Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.10.11; Stephan Kiepe-Fahrenholz

Steuern erhöhen

Eine erst in letzter Zeit aufgekommene Mode besteht darin, dass Leute, die ungefähr zehnmal so viel Geld verdienen wie ich, öffentlich darum betteln,

höhere Steuern zahlen zu dürfen. Für Leute wie den Sänger Marius Müller-Westernhagen, der das zum Beispiel auch macht, ist das natürlich vor allem ein PR-Gag. Mit sowas kommt man in die Zeitung.

Der Witz daran ist, dass die Forderung nach höheren Steuern für besonders Reiche trotzdem richtig ist. In Deutschland findet seit langem eine ungerechte Umverteilung von unten nach oben statt. Die 5.000 am besten verdienenden Haushalte haben seit 15 Jahren ihren Anteil am Gesamtkuchen um 50 Prozent gesteigert. Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen liegt  heute nur noch bei 35 Prozent. Gleichzeitig sind die Einkommen aus Gewinnen beständig gestiegen.

Natürlich geht es nicht darum, alle gleich zu machen. Aber: Wer gut leben kann, hat sich das nie einfach nur „verdient“, sondern wahrscheinlich auch Glück gehabt. Und wem’s schlecht geht, hat das erst recht nicht „verdient“. Sein Schicksal hat viele Gründe. Weil nämlich alle immer auch Teil der größeren Gemeinschaft sind. Wenn die nicht zur reinen Ellenbogen-gesellschaft verkommen will, müssen auch die, die ganz unten sind, ihren Anteil kriegen. Das funktioniert aber nicht über milde Gaben. Sondern das muss der Staat regeln. Dafür braucht er Geld. Deshalb: Steuern erhöhen! Das ist kein Verbrechen. Sondern ein Gebot der Gerechtig-keit.

Sprecherin: Alexa Christ

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