Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.10.11; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Ehre sei Gott und Friede auf Erden!

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Es ist der 18. Mai 2011. Etwa tausend Männer und Frauen aus der ganzen Welt haben sich auf dem Gelände der Universität

von Kingston/Jamaika eingefunden. Sie sind einer Einladung des Weltkirchenrates gefolgt.  Eine Woche lang werden sie nun miteinander feiern und arbeiten, singen und nachdenken, beten und diskutieren. Nicht zu ihrem Vergnügen sind sie gekommen, sondern weil sie zum Frieden in der Welt beitragen wollen. „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“ ist das Motto der Versammlung.

Das Leitwort stammt aus der Weihnachtsgeschichte. Als Jesus Christus in Bethlehem in einem Stall zur Welt gekommen ist, macht ein Engel dies den Hirten auf den Feldern vor der Stadt bekannt. Am Schluss der Szene heißt es: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Damit ist klar: Die Ehre Gottes und der Friede unter den Menschen sind wie die beiden Seiten einer Münze. Wer als Christ Gott die Ehre gibt, wird auch für den irdischen Frieden eintreten. Wer seine Lebenskraft aus dem Glauben an Gott schöpft, der erträgt es nicht, wenn Menschen sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Als Jesus erwachsen geworden ist, sagt er deshalb: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

„Ehre sei Gott und Friede auf Erden!“ Die auf Jamaika versammelten Christen erzählen einander von dem Unfrieden, den sie erleben. Einige klagen darüber, wie in ihrer Heimat Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihres Geschlechtes Gewalt angetan wird. Oder wie Kinder ihre Kindheit mit harter körperlicher Arbeit in Steinbrüchen zubringen müssen. An¬dere sehen den Frieden in ihrem Land bedroht, weil das Klima sich verändert und es Missernten gegeben hat. Nun ist nicht mehr genug Nahrung für alle da. Wieder andere berichten davon, dass die Menschen bei ihnen zu Hause zwar hart arbeiten, aber viel zu wenig Geld dafür bekommen. Und dass diese Menschen das nicht mehr hinnehmen wollen. Alle zusammen denken sie darüber nach, wie im Sudan Frieden geschaffen werden kann und in Afghanistan und in Libyen…

Vier große Themen stehen dabei im Vordergrund: Friede in der Gemeinschaft – Friede mit der Erde – Friede in der Wirtschaft – Friede zwischen den Völkern. Dabei soll aber nicht nur Bedrückendes und Schmerzhaftes zur Sprache kommen, sondern auch Geglücktes und Hoffnungsvolles. Denn es gibt auf der Welt Gott sei Dank nicht nur Gewalt und Unfrieden. Immer wieder geschieht es auch, dass Menschen Gewalt überwinden, einander vergeben, sich versöhnen. Und nicht selten sind es Christen, die dazu in besonderer Weise beitragen.

„Ehre sei Gott und Friede auf Erden!“ Vielleicht, liebe Hörerin und lieber Hörer, wenden Sie jetzt ein: „Das mag ja ein gutes Motto für eine Konferenz des Weltkirchenrates sein. Aber was kann ich einzelner Mensch denn zum Weltfrieden beitragen? Das Elend ist doch viel zu groß und meine Kräfte sind viel zu klein!“ Ich kenne diese Gedanken, aber es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das mir hilft: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.“ Über solche kleinen Dinge, die wir kleinen Leute an unseren kleinen Orten tun können, möchte ich mit Ihnen in dieser Woche nachdenken.

Dass Sie heute einen friedlichen Tag erleben, das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Martin Dutzmann, Landessuperintendent in Detmold.

Audiobeitrag Ehre sei Gott und Friede auf Erden!


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