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Das Beste suchen! (Jeremia 29,7)
Die Stadt Siegen ist nicht gerade für ihre Schönheit bekannt. Als ich zum ersten Mal dort hin kam, um mich nach Arbeit umzusehen, dachte ich zunächst:
Egal, wo sie dich brauchen können, nach Siegen gehste mal nicht. Letztendlich bin ich aber doch hier gelandet, in diesem uncharmanten Regenloch, das vor allem durch seine große Anzahl an unförmigen Nachkriegsbauten und seine erstaunliche Bandbreite an Grautönen auffällt. Aber wie sagte doch gleich der Prophet Jeremia, zu seinen Landsleuten im babylonischen Exil: Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn es ihr gut geht, so geht es auch euch gut.
Der Stadt Bestes hat auch die Künstlerin Tzveta Grebe gesucht, und was sie dabei in Siegen fand, waren: Stromkästen, jene farblosen brummenden Dinger, wie sie an jeder Straßenecke herumstehen. Vor diesen Kästen sitzt die Bulgarin mit Pinsel und Farbpalette, um darauf das Beste und Schönste sichtbar zu machen, was Siegen aus Vergangenheit und Gegenwart zu bieten hat: den Maler Peter Paul Rubens etwa, der in Siegen geboren wurde, die alten Gemäuer der Nikolaikirche oder den dicken Turm vom unteren Schloss.
O-Ton: Ich hab vorher Idee, und kucke ich, wo genau diese Stromkästen sind und was in Zusammenhang mit Umgebung ist und auch von Geschichte oder von heutige Zeit passiert ist und was kann man darstellen am besten an dieser Stelle.
Autor: Tzveta Grebe lässt sich nicht von dem beeindrucken, was in Siegen an Schönheit nicht vorhanden ist oder durch den Lauf der Geschichte ein für allemal verloren ging. Was nicht ist, lässt sie werden, und was schön ist, an unscheinbarer Stelle neu erstehen.
O-Ton: Ich finde, der Zusammenhang zwischen heutige Zeit und Geschichte ganz wichtig, und wollte ich auch darstellen für zukünftige Generationen, was Siegen hat und was auch bleibt von früher.
Autor: Dabei sind die Hässlichkeiten und Grautöne der Stadt für Tzveta Grebe kein Hindernis, sondern ein Grund.
O-Ton: Das ist ein Grund, was zu überlegen und was darzustellen. Und das ist für mich wie Ausstellung, Außenausstellung, weil nicht viele Leute gehen drin in Museen oder in Ausstellungen, aber draußen kann man frei jeder beobachten oder sehen oder betrachtet, was ist, und das ist auch wichtig, die Menschen mit Kunst zu leben und zu gewöhnen.
Autor: Suchet der Stadt Bestes! Tzveta Grebe tut es mit ihrer Kunst. Auch eine Art, Gott zu dienen. Wie sollte auch der Schöpfer am Schöpferischen kein Gefallen haben? Wenn Tzveta Grebe mit Pinsel und Farbpalette hingebungsvoll vor einem ihrer Stromkästen sitzt, tut sie es dem Schöpfer ein bisschen gleich und lässt für ihre Mitbürger aus dem gestaltlosen Nichts etwas Neues entstehen: eine bunte Welt voller Farben und Formen.
O-Ton: Diese Welt ist in mein Kopf und mein Vorstellungen und mein Wille, das zu verwirklichen [lacht] und das zu verändern, und dann irgendwie klappt [lacht].
Das Beste suchen! (Jeremia 29,7)
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