Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.09.11, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Woran Promis glauben: Günter Beckstein

O-Ton: Jeder Mensch weiß, dass Niederlagen ebenso wie Siege zum Leben gehören. Sprecherin: Sagt Günter Beckstein, er war Innenminister in Bayern und nur für ein Jahr,

Ministerpräsident. Bis zur Landtagswahl im Herbst 2008. Es war die schmerzhafteste Niederlage seiner politischen Laufbahn. Nach nur zwölf Monaten war der Traum ausgeträumt, als erster protestantischer Ministerpräsident den bayerischen Freistaat zu regieren. Um diese zu verkraften hat ihm vor allem sein Glaube geholfen Er weiß,

O-Ton: dass man manche Dinge einfach sehr viel besser tragen kann, wenn man eine Bindung an den eigenen Glauben hat.

Sprecherin: Eine Bindung, die er seinem Elternhaus und dem CVJM, dem christlichen Verein junger Menschen, verdankt, dem er als Jugendlicher angehörte.

O-Ton: Der damals noch Christlicher Verein Junger Männer geheißen hat. Bin unendlich dankbar dafür. Ich war vorher ein ganz schüchternes Bürschchen, aber hab dort gelernt, dass ich als 16jähriger eine Gruppe von Jungscharlern geführt hab.

Sprecherin: So lernte der in Nürnberg aufgewachsene schon früh eine Form des Glaubens kennen, die man als urprotestantisch bezeichnen kann.

O-Ton: Dass der Olympiasieger nicht mehr Menschenwürde hat wie der Körperbehinderte oder die Nobelpreisträgerin (hat) keine höhere Menschenwürde als die demente Frau. Dass Gott jeden annimmt, so wie er ist, unabhängig von seiner Leistung, unabhängig von seinen Fähigkeiten, das ist ne wunderbare Botschaft, die wir Christen haben.

Sprecherin: Auch das hat ihm geholfen, die politische Niederlage einzuordnen. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, „dass ein Ministerpräsident a. D. vor Gott keinen niedrigeren Rang hat als der Amtsträger“. Was sind außerdem Einbrüche dieser Art im Vergleich zu der letzen Niederlage am Ende unseres Lebens.

O-Ton: Wenn man älter ist, erlebt man das häufiger, dass plötzlich Leute im Umfeld sterben.

Sprecherin: Wie im vergangenen Winter beim Skilaufen mit Freunden, als einer aus der Gruppe stürzte und alle dachten, der Mann sei nur ausgerutscht.

O-Ton: In Wirklichkeit hat sich herausgestellt, dass er’n schweren Herzinfarkt hatte, und zwei Stunden später war er tot. Da hab ich mir gedacht, das sind die eigentlichen Tragödien.

Sprecherin: Günter Beckstein selbst ließ  sich im vergangenem Jahr operieren.  Nach jahrelangen Hörproblemen ließ er sich in den Schädelknochen eine elektronische Hörprothese einpflanzen. Eine Operation, die nicht ganz ohne Risiko war:

O-Ton: Es ist eine Entscheidung, wo man schlichtweg in Gottes Hand ist, und wo ich auch mit einem großen Gottvertrauen dann sage, es ist so, wie es Gott für mich bestimmt, wenn die Operation gut geht, dann ist es sein Wille.

Sprecherin: Natürlich hat auch er sich gute Ärzte und Chirurgen gesucht:

O-Ton: Ich bin aber auch dankbar meinem Herrgott, dass er das gute Gelingen geschenkt hat. Jetzt höre ich wieder mit beiden Ohren, und damit hab ich einfach auch die Möglichkeit, wieder bei Gottesdiensten mitzuwirken oder bei Gesprächen. Also ich freue mich sehr darüber und nehm das einfach ein Stück aus Gottes Hand.

Sprecherin: Und wie wird das wohl sein wird, wenn die letzte Stunde kommt.

O-Ton: Ich werde es alles andere als bagatellisieren und rosarot darstellen, aber der Tod ist dem Menschen vorbestimmt, und dass dieser Tod in das Leben im Jenseits führt, dass man eben ein Kind Gottes ist und damit auch der Tod einen nicht aus der Hand Gottes nimmt, das ist etwas, was befreiend ist.

Sprecherin: Und beruhigend. Man fällt nie tiefer als in Gottes Hand.


Sprecherin: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Audiobeitrag Woran Promis glauben: Günter Beckstein


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