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Buß- und Bettag
In meiner Schulklasse gab es eine Claudia, und Claudia war das perfekte Opfer. Immer ein bisschen altmodisch angezogen, die braunen Haare zu einem langen Zopf geflochten,
und ihr Hobby war Gartenarbeit. Natürlich war sie eine gute Schülerin und hatte immer brav ihre Hausaufgaben gemacht. Ansonsten versuchte sie, möglichst unauffällig zu sein.
Aber das nutzte ihr nichts. Die Klasse hatte Claudia von Anfang an auf dem Kieker. Sie wurde zwar nicht verprügelt oder so was. Aber niemand wollte neben ihr sitzen. Wenn sie was sagte, verdrehten alle die Augen oder äfften sie nach. Es kursierten alberne Zeichnungen von ihr. Klassisches Mobbing eben.
Ich habe bei alledem mitgemacht. War zwar nicht ganz vorne dabei, aber ich hatte auch nix dagegen, dass Claudia zur Schnecke gemacht wird. So wie alle anderen.
Irgendwie muss ich in letzter Zeit öfter mal an diese Claudia denken. Und habe heute ein richtig schlechtes Gewissen für das, was wir mit ihr angestellt haben. Die Zeit in unserer Klasse muss für sie grausam gewesen sein. Ich glaube, wenn ich sie heute zufällig mal treffen würde, wäre mir das extrem peinlich. Vielleicht würde ich mich sogar bei ihr entschuldigen.
Sich eigene Fehler eingestehen. Zugeben, wenn man jemandem Unrecht getan hat. Und dafür um Verzeihung zu bitten. An solche Dinge erinnert der Buß- und Bettag. Denn Buße, das heißt ja nichts anderes als die Richtung zu wechseln, noch mal neu anzufangen. Und sich vielleicht an Gott zu wenden, wenn man es alleine nicht hinkriegt.
Sprecher: Daniel Schneider
Buß- und Bettag
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