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Die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. Das gilt nicht nur für "Schnäppchen", sondern auch im Glauben. Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer.
Wenn man von "praktizierenden Christen" spricht, dann sind meistens Leute gemeint, die in einer Kirchengemeinde aktiv sind. Sie ist im Frauenkreis oder im Kirchengemeinderat, er singt in der Kantorei oder leitet eine Jugendgruppe. Vereinsleben eben. Die einen mögen so etwas, die anderen gar nicht. Wenn man mal vom Gottesdienst absieht - entscheidend für das Reich Gottes ist das nicht.
Da zählt etwas ganz anderes: den Augenblick wahrnehmen, in dem Gott meinen Weg kreuzt, egal wo. Jesus hat das mit dem Gleichnis vom vergrabenen Schatz klar gemacht. Das war damals gar nicht so unüblich, als es noch keine Banken gab: das Wertvollste, das man hatte, einfach vergraben, wenn Kriegswirren drohten. Aber der Besitzer kann umkommen, die Goldmünzen werden vergessen und warten auf den glücklichen Finder. In Jesu Gleichnis ist es ein Tagelöhner, der auf fremdem Acker schafft. Er verkauft seine ganze Habe, um das Grundstück zu erwerben.
Gott kommt mir nah - die einmalige Gelegenheit. Jesus hat das inmitten von Kranken, Ausgestoßenen und Armen wahrgenommen. Und genau so ereignet sich das auch heute. Jemand spürt die Nähe und weiß genau: jetzt oder nie muß ich das konkret machen. Durch ei¬ne Tat, ein Wort, eine Hilfe, einen Protest oder was immer. Der Augenblick, der unaufschiebbar ist.
Vielleicht erkenne ich: heute, nicht erst morgen muß ich ihn oder sie mit meiner persönlichen Anwesenheit trösten. Oder: das gewissenschärfende Wort an den Freund, die Freundin ist jetzt unaufschiebbar, auch wenn es Ärger gibt. Einem jungen Mann, so war zu lesen, fällt beim Warten im Waschsalon ein übel verletztes Kind mit einer aggressiven Mutter auf. Er geht vor die Tür, weil er einen Verdacht hat und ruft die Polizei. Aufgedeckt wird eine schlimme, seit langem erfolgte Mißhandlung.
Die unausweichliche Nähe Gottes kann sanft daherkommen, in einer Liebe, die einem unvorhergesehen zuteil wird und die eine spontane Antwort erfordert. Sie kann uns aber auch in tödliche Risiken verwickeln. Ich muß dabei an meine Mutter denken, damals 1945. Ich war knapp sechszehn, aber ich sollte noch den längst verlorenen Krieg mit Panzergranaten gewinnen helfen. Als der Stellungsbefehl eintrifft, packt sie schnell einen Koffer und schickt mich zu Verwandten. Als ein Kurier kommt und wissen will, wo ich stecke, erfindet sie geistesgegenwärtig eine Lüge. An Gott hat sie dabei sicher nicht gedacht. Auch nicht daran, daß es sie und mich das Leben hätte kosten können. Es war das Nein ihres mütterlichen Gewissens. Das "Jetzt oder Nie".
Gott ist unterwegs in diesem Land, auch jenseits von Kirchengemeinden. Er redet, meldet sich, macht sich bemerkbar. Das heißt, auf überraschende, einmalige Gelegenheiten gefaßt sein - und dann zugreifen. Koste es, was es wolle.
Daß Sie heute behütet bleiben, aber auch aufmerksam sind, wünscht Ihnen Hans Dieter Osenberg, Pfarrer aus Saarbrücken.
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