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Wer nur den lieben Gott lässt walten (eg 369)
Autorin: Eigentlich ist das, worum es in den kommenden zehn Minuten geht, heutzutage politisch völlig unkorrekt.
Denn schließlich haben wir Menschen des 21. Jahrhunderts unser Leben fest im Griff. Wir sind Regisseure unseres Lebens und lassen uns kaum reinreden.
Bei denen, die im Berufsalltag auf höherer Ebene stehen, wird das noch verstärkt: Du bist für deine Karriere selber verantwortlich: Erfolgsfaktor positives Denken, Manipulationstechniken gegenüber Mitarbeiter oder Chefs. Mache diesen Workshop mit und du wirst sehen, bald bist du auf der Leiter ganz oben. Willst du Spaß, such ihn. Hast du Bedürfnisse, stille sie.
Der Mensch ist selber groß und weiß, wie das Leben geht.
Und dann gibt es da ein altes Kirchenlied. Und es erzählt vom Gottvertrauen. Gottvertrauen? Mein Leben einem Wesen anvertrauen, das ich nicht sehe? Vertrauen zu einem haben, der behauptet, der Schöpfer des Himmels und der Erde zu sein? Das brauche ich nicht als moderner Mensch.
Oder vielleicht doch?
Choral 1. Strophe: Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Sprecher: Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.
Autorin: Wie ich soll Gott walten lassen und ihm die Regie über mein Leben geben? Darauf hoffen, dass er mich in aller Not und Traurigkeit erhält? Das geht nicht, das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich lasse mir mein Leben doch nicht fremdbestimmen. Der Liederdichter Georg Neumark ist da ganz anderer Meinung: Wer Gott, dem Allerhöchsten Traut, der hat auf keinen Sand gebaut.
Denn - worauf baut der Mensch sein Leben? Auf Sand oder auf festem Untergrund? Auch Jesus wirft eines Tages diese Frage auf und beantwortet sie in einem Gleichnis: Sprecher: Wer meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war. Wer dagegen meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. Als dann die Regenflut kam und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen und alles lag in Trümmern.
Autorin: Das Bild ist eindrücklich. Und wir kennen es selber aus Urlauben an der See. Wenn ich mit den Füßen am Strand im Wasser stehe und sich das Wasser zurückzieht, dann zieht es immer ein wenig Sand unter meinen Füßen weg und ich sinke ein.
Also deswegen der Rat von Georg Neumark: Vertraut und hofft auf Gott, weil er ein festes Fundament des Lebens ist. Wer Gott zum Regisseur seines Lebens macht und darauf baut: Gott macht es gut, den wird Gott auf wunderbare Art und Weise in aller Not und Trauer halten.
Das ist einfacher gesagt als getan und hört sich sehr fromm an. Aber der Liederdichter Georg Neumark verarbeitete in diesem Gedicht eigene Erfahrungen. Er war Jurist, Dichter, Musiker und Hauslehrer. Er schrieb diese Verse 1641, also im 30-jährigen Krieg. Sprecher: Georg Neumark, gerade 19 jahre alt, war auf dem Weg von seinem Heimatort Langensalza in Thüringen nach Königsberg, um sein Studium zu beginnen. Aber im Krieg war es recht gefährlich zu reisen. Deswegen schloss sich Georg Neumark einer Gruppe Kaufleute an, in der Gruppe fühlte er sich sicherer. Doch diese Sicherheit war nur ein Schein, denn die Reisegruppe wurde überfallen und ausgeraubt. Georg Neumark behielt nur sein Stammbuch mit Empfehlungsschreiben. Das Ende eines Traumes? Nein, der junge Mann setzt seinen Weg nach Königsberg fort zu Fuß. Aber überall herrscht Krieg, es sind schwere Zeiten. Und es geht auf den Herbst und Winter zu. Überall, wo er anklopft und fragt, ob man nicht Arbeit für ihn hat, damit er etwas Geld verdient, wird er abgewiesen. So wandert er weiter. Über Magdeburg, Lüneburg kein leichter Weg. Autorin: Überfallen und ausgeraubt und das in Kriegszeiten. Trotzdem ging es für Georg Neumark weiter. Er hat erlebt, wie er trotz der Schwierigkeiten von Gott getragen wurde. Er hat trotz der schweren Zeit das Vertrauen und Hoffen auf einen liebenden Gott nicht aufgegeben. Und er hat erlebt, wie er ihn wunderbar erhalten hat. Choral Zweite Strophe: Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach?Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.
Sprecher: Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. Autorin: Lauter Zagen und Zerren nützt nichts, denn es macht es nicht leichter. Im Gegenteil: wer hofft, wer positiv und optimistisch an die Dinge herangeht, der hat es leichter.
Das hatte auch Georg Neumark an eigenem Leib erlebt. Der Krieg hinterließ auch in seiner Seele Spuren. Auf seinem langen Weg nach Königberg versuchte er immer wieder vergeblich, Arbeit zu finden. Verzweiflung macht sich breit. Kein Studium, keine Zukunft. Alles grau in grau. So wurde er melancholisch und flehte oft Gott unter Tränen an, ihm zu helfen. Den liebenden barmherzigen Gott. Choral Dritte Strophe: Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu. Und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.
Sprecher: Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu. Und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht. Autorin: Georg Neumark lernt die Lektionen seines Lebens. Pragmatisch und zugleich voller Zuversicht. Das Leben will gemeistert werden, Tag für Tag. Das Seine tun und erledigen, was vor den Füßen liegt. Nicht mit Murren, Klagen, Stöhnen, sondern voller Zuversicht. Gott wird das seine dazu tun, wenn du das deine getan hast.
Da ist es wieder: das Vertrauen und die Hoffnung, die in der ersten Strophe genannt sind. Sein Schicksal in die Hände eines gütigen Gottes zu legen, der den Menschen versprochen hat, sie nie im Stich zu lassen. Weil er sie liebt. So, wie ein Vater seine Kinder liebt. Welcher verantwortungsvolle Vater würde seine Kinder im Regen stehenlassen, in der Not allein, in der Trauer ohne Umarmung, in finanzieller Not ohne Geld oder Lebensmittel. Kein normaler Vater würde das machen. Gott steht uns bei in allen Lebenssituationen. Er gibt uns Kraft für die schlechten Tage und die Gewissheit: Gott ist bei mir. Mein Leben wird Bestand haben. Denn so heißt es ja im Choral - wer dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Choral Erste Strophe: Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.
Musikinformation:
Einleitung: CD-Titel: Bach Kantaten Vol. 3 Track-Nr. + Titel: Track 1; Wer nur den lieben Gott lässt walten Text von Dichter: Georg Neumark Komponist: Johann Sebastian Bach Chor: Monteverdi Choir
Lied: Wer nur den lieben Gott lässt walten CD-Verlag: Böhm Text von Dichter: Georg Neumark Komponist: Johann Sebastian Bach Chor: Essener Bach-Chor unter der Leitung von: Hans-Joachim Meyer-Pohrt
Wer nur den lieben Gott lässt walten (eg 369)
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