|
Bergwandern
Wer hoch hinaus will, muss morgens früh aufstehen! Das ist einer von vielen Wandersprüchen, die mir auf den Hütten in den Alpen begegnet sind.
Jetzt, im goldenen Oktober, schnüren noch einmal tausende Menschen ihre Schuhe und erklimmen die Berge. Bergwandern ist populär. Natur erleben, sich selbst spüren, darum geht´s und für nicht wenige Menschen hat der Weg hoch in Berge auch eine spirituelle Seite.
O-Ton: Dass man hochgehen kann und wieder ganz runter kommt und weiß, dass das ein Geschenk Gottes ist.
Autor: Über 70 Jahre alt ist diese Frau, die ich hoch oben in den Bergen getroffen habe. Sie hat in ihrem Leben Berge bis 6.000 Meter erklommen. Und wie sie denken auch erstaunlich viele jüngere Menschen:
O-Ton: Das man frei ist, dass man die Natur genießen kann. Hier ist man eigentlich, kann man so sein, wie man ist. Man fühlt sich frei.
Autor: Ganz ähnlich empfindet das auch der Düsseldorfer Pfarrer Christoph Dielmann. Er nimmt sich jedes Jahr ganz bewusst eine Auszeit und wandert für einige Tage auf Höhenwegen hoch über die Alpen.
O-Ton: Für mich ist das schöne Schöpfung. Ich kann mich enorm daran erfreuen. Natürlich kann ich mich auch an einem Rheinufer freuen oder an einer Linde in einem Düsseldorfer Park, aber das hier ist weiter, ist größer. Man kommt sich noch mal ein bisschen intensiver der Natur ausgeliefert vor als das so zu Hause und täglich ist.
Autor: Aber es geht nicht nur um die Natur. Bergwandern oben in den Bergen, das ist eine Auszeit für die Seele. Man kann fast sagen: Bergwandern, das ist so etwas wie Pilgern auf hohem Niveau:
O-Ton: Dann kommt natürlich dazu, dass man sich sehr stark beim Steigen spürt, und das eigene Geschöpfsein richtig lebendig in sich spürt, auch die Grenzen. Es tut irgendwann weh, du muss dich ein bisschen quälen, um hier raufzukommen, du atmest schwerer, ab einer bestimmten Höhe, merkt man auch wirklich die Höhe und du musst Pause machen, und ich werde dann auf ´ne wunderschöne Art und Weise ganz, ganz ruhig.
Autor: Innere Ruhe finden, neue Kraft schöpfen, das ist viel im Leben. Vielen Menschen gelingt das kaum oder gar nicht. Aber man kann natürlich fragen: Hat das wirklich etwas mit Gott zu tun?
O-Ton: Aber ob man näher Gott ist, je nach Glaube und Gefühl, das man hat, das ist sicher sehr individuell, von Mensch zu Mensch verschieden. Aber für mich ist es schon etwas spezielles, auf ´nem hohen Berg zu stehen.
Autor: Denn dort oben auf den Bergen zu stehen, das öffnet den Blick für das, was im Leben wirklich wichtig ist: O-Ton: Du merkst erst mal, wie klein Du bist, und wie begrenzt du bist und zugleich wie schön das alles ist. Es ist irgendetwas zwischen diesen beiden Polen, das einen spirituell weitet. Es nicht meine Kraft, es ist nicht dieses Blümelein, es ist nicht diese Zinne, aber es ist praktisch wie in einem Gegenüber zu etwas Größerem.
Autor: Um das zu spüren, braucht der Mensch Abstand. Und da tun 2.000 Meter oberhalb der Alltagshektik und Alltagssorgen wirklich gut. Und so kann der Weg in die Berge auch zu einem Weg des Glaubens werden. Ich kann ihn nur empfehlen.
Bergwandern
|