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Die Seele braucht Halt
Liebe Hörerinnen und Hörer, heute ist Allerseelen. Ein Tag, an dem katholische Christen für ihre Verstorbenen beten. Sie bitten Gott, er möge sie gnädig aufnehmen.
Für die armen Seelen bitten sie. Wenn jemand gestorben ist so die Vorstellung- irrt die Seele zunächst in einer Art Vorhölle herum, dem Fegefeuer. Zumindest, wenn der Betroffene zu Lebzeiten nicht gottgefällig gelebt hat. Die Gebete sollen der Seele helfen, möglichst schnell diesem Fegefeuer zu entkommen. Zur Zeit der Reformation hat man den Menschen richtig Angst damit eingejagt. Und diese Angst hat man missbraucht, um ihnen dann Geld abzuknöpfen für einen Ablassbrief, der den Verstorbenen diese Qual verkürzen oder ersparen sollte. Diesen Missbrauch hat Martin Luther damals scharf kritisiert. Er schreibt:
Sprecher: Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen im Fegefeuer die Vergebung nicht aufgrund seiner ihm dafür nicht zur Verfügung stehenden- Schlüsselgewalt, sondern auf dem Wege der Fürbitte zuzuwenden. Menschenlehre verkündigen die, die sagen, dass die Seele aus dem Fegefeuer empor fliege, sobald das Geld im Kasten klingt.
Autorin: Luther meint: Wenn Ihr Euren Verstorbenen etwas Gutes tun wollt, dann betet für sie. , Das reicht vollkommen. Diese Bitte für Verstorbene kennen wir Evangelischen auch. Zumal es ja auch heute viele Menschen gibt, die sehr beunruhigt sind was das Seelenheil ihrer Verstorbenen angeht. Mir ist das als Pfarrerin besonders dann begegnet, wenn sich jemand selbst das Leben genommen hatte. Dann waren die Angehörigen unsicher. Bekommt er jetzt ein kirchliches Begräbnis? Ist Selbsttötung nicht eine Todsünde und wurden Menschen, die sich selbst das Leben genommen hatten, früher nicht außerhalb der Stadt begraben?
Manche treffen heute noch auf Pfarrer, die in dem Fall ein kirchliches Begräbnis verweigern. Der Grund: Gott hat uns das Leben geschenkt sagen sie- und er allein entscheidet, wann es zu Ende ist. Aber mittlerweile haben wir auch große öffentliche Trauerfeiern mit kirchlicher Beteiligung erlebt. Ich denke da an Robert Enke, den ehemaligen Torhüter von Hannover 96. Er war an Depression erkrankt und hat sich schließlich das Leben genommen. Und damit ist er nicht allein. Andere nehmen sich das Leben, weil sie vereinsamt sind oder unter solchen Bedingungen leben müssen, die sie es nicht mehr aushalten können. Jedenfalls sind sie nicht leichtfertig mit ihrem Leben umgegangen. Sie konnten es aber auch nicht mehr als Geschenk sehen. Sie waren schon zu ihren Lebzeiten unruhig, umgetrieben. Niemand konnte ihnen helfen. Umso wichtiger sind für ihre Angehörigen eine Trauerfeier und ein Begräbnis. Um zur Ruhe zu kommen, selbst Ruhe zu finden nach allem, was war. Die Beter der Psalmen kennen diese Unruhe und Verzweiflung und auch den Halt, den es gibt, wenn man Gott vertraut:
Sprecher: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Autorin: Wenn wir unruhig sind, umgetrieben von Ängsten und von Sorgen, ist es ein Trost zu wissen: Gott blickt uns mit liebevollen, gnädigen Augen an. Er kennt unsere Schwächen. Und er kennt unsere Schuld. Vielleicht wird uns das ja alles einmal vor Augen geführt, wenn wir bei Gott sind. Aber Gott verwirft uns trotzdem nicht. Er bleibt ein Ankerpunkt, im Leben und im Tod. Er hört unsere Klagen und unsere Bitten. Er gibt unserer Seele so Halt. Und lässt uns ruhig werden.
Einen seelenruhigen Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Barbara Schwahn von der Evangelischen Kirche in Düsseldorf.
Die Seele braucht Halt
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