Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.10.11; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Friede mit der Erde

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Wissen Sie, wo Tuvalu liegt? Ich gestehe: Ich wusste es nicht, bis ich während der Friedenskonferenz des Weltkirchenrates im Mai

auf Jamaika einen Pastor aus Tuvalu traf. Vor allem wusste ich nicht, dass Tuvalu wahrscheinlich demnächst von der Landkarte verschwinden wird. Aber der Reihe nach…

Tuvalu, so habe ich gelernt, ist der viertkleinste Staat der Welt. Er hat nur 11.000 Einwohner und das Staatsgebiet ist eine 26 Quadratkilometer große polynesische Insel im Stillen Ozean zwischen Hawaii und Australien. Noch. Denn es zeichnet sich ab, dass die Bürger Tuvalus ihre Insel verlassen müssen. Ihr Land wird in Kürze vom Meer überspült sein. Schon jetzt ist das Grundwasser durch Versalzung unbrauchbar, und die Menschen sind vom Regenwasser abhängig. Es wird also in absehbarer Zeit 11.000 Umweltflüchtlinge geben, die von irgendeinem anderen Land aufgenommen werden müssen. Das wird nicht ohne Komplikationen gelingen. Wie schwer tun schon wir reichen Europäer uns, den Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren, die unter Lebensgefahr aus Afrika über das Mittelmeer zu uns kommen. Der Untergang Tuvalus wird also den Frieden in der Region gefährden. Die Ursache dieser dramatischen Entwicklung ist der so genannte Klimawandel, der die Polkappen und Gletscher schmelzen und die Meeresspiegel ansteigen lässt. Nicht die Einwohner Tuvalus haben ihn herbeigeführt sondern wir, die wir in den Industrieländern Erdöl und Erdgas verbrauchen und mit den Abgasen die Atmosphäre belasten. An dem Tag, als der Pastor aus Tuvalu den Delegierten der Friedenskonferenz die verzweifelte Lage seines kleinen Landes schilderte, hatten diese gerade eine intensive Bibelarbeit hinter sich. Der Bibeltext war eine Zukunftsvision des Propheten Jesaja, die manche aus Weihnachtsgottesdiensten kennen:

Sprecherin: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt.“

Der Prophet erzählt von einem vollkommenen Frieden zwischen den Menschen und den übrigen Geschöpfen Gottes.  Dabei ist deutlich: Gott selbst wird diesen vollkommenen Frieden herbeiführen. Deutlich ist aber auch: Wir Menschen dürfen uns dem Schöpfer nicht in den Weg stellen. Was ist also zu tun und was ist zu lassen? Wir wissen es längst: Kirchengemeinden und Behörden, aber auch Unternehmen und private Hausbesitzer wissen, dass und wie der Energieverbrauch in ihren Gebäuden gesenkt werden kann. Reisende wissen, dass öffentliche Verkehrsmittel dem eigenen Auto vorzuziehen sind und dass sie auf den Wochenend-Billigflug nach Rom oder London besser verzichten. Autofahrer wissen, dass eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h Kraftstoff spart. Nun kommt es darauf an, dieses Wissen zur Tat werden zu lassen. Den Einwohnern von Tuvalu wird das wohl nicht mehr helfen- aber anderen. Und ich bin sicher: Gott, unser Schöpfer wird auch solche späten Schritte auf dem Weg zum Frieden mit der Erde gern sehen.

Dass Sie sich heute an Gottes Schöpfung freuen und empfinden, wie kostbar sie ist, das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Martin Dutzmann, Landessuperintendent in Detmold.

Audiobeitrag Friede mit der Erde


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