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Fluch und Segen?
Fluch oder Segen? Manchmal weiß man es nicht so recht. Zum Beispiel wenn man sich entscheiden muss oder soll oder kann oder darf.
Weil: erstens : Wenn ich entscheide, bin eben auch ich verantwortlich
Zweitens: Entscheide ich mich für etwas, bedeutet das in aller Regel eine Entscheidung gegen etwas anderes.
So richtig unangenehm wird die ganze Sache jetzt, wenn ich den Anspruch habe mich egal wie, Hauptsache: richtig zu entscheiden.Wie gesagt: bei voller Verantwortung für die Konsequenzen. Schon nachvollziehbar jetzt irgendwie aus der Situation rauskommen zu wollen, die Verantwortung abzugeben und andere entscheiden zu lassen. Dabei ist es ja eigentlich prima. Wenn man die Möglichkeit hat sich zu entscheiden. Nur: Was wenn ich vor lauter Möglichkeiten meinen Weg nicht mehr sehe? Wenn sowohl das Eine, wie das Andere möglich, reizend, Sinn erfüllend, und vor allen Dingen individuell richtig erscheint.
Das Problem dabei ist offensichtlich nicht nur die Vielzahl der möglichen Entscheidungen, und damit der möglichen Fehlentscheidungen; sondern eine Idee. Die Idee der wie gesagt richtigen Entscheidung. Quatsch? Ich denke nicht.
Ein Luxusproblem?
Vielleicht. Manche Menschen sehnen sich nach nichts mehr, als nach der Möglichkeit sich zu entscheiden. Sie riskieren oder lassen sogar ihr Leben für diese Wahlfreiheit. Paulus schreibt: Zur Freiheit hat euch Christus befreit (Gal. 5,1) . Und das ist in der Tat Segen. Und hohes Gut. Nur: Die kann eben auch mehr Last als Lust sein. Mein Ausweg aus diesem manchmal doch sehr nervenden Dilemma liegt in der schlichten Erkenntnis, dass das mit der Freiheit, die uns Christus geschenkt hat wohl ernst gemeint ist. Mit anderen Worten: Eben nicht auf diese oder jene Sache oder Entscheidung bezogen, sondern grundsätzlich. Also: Ich kann mich neu entscheiden. Falls sich etwas als falsch herausgestellt hat oder nicht mehr stimmig.
Ich bin überzeugt: Es ist keine Schwäche einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren und sich neu zu orientieren, sondern Stärke. Verantwortlich bin ich sowieso. Eben: Mit anderen Worten: Dann kann ich es auch selbst tun: entscheiden.
Die Alternative ist: Andere tuen es für mich. Eine Illusion zu glauben, man könne nur richtig liegen mit seiner Wahl.
Nie haben wir alle Informationen, nie kennen wir den ganzen Kontext, die ganze Geschichte und die ganze Wahrheit schon gar nicht um eine Entscheidung ganz richtig zu treffen. Wir sind Menschen. Endlich. Begrenzt. Vorläufig. Entscheidung treffe ich immer in Beziehung. In Bezug auf einen Menschen, eine Zeit, einen Ort, eine Notwendigkeit. Mitten im Leben, das sich ständig ändert. Ob ich das jetzt will oder nicht. Und die Vielzahl, die manchmal ja quälende Vielzahl der Wahlmöglichkeiten? Bleibt anstrengend und zugleich bereichernd. Wie gesagt: Es muss ja nicht immer die richtig Entscheidung sein. Perfektion ist langweilig. Freiheit nicht.
Fluch und Segen?
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