Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.10.11; Maike Siebold

Ein Beichstuhl im Wohnzimmer

Wer gerne einen Beichtstuhl im Wohnzimmer hätte, kann diesen Wunsch nun auf leichte Art verwirklichen, das erste Beicht-App macht es möglich!

Mit dem Segen des Papstes wurde im Frühjahr „Confession“ (Bekenntisse) auf dem Markt gebracht, eine neue Software, die iPods- wie iPads-Jünger dem Himmel ein Stückchen näher bringen soll. Mit „Confession“ kann man sich den Beichtstuhl direkt ins Büro oder wo immer man gerade ist, holen und individuell sein Gewissen prüfen.

Gleich nach dem Start wird der Nutzer gebeten, ein paar Daten preiszugeben. Aus den eingegebenen Daten wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Beruf stellt „Confession“ einen mehr oder weniger maßgeschneiderten Fragenkatalog zur Gewissenserforschung zusammen. Dieser orientiert sich an den 10 Geboten. Passend zum 3. Gebot (Ehre den Sabbat) fragt „Confession“, ob der Beichtwillige sonntags den Gottesdienst besucht. Jugendliche sollen Auskunft geben, wie sie mit ihren Eltern umgehen, verheiratete Nutzer, ob sie den Partner/die Partnerin betrogen haben. Natürlich kostet der Beicht-App Geld und die Gebete - die man zusätzlich, zwecks Schuldvergebung herunterladen kann - noch mal extra. Das sich der App verkauft zeigt u.a., dass der Ablasshandeln noch immer nicht ganz ausgestorben ist, aber vor allem, dass viele die Frage: Wie kann ich es meinem Gott Recht machen?, nach wie vor umtreibt.

Schon Martin Luther rang mit dieser für ihn existentiellen Frage. Ein schweres Gewitter auf dem Heimweg hatte in ihm die berühmte Entscheidung ausgelöst: Bleibt er unversehrt, geht er ins Kloster. Was soll denn diese Kurzschlussreaktion, haben sich seine Freunde, Mitstudenten und v.a. sein Vater gefragt? Er war außer sich, als er erfuhr, dass sein Sohn auf eine vielversprechende Juristenkarriere verzichtete , um stattdessen als eine Art Aussteiger ins Kloster zu gehen. Aber es ging Martin Luther nicht ums Aussteigen. Ihm war bei dem Blitz klar geworden: Vor allem anderen muss ich mein Verhältnis zu Gott klären. Dazu wollte er herausfinden: Was möchte Gott von mir? Luther war sich sicher: Wenn seine Beziehung zu Gott stimmte, dann war auch alles andere in Ordnung. Sein Versuch Gott mit einem besonders frommen Leben im Kloster zu beeindrucken, scheiterte. Er machte zwar von außen betrachtet, alles richtig, aber es fühlte sich trotzdem völlig falsch an.

Nach langem Ringen erkannte er, dass man mit Gott keinen Deal machen und sich die Anerkennung Gottes nicht verdienen kann. Der Himmel ist nicht käuflich. Das einzige, was zählt, ist: Mich ihm anzuvertrauen, mich darauf zu verlassen, dass ich, so wie ich bin, richtig bin vor Gott. Diese Erkenntnis gilt natürlich nicht nur für Luther, sondern für uns alle. Gott akzeptiert uns ohne Auflagen. Er ist größer als unsere Fehler und kann uns unsere Schuld vergeben. Der Glaube an Gott kann uns befreien von allem, was uns in einem schlechten, lähmenden Sinne fesseln will. In der Bibel wird genau das beschrieben. Und Martin Luther hat sie wieder entdeckt, diese befreiende Botschaft für uns alle.

Audiobeitrag Ein Beichstuhl im Wohnzimmer


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