Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.09.11, Pastor Wolfram Krebs

Tu´s gleich

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer. Meine Frau ist ein Fan von Tiki Küstenmacher.

Das ist ein Pfarrer aus Süddeutschland, der seit vielen Jahren als freier Schriftsteller arbeitet. Er sagt von sich selbst, der meistbeklaute Karikaturist Deutschlands zu sein. Das ist sicher nicht übertrieben, denn ich habe noch keinen Gemeindebrief oder Kirchenboten gesehen, der sich nicht mehr oder weniger hemmungslos bei ihm bedient hätte. Sehr bekannt geworden ist er durch seine Bücher wie „simplifyyourlife“ und andere. Den Erfolg gönne ich ihm von Herzen, denn er ist ein sehr sympathischer Mensch und viele seiner Themen sind nichts anderes, als Glauben, wie er wirklich gelebt werden kann.

Pfarrer Küstenmacher hat auch unzählige Postkarten gezeichnet, mit denen meine Frau eine gewisse Örtlichkeit gepflastert hat, wo man unter anderem auch Muße zur Betrachtung haben kann. Eine dieser zeigt den Noah, wie er frohgemut an seiner Arche hämmert. Im Hintergrund sieht man düstere Wolken dräuen. Darunter steht der Satz: „Tu´s gleich“. Nun ist diese Arche Noah ja der Trost aller Baumarktbesucher und Heimwerker. Und im Gegensatz zu anderen, von Profis gebauten, angeblich unsinkbaren Wunderwerken, schwamm diese Arche aus Laienhand sicher über die Chaoswasser der Sintflut. Ich bastle öfter an meinen alten Autos und Motorrädern. Eher der Not gehorchend, als dem freien Triebe. Aber das hat schon was: Man fängt bei einem Problem an und fast immer kommt man damit auch zu Ende. Das ist im Umgang mit Menschen meist ganz anders.

Die Ermunterung „Tu´s gleich“ macht mir allerdings regelmäßig zu Schaffen. Wie viele andre auch schreibe ich täglich Listen von all den Angelegenheiten, die ich zu erledigen habe. Das Wichtigste kommt ganz oben hin, das weniger bedeutende weiter nach unten. Leider ertappe ich mich regelmäßig dabei, die wichtigen Dinge nicht in Angriff zu nehmen. Stattdessen erledige ich die eher unbedeutenden Dinge, die mir leichter von der Hand gehen. Ich weiß, das ist nicht besonders klug und für meine Umgebung manchmal lästig. Immerhin gibt mir das die Bestätigung, doch nicht ausgesprochen faul zu sein. Manches habe ich so lange vor mir hergeschoben, das es mir irgendwann wie ein riesiger Berg erschien, unbezwingbar. Und ich hab auch schon im Stillen gehofft, dass sich das auf wundersame Weise ja von alleine erledigen könnte. Immer vergeblich, leider. Ich hoffe für Sie, dass Sie sich bei diesen Schilderungen nicht wiedergefunden haben. Wenn doch, dann habe ich einen Trost für Sie.

Jesus sagt einmal: „Sorgt euch nicht um den morgigen Tag. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Diese geheiligte Sorglosigkeit brauche ich auch. Wenn ich auf die große Kraft und Freude warte für den großen Anlauf und den großen Sprung über den Berg: Das wird nie was bei mir. Die Kraft für einen Schritt habe ich aber immer. Und wenn ich ein Stückchen weitergekommen bin, dann ist der Berg auch gar nicht mehr so groß. Es ist wirklich genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Einen schönen Tag, an dem Sie einen Schritt weiterkommen wünscht Ihnen Ihr Pastor Wolfram Krebs aus Moormerland/Veenhusen.

Audiobeitrag Tu´s gleich


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