Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.11.11; Mark Christian Pollmeier

Wohlstandsmüll

Vor ein paar Tage hab’ ich mir eine Tiefkühl-Pizza gemacht, so ein Riesenteil mit dickem Boden. War auch echt lecker – nur leider ein bisschen viel:

Ein gutes Viertel musste ich liegen lassen. Na, das ess’ ich später, dachte ich mir, und schob das Pizzastück auf dem Blech zurück in den Backofen. Natürlich hab ich es dann vergessen. Nach zwei Tagen sah die Pizza dann nicht mehr ganz so lecker aus und wanderte in den Müll.

Jeder kennt das: Zu viel gekocht, der Rest steht noch eine Weile rum und wird dann entsorgt. Oder ein paar Tage nicht zu Hause gewesen, im Kühlschrank sämtlicher Joghurt abgelaufen und die Milch sauer: also weg damit. Das Brot nicht ordentlich verpackt, jetzt ist es steinhart geworden, kann kein Mensch mehr essen: ab in die Biotonne.

Hier was weggeworfen, dort mal was entsorgt: Auf Dauer summiert sich das. Erst recht, wenn man sich noch all die Restaurants und Supermärkte dazu denkt. Man mag es kaum glauben, aber weltweit landet angeblich die Hälfte aller produzierten Lebensmittel auf dem Müll, teilweise noch original verpackt. Während gleichzeitig ganze Landstriche vom Hunger bedroht sind.

Ich weiß ja: Der Hunger in der Welt wird nicht dadurch weniger, dass ich brav meine Pizza aufesse. Und doch hängt beides zusammen. Mein Konsumverhalten beeinflusst die weltweiten Nahrungspreise, das Klima, alles Mögliche.

„Denk an die hungernden Kinder in Afrika!“ hat meine Oma früher gesagt, wenn jemand seinen Teller nicht leer gegessen hat, und die ganze Familie hat darüber den Kopf geschüttelt. Aber ein bisschen hat Oma wohl recht gehabt.

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Wohlstandsmüll


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