Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.10.11; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Für den Frieden beten und arbeiten

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! „Schwerter zu Pflugscharen!“ Erinnern Sie sich noch? Gut 25 Jahre ist das jetzt her.

Die NATO hatte damals ihren Doppelbeschluss gefasst: In Mitteleuropa sollten Mit-telstreckenraketen  und Marschflugkörper stationiert werden. Gleichzeitig wollte man mit den Staaten des Warschauer Paktes Abrüstungsgespräche aufnehmen. Diese Entscheidung rief in der deutschen Bevölkerung einen Protest von bis dahin nicht gekanntem Ausmaß hervor. Die Friedensbewegung formierte sich und rief zu Großdemonstrationen auf. Auf der Bonner Hofgartenwiese versammelten sich hunderttausende besorgter Bürgerinnen und Bürger. Sie be-fürchteten, dass der NATO-Doppelbeschluss den Frieden in Europa nicht sichern sondern im Gegenteil gefährden würde.

Auch in den Kirchen regte sich Widerstand. Ich erinnere mich noch gut an den Kirchentag 1983 in Hannover. Die große Mehrheit der Kirchentagsbesucher trug ein violettes Halstuch mit der Aufschrift: „Ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen!“ Und immer wieder war das Leitwort der DDR-Friedensbewegung zu lesen und zu hören: „Schwerter zu Pflugscharen!“

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist inzwischen ins Land gegangen. Friedensdemonstrationen finden kaum mehr statt; der Ruf „Schwerter zu Pflugscharen!“ ist nahezu verstummt. Mich macht das unruhig. Zum einen sind wir heute vom Weltfrieden vielleicht noch weiter entfernt, als wir das in den achtziger Jahren waren. Der einzige Unterschied ist der, dass wir selbst uns nicht mehr unmittelbar bedroht fühlen. Aber im Sudan, in Afghanistan und in Nordafrika ist kein Frieden und in vielen anderen Regionen dieser Welt auch nicht. Zum andern ist der Ruf „Schwerter  zu Pflugscharen!“ keine Erfindung der DDR-Friedensbewegung gewesen sondern Teil eines Prophetenwortes aus der Bibel, und das geht so:

Sprecherin: „Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen (…) Und (der HERR) wird richten unter den Heiden und zurechtweisen die Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN.“

Klar ist: Den vollkommenen Frieden wird Gott selbst herbeiführen. Er wird es sein, der die Völker zum Umdenken und zu einem neuen friedlichen Leben bewegt. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen dürfen. „Lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“ heißt es am Schluss der Zukunftsvision. Gerade heute scheint mir das besonders dringlich. „Lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“ Wie das gehen kann? Indem wir be-harrlich um den Frieden in der Welt beten. Vielleicht mit den alten Worten: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten denn Du, unser Gott, alleine.“ Und arbeiten sollen wir für den Frieden – für den Frieden in unserer Gesellschaft, für den Frieden mit der Erde, für den Frieden in der Wirtschaft, für den Frieden zwischen den Völkern. Jede und jeder kann zum Frieden beitragen. Dabei werden wir fest im Blick behalten, dass der Tag kommen wird an dem Gott sagt: „Schwerter zu Pflugscharen!“ und alle Völker seinem Befehl gehorchen.

Ein friedliches Wochenende wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Martin Dutzmann, Landessuperintendent in Detmold.

Audiobeitrag Für den Frieden beten und arbeiten


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