Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.11.11; Pfarrerin Johanna Krumbach

Vom Teilen

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer!Teilen macht Freude! Aber mit dem Teilen ist es ja so eine Sache. Wir teilen gern mit Menschen, die sich dankbar zeigen.

Wir teilen gern, aber meist nicht das buchstäblich „letzte Hemd“. Wir geben nur so viel ab, dass unsere eigene Existenz nicht bedroht ist.

Es ist interessant, welche Menschen teilen. Oft hängen diejenigen, die viel haben, viel mehr an ihrem Besitz als diejenigen, die nicht so viel haben.

Diejenigen, die eigentlich besonders darauf achten müssen, dass sie genug zum Leben haben, sind oft sehr freigiebig. Hier ein Beispiel, das ich bei meiner Arbeit mit der „Initiative Henkelmann“ erlebt habe. Diese Initiative ist eine Lebensmittelausgabestelle. Kirchengemeinde und Rotes Kreuz haben sich vor drei Jahren zusammengetan und geben jeden Montag Lebensmittel an bedürftige Menschen ab. Wir sind angewiesen auf die Lebensmittelspenden der ortsansässigen Firmen oder auch auf Geldspenden. Neben den allwöchentlichen großen Lebensmittelspenden, gibt es aber auch Privatpersonen, die uns am Montag ganz verschiedene Sachspenden in die Ausgabestelle bringen. Besonders beeindruckt mich immer wieder ein Rentner- Ehepaar, von dem ich weiß, dass es selbst nicht allzu viel besitzt. Die Frau sitzt inzwischen im Rollstuhl, der Mann pflegt und unterstützt sie, wo er kann und macht nebenher noch den Haushalt. Sehr regelmäßig bringen sie uns eine Kiste mit wohl überlegten, liebevoll ausgewählten Spenden. Teilen macht Freude!

Auch die Bibel kennt solche besonderen Menschen. Die Witwe von Sarepta ist eine arme Frau. Sie ist dabei für sich und ihren Sohn eine letzte Mahlzeit vorzubereiten. Danach haben sie nur noch den Hungertod vor Augen – so groß ist ihre Armut. Geblieben ist ihr eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Da kommt der Prophet Elia des Wegs. Er ist hungrig und bittet die Frau um ein Stück Brot. Als sie sich entschuldigt, dass sie seiner Bitte nicht nachkommen kann, weil sie selbst nichts mehr hat, sagt Elia zu ihr: „Geh heim, und backe dein Brot. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck, und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.“ Liebe Hörer und Hörerinnen, welcher vernünftige Mensch würde sich wohl auf so eine Zusage einlassen!?

Doch die Witwe vertraut den Worten Elias. Sie teilt mit Elia das letzte bisschen Essen, was sie und ihr Sohn noch haben. Und  - oh Wunder – sie erlebt, dass Teilen Freude macht! Sie und ihr Sohn  mussten nicht verhungern. Der Mehltopf wurde nicht leer, und der Ölkrug versiegte nicht, wie der Herr durch Elija versprochen hatte. (1 Kön 17,10-16)

Vielleicht können wir uns ein Beispiel an diesen Menschen nehmen und selbst wieder neu über das Teilen nachdenken. Warum wir mit anderen teilen oder warum vielleicht auch nicht und wer mit uns teilt, von dem wir es vielleicht gar nicht erwartet haben.

Gott befohlen! Aus Augustdorf grüßt Sie Ihre Johanna Krumbach

Audiobeitrag Vom Teilen


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