| |
Freunde im Umbruch
Eine Freundschaft im Nahen Osten, in schwerer Zeit. Israel muss Krieg um Krieg mit den Nachbarn führen. Unrechtsregime wackeln, das Volk hofft auf Erneuerung.
Der eine Freund, Jonathan ben Schaul, ist der Sohn des Herrschers. Sein Vater träumt davon, eine Dynastie zu begründen. Er hält mit allen Mitteln an seiner Macht fest, obwohl er spürt, dass sie ihm langsam entgleitet. Wenn Jonathan einmal die Herrschaft von seinem Vater übernehmen will, muss er ihn stützen. Muss die Loyalität innerhalb der Sippe über alles stellen.
Sein Freund gehört zum inneren Machtzirkel des Vaters. Er ist der Mann für besondere Aufgaben. David ben Jesse heißt er. Wenn der Machthaber in Depressionen verfällt, pflegt ihn ben Jesse. Als Musiktherapeut. Er ist aber auch für militärische Sonderkommandos zuständig. Mit der Zeit haben ihm seine Erfolge den Argwohn des Herrschers eingetragen. Beim Volk ist der junge ben Jesse beliebt. Als furchtloser Kämpfer. Und weil sein Name noch nicht verbunden wird mit den Intrigen den Machtapparats.
Er wird entfernt aus dem inneren Kreis der Macht. Die schon geplante Hochzeit mit einer Tochter des Potentaten wird abgesagt. Schließlich beredet der Herrscher mit seinem Sohn, wie er ben Jesse töten kann. Das treibt Jonathan zum ersten Mal in den Konflikt: auf der einen Seite die Loyalität zum Vater. Die Bindung an die Sippe, die auch in seinem Interesse liegt wenn er seine Aussicht auf die Herrschaft erhalten will. Auf der anderen Seite die herzliche Freundschaft mit David ben Jesse.
Er entscheidet sich für den Freund. Vermutlich nicht, weil er die Freundschaft über die Bindung an die Familie stellt. Sondern weil er sich gegen die Willkür entscheidet, für das Recht. Die Verbundenheit mit dem Vater und dem Freund halten sich die Waage. Was den Ausschlag gibt, ist Jonathans Rechtschaffenheit.
Wenn er seinem Vater irgendwann nachfolgen will, dann nur auf legale Weise. Das Klima des Umbruchs, die Sehnsucht des Volkes nach Rechtssicherheit, haben auch den Sohn des Herrschers ergriffen. Er ist kein Saif al Islam, kein Baschar el Assad. Keiner von denen, die Reformen nur als Feigenblatt vor sich her tragen. Und sie verraten, wenn es ernst wird. Er hält an seinem Ideal fest, sogar wenn es gegen seine eigenen Interessen geht.
Einmal gelingt es Jonathan, den Vater von seinen Plänen abzubringen. Beim nächsten Mal muss David untertauchen. Jonathan will die geheimen Pläne des Vaters erkunden. Sie verabreden, durch ein geheimes Zeichen miteinander Kontakt aufzunehmen. David muss um sein Leben fliehen. Und Jonathan, der redliche, schützt seinen Freund. Auch wenn er der größte Konkurrent um seine künftige Herrschaft ist.
Die Bibel erzählt von dieser wunderbaren Freundschaft im ersten Buch Samuel, im Alten Testament. Jonathan ist als ein Vorbild für jeden Machthaber in die Geschichte eingegangen. Genutzt hat es ihm zwar nichts. Er kam um wie sein Vater. Und David wurde König an seiner Stelle. Aber sein Gewissen blieb rein, er hat seine Ideale nicht der Macht geopfert. Und auch nicht den Freund. Deshalb ist er bis heute ein Vorbild.
Freunde im Umbruch
|