Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.11.11; Pfarrerin Johanna Krumbach

Ich bin die Auferstehung und das Leben

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! In diesen Tagen gehen unsere Gedanken zurück zu den Menschen, die wir geliebt haben und die inzwischen gestorben sind.

Morgen ist Totensonntag, oder wie er seit einigen Jahren heißt: Ewigkeitssonntag. Meine Gedanken gehen zurück zu meinen Eltern. Diese Erinnerungen sind ganz unterschiedlich: Traurige Momente von der Herzkrankheit meines Vater und von seinem Sterben wenige Jahre nach dem Ruhestand, Gedanken an die Zeit meiner Mutter im Altenheim, aber auch fröhliche Erinnerungen an glückliche Kindheitstage mit meinen Eltern, an Ausflüge und Geburtstage.

Ich bin traurig, dass sie nicht mehr da sind – dass ich nichts mehr von ihnen habe. Trotzdem glaube ich: sie sind gut aufgehoben, an dem Ort, den wir Christen Ewigkeit oder Ewiges Leben nennen. Wir wissen nicht viel über diesen Ort, auch die Bibel spricht nur in Bildern –Aber ich glaube, es ist ein guter Ort, weil sie Gott ganz nahe sind. Der Ewigkeitssonntag ist eng mit dem Begriff der Auferstehung von den Toten verbunden. Hier berührt mich die Geschichte von Lazarus immer wieder.

Lazarus war viel zu jung an einer Krankheit gestorben. Seine Schwestern, Maria und Martha, lassen Jesus rufen. Wenn du hier gewesen wärest, so wirft Martha Jesus vor, dann wäre unser Bruder nicht gestorben. Jesu antwortet ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Martha entgegnet: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Und dann sagt Jesus jenen bedeutungsvollen und hoffnungsvollen Satz zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Sie gehen zu dem Felsengrab, in dem Lazarus liegt. Lazarus, komm heraus! – ruft Jesus. Und das Wunder geschieht: der noch mit seinen Grabtüchern bekleidete Lazarus kommt heraus. Er lebt und kann nun mit seinen Schwestern nach Hause zurückkehren.

Liebe Hörerinnen und Hörer, die Menschen, die wir geliebt und verloren haben, werden nicht wieder plötzlich lebendig vor uns stehen. Aber eines wird durch diese Geschichte deutlich. Das Wunder der Auferstehung geschieht nicht an einem fernen Sanktnimmerleinstag, irgendwann in der Zukunft, sondern die Auferstehung hat schon jetzt mit Jesus begonnen. Mitten hinein in unsere Gegenwart ruft er uns zu: Die Menschen, die ihr geliebt habt, und die gestorben – sie sind nicht tot. Wir dürfen die Zeit und Gottes Ewigkeit nicht in unseren Dimensionen denken. Wir sind umgeben von Gottes Gegenwart zu allen Zeiten unseres Lebens. Und diese Gegenwart hört mit dem Tod nicht plötzlich auf.  Er nimmt uns jenseits der Grenze des Todes in die Arme und schenkt uns neues Leben. So ist der Glaube an die Auferstehung keine Vertröstung auf ein besseres Jenseits, das wir in ferner Zukunft vielleicht einmal erleben werden, das aber nichts mit unserer Gegenwart zu tun hat. Sonders es ist die Hoffnung darauf, dass unsere Verstorbenen  - ebenso wie wir selbst einmal – auferstehen. Und das  hat Auswirkungen auf unser gegenwärtiges Leben.

Wenn wir also morgen auf den Friedhof gehen, dann lassen Sie uns das nicht traurigen Herzens tun, sondern voller Hoffnung mit den Worten Jesu im Ohr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Gott  befohlen! Ihre Johanna Krumbach

Audiobeitrag Ich bin die Auferstehung und das Leben


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