Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.10.11; Superintendent Dr. Dieter Beese

Endlich erwachsen!

Liebe Hörerin, lieber Hörer, Das war aufregend, das mit dem 18. Geburtstag. Es gab eine Überraschungsparty. Ausgelassen, laut und übermutig fröhlich.

Vater und Mutter trugen ihr wichtiges Gesicht und sagten feierlich: „Jetzt bist du erwachsen!“

Erwachsen also. Nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen. Eigene Entscheidungen treffen. Auto fahren. Mündig sein. Ausbildung abschließen, Studium beginnen. Was auch immer dann kommt: Auf jeden Fall: mit beiden Beinen auf dem Sprung - mitten hinein ins selbstbestimmte Leben.

Witzig ist das, die Mode, die Musik, die Lebensgewohnheiten um das Erwachsenwerden herum zu vergleichen. Bei uns in den Siebzigern war es Folkmusik, als Auto stand der R 4 hoch im Kurs und natürlich Schlaghosen. Zur Jahrtausendwende waren es dann Michael Jackson, der Clio und Piercing. Die Kindheit ist vorbei, und draußen wartet etwas. Das will entdeckt und gelebt werden. Das will alles ausgepackt werden. Aber dabei bleibt es nicht. Der Apostel Paulus schreibt:

Sprecher: Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Als junger Gemeindepfarrer habe ich gern Hausbesuche zu runden Geburtstagen gemacht. Lebensbilanzen waren das, was ich sehr bald zu hören bekam. Bis dahin, bis zum 40., 50. Geburtstag hatte sich schon manches entschieden. Oft ist es gut gelaufen mit dem Beruf, mit der Ehe, mit der Gesundheit und mit den Kindern. Aber manchem hat das Leben auch übel mitgespielt.

Das dunkle Bild hinter dem Spiegel gibt sich zu erkennen: Manchmal fängt es im Laufe der Zeit an zu leuchten. Aber nicht jedes Dunkel klärt sich auf. Die Enttäuschungen, Verletzungen, Niederlagen unseres Lebens hinterlassen ihre Spuren und werfen ihre Schatten. Bei etlichen meiner Besuche ist mir manche Bitterkeit, ja Verbitterung, entgegen gekommen. Schade, habe ich gedacht. Und ich habe mich gefragt: Wie wird das wohl bei dir sein?

Oft war ich überrascht, welch große Offenheit und Sensibilität für das Leid anderer Menschen mir entgegen kam. Eine Grundstimmung der Dankbarkeit trug sich da durch. Immer wieder waren es Menschen, die selbst besonders viel Schweres durchgemacht hatten. Das hat mir besonders imponiert. Woran das wohl liegt? Der Apostel Paulus schrieb: Diese drei bleiben: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Es ist aufregend, das mit dem 18. Geburtstag: Mit beiden Beinen bereit für den Sprung mitten hinein ins Leben. Voll mit Liebe und Hoffnung, auch voll mit Glauben. Und dann bleiben diese drei Begleiter dabei. Sie bleiben auf dem Weg durch das Erwachsenenleben: Glaube, Liebe und Hoffnung. Ob ich nun 18, 50 oder 80 bin: Sie bleiben. Alle drei.

Seien Sie also gut begleitet, auch am heutigen Tag. Ihr Pfarrer Dieter Beese aus Münster.

Audiobeitrag Endlich erwachsen!


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