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"...denn sie wissen nicht, was sie tun"
Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer.Bayern ist reich an kleinen romantischen Kapellen, die nicht selten in bezaubernde Landschaften eingebettet sind.
In einer dieser idyllischen Kirchen kann man ein dreiflügeliges Altarbild bewundern, ein sogenanntes Triptychon. Es zeigt die Kreuzigung Jesu auf Golgatha. Über dem Kunstwerk stehen die Worte Jesu: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Nun wird das Kirchlein auch gerne für Hochzeiten genutzt. Es wird berichtet, dass der Hausmeister bei diesen Gelegenheiten den Spruch über dem Altargemälde verhängt.
Trauungen gehören bestimmt zu den erfreulichsten Bereichen pastoraler Tätigkeit. Aber die Frage schwingt natürlich immer mit, wenn da zwei junge Menschen aufgeregt vor einem sitzen und ihre Hochzeit besprechen: Wissen die beiden auch, was sie tun? Für kühle Geschäftsrechner wäre das Risiko wohl viel zu groß: Mehr als 30 Prozent Ausfallwahrscheinlichkeit, dazu eine völlig unbefriedigende Kosten Nutzen Rechnung. Das sind keine Perspektiven für kalkulierbare Vorteile. Aber bei Hochzeiten geht es ja in der Regel nicht um schnöden Mammon, sondern um die Liebe.
Und es ist keine Phantasielosigkeit, dass man auf sehr vielen Hochzeiten das Hohelied der Liebe hören kann, jenes 13. Kapitel des Briefs des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth. Nirgendwo im Neuen Testament wird die Liebe schöner beschrieben, als dort. Die Liebe ist langmütig, sie sucht das Wohl des anderen, sie ist zurückhaltend, die Liebe hat kein Ende. Dieses Liebeslied gipfelt in dem Dreiklang Glaube, Hoffnung, Liebe: Das sind wahre Schätze, die dem Leben echten Reichtum geben und die Liebe, die hier gepriesen wird, reicht viel tiefer, als das höchst erfreuliche Gefühl des Verliebt seins. Vor ein paar Jahren fiel mir allerdings auf: immer mehr Paare kamen zu mir, die schon zerbrochene Beziehungen hinter sich hatten, um ihre Verbindung unter Gottes Segen zu stellen. Beim ersten Versuch hatten sie sich nach dem Standesamt mit den Freunden in der Kneipe getroffen, das wars dann auch. Was geht die Kirche unsre Liebe an?
Diesmal wollten sie es besser machen. Das hat mich etwas verwundert. Nun erwartet man bei einem Pastor sicherlich kein Expertentum in der Anbahnung erotischer Beziehungen und ich hab keine Ahnung davon, wie man in dieser Angelegenheit zu Werke geht. Also habe ich mal einen guten Bekannten dazu befragt, der als ausgewiesener Experte in diesen Dingen gilt. Der wusste da ganz Erstaunliches zu berichten. Unter anderem dieses: Nach dem ersten Vorgeplänkel kommt mal sehr schnell zu den ernsthafteren Fragen. Und das erste tiefere Gespräch geht wohl immer um die zerbrochene Beziehung, die man hinter sich hat. Kaputte Beziehungen hat jeder hinter sich, bemerkte mein Freund, da hat man leicht eine gemeinsame Basis und man kann auch gleich signalisieren, wo man verletzlich ist und vom anderen achtsam behandelt werden möchte. Ich war nicht wenig überrascht. In meiner Naivität hätte ich mir das ganz anders vorgestellt. Aber jetzt verstand ich besser, warum es Menschen nach nicht gelungenen Erst - Ehen beim zweiten Versuchbesonders um den Segen Gottes geht. Mit Gefühlen allein und nach eigenem Gutdünken kommt man bei dieser höchst anspruchsvollen Lebensform der Ehe nicht weit. Mit der im 1. Korintherbrief beschriebenen Liebe und dem Segen Gottes allerdings sehr wohl.
Einen Tag voller Liebe unter dem Segen Gottes wünscht Ihnen Ihr Pastor Wolfram Krebs aus Moormerland/Veenhusen.
"...denn sie wissen nicht, was sie tun"
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