem falschen Freundeskreis zugewandt, hat dann auch ein paar krumme Dinger gemacht. Und jetzt, mit der Zeit, hat sie sich wieder ein bisschen gefangen, hat auch ne Ausbildung angefangen, also hat sich umgekehrt im Prinzip.
Autorin: Sein Leben völlig umzukrempeln und bewusst zu ändern, das kostet eine Menge Kraft und Überwindung, wissen die Jugendlichen.
O-Töne Jugendliche: Bis es soweit ist, dass man umkehrt, muss man schon Entscheidungen treffen und ich glaub, das ist ganz schön schwer sich einzugestehen, dass man was Falsches gemacht hat, weil man denkt ja eigentlich, man verhält sich richtig in dem, was man tut.
Man sollte sich erst mal bewusst darüber werden, dass man sich gerade auf dem falschen Weg befindet und die Situation erkennen, und das erfordert glaub ich auch ziemlich viel Mut, den Wandel im Leben vorzunehmen und den zu vollziehen.
Ich hätte eher das Gefühl, dass man den Boden unter den Füßen verliert und das ist schon so, dass man doof angeguckt wird und nen blöden Spruch reingewürgt bekommt, aber man sollte es halt trotzdem durchziehen. Man braucht viel Selbstvertrauen, dass man daran glaubt, dass man das schaffen kann und vielleicht halt auch Leute, die einen dabei unterstützen, die Eltern oder die Freunde einfach.
Bei soner Entscheidung kommt es einfach auf einen selbst an, ob man jetzt den Mut hat oder nicht, in der Religion kann man vielleicht Unterstützung für sich selber finden, aber wenn man selber nicht will, wird auch son Gott nichts bringen.
Ich denke, es gibt sehr viele Vorbilder sozusagen, die es in der heutigen Gesellschaft gibt. Oder auch Lehrer, Eltern, die versuchen einem den Weg zu weisen. Man kann vielleicht die Ratschläge annehmen, aber im Endeffekt sollte man auf sein Bauchgefühl hören und wenn man einfach, während man die Entscheidung trifft, ein gutes Gefühl hat, dann sollte man die auch hinterher nicht bereuen.
Autorin: Auch Pfarrer Gerd Höft hält nicht viel von Reue oder Schuldgefühlen.
O-Ton Höft: Wir sind Menschen, wir machen halt Fehler, das gehört eigentlich dazu. Manchmal machen wir es leider auch bewusst, um so mehr kann ich dann bewusst sagen, da muss ich etwas ändern. Also Schuld ist nicht hilfreich, wenn ich neu starten will. Hilfreich ist zu sagen, ja gut, ich hab einen Fehler gemacht. Aber es soll einen nicht niederdrücken, es soll ein Ansporn sein zu sagen, das mach ich jetzt nicht mehr.
Autorin: Aber wie viele solcher Krisen kann ein Mensch verkraften, wie oft im Leben kann er umkehren und seinen Sinn ändern?
O-Töne Jugendliche und Kinder gemischt: Ich find jeder hat ne 2., 3. oder auch 4. Chance verdient, aber so nach 10 Chancen dann wirds doch langsam ein bisschen grenzwertig.
Aber trotzdem kann man auch mal Fehler machen, aber nicht zu oft die Fehler machen, also man soll besonders nicht die gleichen Fehler machen.
Autorin: Dabei kann einem auch der Glaube helfen, meint Pfarrer Gerd Höft.
O-Ton Höft: Wenn man so über ne längere Lebensstrecke guckt und man staunt, wieviel Krisen und Fehler man hat bewältigen müssen und wie oft man dann die Hände faltet und sagt, lieber Gott, kannst du noch mal ein Auge zudrücken oder kannst du mir noch mal helfen, könnt man den Eindruck haben, irgendwann hat er wahrscheinlich die Nase voll. Also was ich gelernt habe in meinem Glauben an das Leben, Gott hat nie die Nase von einem voll, er steht einem immer wieder zur Seite und sagt, nu mal los, geht schon, kriegen wir hin!
O-Töne Kinder und Jugendliche gemischt: Ich glaube, Gott würde demjenigen verzeihen, weil das ja einfach sein Kind ist. Man liebt seine Kinder und tut auf die aufpassen, ich glaub Gott würde ihnen immer verzeihen. Nur wenn man das dann immer wieder und mit Absicht macht, dass der dann auch irgendwann genug hat, weil dann hat man sich ja auch gar nichts davon angenommen.
Ich denke, Gott wird uns immer wieder annehmen. Er kann immer wieder darüber hinwegschauen, weil es ihm wichtiger ist eine Beziehung zu uns zu haben und er freut sich immer wieder, wenn wir zurückkommen. Auch mit einem Eingeständnis, ich habs schon wieder falsch gemacht, auch dann.
Irgendwie ist der ja doch an einem interessiert. Und Gott kann einen vielleicht auch stärken auf dem Weg der Besserung und so kann man wieder neue Freunde finden und ins Leben richtig einsteigen.
Autorin: Und dieses Vertrauen in sich selbst, in Gott und das Leben, kann beflügeln.
O-Töne Kinder und Jugendliche gemischt: Man sollte nie aufhören an das Gute in sich selber zu glauben, man sollte jetzt niemals so im Schlechten stehen bleiben, sondern immer wieder versuchen so ins Gute zu kommen, auch wenns schwierig ist.
Das ist auf jeden Fall ne Befreiung, dann ist es natürlich auch ein tolles Gefühl.
Weil das ist ja vom Selbstbewusstsein her,man möchte das schaffen und das gibt einem Energie.
Das beflügelt schon eher, das gibt einem mehr so den Impuls, ja ich mach da was draus. Also man hat eher son frischen Lebensgeist, ja!
Autorin: Dieser frische Lebensgeist gibt dem Wort Buße tun eine ganz neue Bedeutung, meint Pfarrer Gerd Höft.
O-Ton Höft: Heute Buße tun ist was, was man wirklich im Neuen Testament lesen kann. Dort heißt es nämlich, wenn man es richtig übersetzt Ändere deinen Sinn. Ändere deinen Sinn heißt ändere deine Lebenseinstellung und um meine Lebenseinstellung zu ändern muss ich die mal überprüfen. Muss ich neue Gedanken denken, wo kann ich was Altes abschließen, wo was Neues anfangen. Insofern ist der Bußtag eine sehr wichtige und schöne Geschichte, weil er eigentlich Kräfte freisetzt, mit ein paar Lasten, die man so mit sich rum trägt mal fertig zu werden oder die loszuwerden. Und das würde Buße tun auch heißen, Lasten abwerfen!
Autorin: Und dazu ist der heutige Buß-und Bettag eine gute Gelegenheit. Ein Tag zum Nachdenken, zum Dinge hinter sich lassen, zur Kehrtwende oder Richtungsänderung.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Zeit und einen guten Weg. Ihre Monika Hanewinkel.
Das ist eine Befreiung und ein tolles Gefühl!--Wie Kinder und Jugendliche den Buß-und Bettag sehen
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