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Wintertochter
O-Ton: Dieses Danzig hat in mir so ein großes Gefühl ausgelöst, also das ging ins tiefste Herz, weil meine Mutter halt als kleines Mädchen auch geflohen ist.
Und dieses Fluchtthema ist schon sehr tief in mir drin.
Autor: Aus dem Fluchtthema ist ein Roadmovie geworden. Wintertochter. Michaela Hinnenthal hat das Drehbuch geschrieben, ihr erster großer Film hat gleich mehrere Preise gewonnen, seit 14 Tagen läuft er endlich auch in den Kinos. Die Geschichte erzählt von einer doppelten Suche.
O-Ton: Wintertochter handelt von Kattaka Kattaka ist jetzt 12 Jahre alt und der alten Lene. Die Kattaka erfährt ausgerechnet an Weihnachten, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Vater ist.
Autor: So beschreibt die Drehbuchautorin den Ausgangspunkt der Geschichte.
O-Ton: Jetzt ist sie so sauer auf ihre Eltern, dass sie das so jahrelang verheimlicht haben, dass die alte Nachbarin, die Lene, sie in ihrem alten Barkas bis Stettin begleitet und sie wollen am Abend wieder zurück sein.
Autor: Denn dort, im Hafen von Stettin, soll sich ihr Vater gerade aufhalten. Er heißt Alexej, ist Russe und arbeitet auf einem Schiff. Aber als die beiden ankommen, hat sein Schiff schon wieder abgelegt Richtung Danzig.
O-Ton: Die alte Lene will auf keinen Fall nach Danzig. Und wir begreifen am Anfang nicht, warum. Man spürt, dass da irgendwas ist. Aber sie fährt! Und sie fährt, weil sie spürt: Das Kind sucht was und die muss diese Suche machen. Und sie spürt, sie hat diese Suche aufgegeben und das hat ihr nicht gut getan.
Autor: Kattaka ist auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater, und Lene auf der Spur ihrer eigenen Geschichte.
O-Ton: Zwischendurch wird so ein ganz kleiner Schlüssel eingeführt von der alten Lene. Und die Kattaka spürt, dass dieser Schlüssel eine Bedeutung hat, eine sehr wichtige.
Autor: Es ist der Schlüssel zu Lenes Geschichte. Je weiter die beiden gen Osten kommen, desto näher kommt die alte Lene ihrer eigenen Kindheit. Die kleine Kattaka bringt ihre alte Nachbarin dazu, bis nach Masuren zu fahren. Dort finden sie den Bauernhof, von dem ihre Familie 1945 fliehen musste, und auch den alten großen Baum mit dem Starenkasten.
O-Ton: Und dann klettert sie diesen alten Baum nach oben und findet in diesem Kästchen das allereinzigste Foto, was es von ihrer Mutter noch gibt.
Autor: Jetzt wird klar, warum Danzig für Lene ein so schwieriger Ort ist. Hier hat sie auf der Flucht ihre Mutter verloren.
O-Ton: Das kleine Mädchen führt die alte Frau in die Vergangenheit und die alte Frau hilft dem kleinen Mädchen in die Zukunft zu gehen.
Autor: Die eigene Familiengeschichte verfolgt Menschen oft bis in die dritte, vierte Generation. Wie sagt ein Sprichwort aus der Bibel: Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden. (Ez 18,2) Wintertochter regt dazu an, selbst Fragen zu stellen und die Großeltern erzählen zu lassen. Aber wie kann das gelingen, dass einem nicht die Zähne stumpf werden von dem, was da vielleicht in der Familiengeschichte schlummert?
O-Ton: Was wichtig ist, ist tatsächlich der Austausch darüber, dass mans nicht wegfrisst, dass mans nicht wegblendet. Meine Mutter ist das Beispiel, dass wenn man redet, kommt man ziemlich weit. Und sie ist hingefahren und das aufgesucht.
Autor: Mal dicht und gefühlvoll, aber oft auch locker und witzig erzählt Wintertochter von dieser Suche nach der eigenen Geschichte. Mag sein, es kostet Lene und Kattaka Überwindung, sich dem eigenen Leben so zu stellen. Aber es lohnt sich. Denn am Ende finden alle Beteiligten nach Hause und können Frieden schließen mit ihrer Geschichte und mit den Menschen, die sie lieben. Davon werden sie erzählen, aber es wird sie nicht länger verfolgen.
Wintertochter
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