Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.10.11; Superintendent Dr. Dieter Beese

Abschied

Liebe Hörerin, lieber Hörer, wo ist nur die Woche geblieben? Ehe man sich versieht, ist sie zu Ende. Was hat sie gebracht, diese Woche?

Tägliche Routine und das gewohnte Allerlei? Oder sind die vergangenen Tage richtig schön, lebendig, und erfreulich gewesen? Wir lassen die Woche hinter uns. Es ist mal wieder ein kleiner Abschied fällig. Eine biblische Geschichte möchte ich Ihnen dazu erzählen:

Sprecher: „Als aber der König David alt war und hochbetagt, konnte er nicht warm werden, wenn man ihn auch mit Kleidern bedeckte. Da sprachen seine Großen zu ihm: Man suche unserm Herrn, dem König, eine Jungfrau, die vor dem König stehe und ihn umsorge und in seinen Armen schlafe und unsern Herrn, den König wärme.“

So geschah es dann auch. Die Jungfrau wurde gefunden. Aber auch sie konnte den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Auch die spektakulärste Frischzellentherapie schlägt nicht mehr an. Das Alter fordert seinen Tribut von Geist, Seele und Leib. Da muss sich sogar ein König fügen, sei er 66, 70 oder 80 Jahre alt. Und so spricht dann auch schließlich David zu seinem Sohn Salomo:

Sprecher:  „Ich gehe hin den Weg aller Welt." „Siehe, es war sehr gut.“

So geht im ersten Schöpfungsbericht der Bibel jeder Tag zu Ende. Ein bemerkenswerter Kommentar. Mit diesem Kommentar vollendet sich die ganze Schöpfungswoche. Beneidenswert die Menschen, die im Rückblick auf ihr Leben sagen können: „Siehe es war sehr gut.“ Nachdem alles getan ist, was zu tun war, ruhte Gott von seinen Werken, und so sollen wir es auch halten. Alles aus der Hand geben und ruhen. Wie versöhnlich und friedlich das klingt!

Es geht nicht immer gut mit dem friedlichen Abschied und dem versöhnten Weggehen. „Als es zu Ende ging, war es Erlösung.“ So ist es in manchen Traueranzeigen zu lesen. Manchmal besteht das einzige Gute darin, dass einmal ein Ende sein darf. Aber das Leben besteht nicht nur aus seinem letzten Augenblick, Gott sei Dank! Es umfasst uns ganz vom ersten bis zum letzten Atemzug. Das ganze Leben - ganz in Gott geborgen.

Jesus sagt:

Sprecher: „Ich bin der, der alles erfüllt, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“

Unser Leben geht nicht einfach dahin. Gott tut etwas mit unserem gelebten Leben, und er tut auch etwas mit unserem nicht gelebten, mit unserem versäumten Leben. Das gehört ja auch zu uns. Was fehlt, fügt er hinzu. Was verfehlt war, nimmt er hinweg und bringt es zurecht. Gott lässt mein Leben mit der Schöpfung am Anfang beginnen und vollendet es am Ende, versöhnt mit sich selber.

Unser Leben ruht in Gott, so wie die Alltage der Woche in zwei Sonntage eingebettet sind. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Jeder Anfang und jeder Abschied – beschienen vom österlichen Licht der Herrlichkeit Gottes. Der große Abschied am Ende des Lebens, und der kleine Abschied am Ende dieser Woche.
Und so verabschiede auch ich mich von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gesegneten Sonntag.

Seien Sie Gott befohlen. Ihr Pfarrer Dieter Beese, Superintendent aus Münster.

Audiobeitrag Abschied


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