Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.11.11; Beate Raguse

Lebenswert

Die Nachricht ist meinem Internet-Browser eine Meldung wert. In Südkorea schicken Arbeitgeber ihre Angestellten zu Sterbekursen.

Dort veranstalten sie eine Art Probeliegen im Sarg. Dadurch soll suizidgefährten Mitarbeitern die Endgültigkeit des Todes klar werden. 

Nötig ist das, denn in Südkorea sterben mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle oder Bluthochdruck.  Wissenschaftler nennen Stress und Depression als Ursachen. Aber auch Armut, schneller gesellschaftlicher Wandel und hoher Konkurrenzdruck spielen eine Rolle.  

Als ich sieben war, stand ich das erste Mal an einem Grab. Ich war mit meinem Vater auf dem Friedhof. Wir kamen an einem frisch ausgehobenen Grab vorbei, in dem der Bestatter, ein Nachbar von uns, gerade den Boden glättete. Ich fand das spannend und wollte da rein. Wenige Sekunden später konnte die Welt von unten sehen: Die Blumen, die aufgeschüttete Erde, meinen Vater.  Angst hatte ich keine. Warum auch? Schließlich flog ich doch von zwei starken Armen in zwei andere und das ganze war ein großer Spaß.

Heute lese ich die Meldung skeptisch. Die Lebensbedingungen werden immer schlechter und der Tod soll als Abschreckung dienen. Vielleicht kommt doch mal jemand auf die Idee an den Ursachen zu arbeiten. Damit das Leben für Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen, wieder lebenswert wird. Und der Tod bleiben kann, was er ist: ein ganz natürlicher Teil des Lebens.  

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Lebenswert


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