Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.11.11; Pfarrer Matthias Köhler

Alice Cooper glaubt an Gott

Autor: Er ist der Erfinder und die Personifizierung des "Shock-Rocks". Unvergessen sind seine spektakulären Auftritte mit lebenden Riesenschlangen.

Und er ließ sich auf der Bühne auch schon mal von einer Guillotine köpfen. Die Augen dunkel geschminkt, die Gitarren laut und krachend: Nein, Alice Cooper ist kein nice Guy, kein netter Nachbar, wie er in einem seiner Songs singt. And I'm feeling mean, No more Mister Nice Guy, No more Mister Clean. Ich bin gemein – von wegen nett, von wegen sauber! Umso überraschender sind die Töne, die der heute 63jährige Rock’n Roller in einem Zeitungsinterview abgab.

Sprecher: "Shock-Rocker", das ist doch überholt. Heute kann man doch kein Publikum mehr schocken; wenn du Nachrichten guckst, ist das doch viel schockierender als jede nur denkbare Rock-Show. Und was zu Hause anbelangt: Ich bin seit 35 Jahren verheiratet, habe drei Kinder, spiele Golf und gehe regelmäßig in die Kirche. Ich mach zu Hause alles, was ein ganz normaler Familienvater tut. Erst wenn ich mich auf der Bühne in Alice verwandle, werde ich zum übelsten Schurken im Rock-'n'-Roll-Geschäft.

Autor: Dabei hat seine Bühnenshow ein durchdachtes Konzept:

Sprecher: „Bei mir gibt es keine Anspielungen auf den Satanismus. Ich spiele manchmal den Bösen, den Schurken, aber er wird am Ende jedes Mal getötet. Am Schluss ist Auferstehung, es ist Alice im weißen Frack.“

Autor: Der Inbegriff des Schock-Rock inszeniert in seinen Konzerten eine Art Auferstehungsbotschaft. Zunächst klingt das überraschend, aber Alice Cooper bezeichnet sich als gläubigen Christen:

Sprecher: „Ich nehme den Glauben sehr ernst, und ich sag das nicht nur so, sondern ich bemühe mich, auch wie ein guter Christ zu leben. Manche Leute denken allerdings, Christen sitzen den ganzen Tag nur rum und lesen die Bibel, aber das ist nicht das, was Christentum ausmacht.

Autor: Cooper engagiert sich auch finanziell für die christliche Gemeinschaft. Von der christlich-liberalen Grand Canyon University in Phoenix (Arizona) bekam Cooper ehrenhalber den Titel  „Doctor of Music” verliehen. Bekannt ist Cooper allerdings eher für die spektakulären Effekte seiner Shows, wenn seine Bühnenfigur „Alice“ in eine Zwangsjacke gesteckt wird, am Galgen baumelt oder von einem Beil geköpft das Blut sprudeln lässt. Cooper meint dazu:

Sprecher: Auch Christen gehen zu Rock-Konzerten oder spielen sogar selbst in Rock-Bands. Klar, ich bin auf der Bühne ein Halunke, aber es steht nirgends in der Bibel geschrieben, dass ein Christ keinen Halunken mimen darf, oder?

Autor: Die Bühne, die Musik, die Show – das ist Alice Coopers Beruf. Auf der Bühne der Schurke, zuhause der Brave.Dennoch bemüht er sich, trotz aller schockierender Effekte, ein wenig Moral in seine Shows zu bringen:

Sprecher: „Wir führen ein klassisches morality play auf. Mein Pastor kam einmal in die Vorstellung und sagte, dass er eine Figur zwischen Gut und Böse erlebt habe, wobei am Ende das Gute die Oberhand behielt.“

Autor: Für europäische Ohren vielleicht ein bisschen zu Moralinsauer. Und auch nur Teil einer Bühnenshow. Dennoch meine ich, dass man auch uns an unserem Glauben erkennen sollte – sei es im Beruf oder im Alltag.

Audiobeitrag Alice Cooper glaubt an Gott


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen