Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.10.11; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Friede in der Gemeinschaft

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Man sagt, nirgendwo auf der Welt gäbe es so viele Rechtsbrecher wie auf der Karibikinsel Jamaica.

Nicht nur in den Slums erpressen bewaffnete Banden Schutzgelder, handeln Dealer mit Drogen, tun Menschen anderen Menschen Gewalt an. Nicht selten sind Täter und Opfer sehr jung, Kinder noch.

Während der Friedenskonferenz des Weltkirchenrates im Mai dieses Jahres besuchen Teilnehmer ein Straßenkinderprojekt des CVJM, des Christlichen Vereins junger Menschen. Dort haben sie Kinder aufgenommen, die die Polizei irgendwo aufgegriffen hat. Die Eltern dieser Jungen und Mädchen sind drogen- oder alkoholabhängig oder haben sich einfach davon gemacht. Ihre Kinder erleiden in den Straßen der Stadt Gewalt und sind oft selbst gewalttätig geworden. Aber jetzt sitzen sie in sauberer Schuluniform in einem Klassenraum, lernen Englisch, Mathematik und Erdkunde. Und sie lernen, wie ein Leben ohne Gewalt möglich ist. Wie sie einen Streit beilegen, ohne gleich aufeinander einzuschlagen. Wie sie aufeinander hören, aufeinander achten, einander in ihrer Unterschiedlichkeit respektieren.

Dieses Projekt beeindruckt mich, vor allem das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer und der Leiterin. Ich frage: Was motiviert diese Menschen? Die Antwort heißt: Sie sind Christen. Sie haben in der Bibel gelesen: Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes .Ein Geschöpf dessen Würde nicht angetastet werden darf oder wiederhergestellt werden muss, wenn sie verletzt worden ist. Das treibt sie an. Deshalb kämpfen sie um jedes Kind. Deshalb setzen sie alles daran, dass künftig nicht mehr die Gewalt das Leben dieser jungen Menschen bestimmt.

Von dem Besuch des Straßenkinderprojekts nehme ich zweierlei mit. Zum einen bin ich dankbar. Dankbar dafür, dass unser Grundgesetz mit der Feststellung beginnt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Dankbar bin ich dafür, dass das nicht hohle Phrasen sind, sondern dass unser Staat seine Schutzaufgabe wirklich erfüllt. Zum andern sehe ich aber auch: Das ist nicht alles. Die Würde des Menschen zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin. Ganz besonders jener, die mit der Bibel leben. Dort heißt es an einer Stelle, dass Gott den Menschen „mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt“ hat. Menschen, die mit der Bibel leben, achten darum auf die Menschen in ihrer Nähe. Wenn wir das alle täten! Nicht wegsehen, wenn ein Vater sein Kind schlägt, sondern den Mann zur Rede stellen. Widersprechen, wenn einer meint, Schläge hätten noch niemandem geschadet. Spaßbremse sein, wenn am Stammtisch oder im Kollegenkreis frauen- oder fremdenfeindliche Witze erzählt werden. Einschreiten, wenn Jugendliche sich gegenseitig beleidigen. Ich weiß: Das erfordert Mut. Wer will schließlich in einen Konflikt hineingezogen werden oder einen Streit verursachen? Und wer hätte nicht Sorge, hinterher als Querulant allein dazustehen? Aber das hat mir die Friedenskonferenz auf Jamaica eben auch gezeigt: Es gibt viele Leute, die an Gott glauben. Die davon überzeugt sind: Der Mensch ist ein kostbares Geschöpf Gottes  und muss deshalb vor Gewalt geschützt werden. Solche Leute gibt es auf der ganzen Welt. Es gibt sie auch bei uns.

Dass Sie mutig in diesen Tag gehen, das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Martin Dutzmann, Landessuperintendent in Detmold.

Audiobeitrag Friede in der Gemeinschaft


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