Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.10.11; Pfarrer Michael Nitzke

keine Sorge!

„Ich mach mir Sorgen!“, das war einer der häufigsten Aussprüche meiner Oma. „Ich mach mir Sorgen! Ruft an, wenn ihr nach Hause kommt“.

„Ich mach mir Sorgen, fahrt nicht erst im Dunkeln!“

Es braucht wahrscheinlich immer einige Zeit bis man versteht, warum ein Mensch sich Sorgen macht. Wenn es eine gut gemeinte Fürsorge ist, dann lass ich mir solche Sorgen ja gerne gefallen. Manche Leute werden aber krank von zu vielen Sorgen. Sie können kaum schlafen, die Sorgen werden zu Ängsten, und damit zu einem unüberwindbaren Hindernis.

Jesus sagte einmal: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. (Mt 6,34)

Jesus wusste, dass zu viele Sorgen zur Plage werden können. Es reichen die Plagen, die man direkt vor sich hat, da muss ich nicht noch die Zukunft mit Sorgen belasten. Jesus sagte, macht euch keine Sorgen um Essen und Trinken, macht euch keine Sorgen, um das, was ihr anziehen werdet. Schaut die Vögel am Himmel an, sie arbeiten nicht für ihr Essen, aber finden doch immer welches. Schaut die Blumen auf dem Feld an, sie sind schöner gekleidet als Könige. Gott sorgt für Tiere und Pflanzen, warum soll er nicht auch für Euch sorgen. (Mt 6,30)

Für viele Menschen sind diese Gedanken befreiend und sie erleichtern ihnen das Leben. Andere kommen von ihren Sorgen nicht los und fragen sich, wie das gehen soll. Wenn Jesus sagt: „Sorgt euch nicht!“, dann bedeutet das nicht, dass wir nicht sorgfältig arbeiten sollen, oder dass wir nicht im vernünftigen Maß Vorsorge betreiben sollen. Aber übertriebene Sorge lähmt den Menschen. Statt der Sorge um Nahrung und Kleidung empfiehlt Jesus, die Pflege der Beziehung zu Gott. Kümmert Euch zuerst um das Reich Gottes und fragt nach seiner Gerechtigkeit, dann wird alles andere von selbst kommen.

Mancher erinnert sich dann an die Worte, die er kurz vorher gesagt hat: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Wenn ich mich um Gerechtigkeit kümmere dann werde ich wirklich satt. Und satt ist hier nicht nur im symbolisch gemeint. Wer anderen Gerechtigkeit gibt, erfährt auch selbst welche, und muss sicher nicht hungern. Jesus macht ganz deutlich, dass es bei ihm nicht nur ums Jenseits geht:

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Wer sanft, freundlich und gutmütig ist, dem wird es auf der Erde auch gut gehen, und er wird alles haben was er braucht. Wer sein Herz nicht von Sorgen zerfressen lässt und sein Vertrauen setzt auf die Kraft, die Gott ihm schenkt, der hat viel gewonnen.  Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

„Ich mach mir Sorgen“, wenn ich wieder mal an diesen Satz meiner Oma denke, dann weiß ich, sie war besorgt um mich, hat sich eingesetzt, dafür das es mir gut geht. An sich selbst hat sie dabei gar nicht gedacht.

Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Audiobeitrag keine Sorge!


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