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So still
Musik: Jupiter Jones, Still; aus: Jupiter Jones - Musik: Instrumental Intro
Autor: Um diese frühe Morgenstunde sollte ich Ihnen wahrscheinlich nicht so melancholisch und traurig daherkommen, wie es die Eifelrocker von Jupiter Jones hier tun:
Musik: So still, dass jeder von uns wusste / das hier ist für immer / für immer und ein Leben / und es war / so still, dass jeder von uns ahnte / hierfür gibts kein Wort / das jemals das Gefühl beschreiben kann.
Autor: Stille zu ertragen fällt mir schwer. Was mich bedrückt oder Sorgen macht, bekomme ich in der Regel am besten in den Griff, wenn ich das rechte Wort finde. Das Wort, um doch zu erklären, zu beschreiben, zu verstehen, was mich eigentlich sprachlos macht.
Musik: So still, dass alle Uhren schwiegen / ja, die Zeit kam zum Erliegen / so still und so verloren gingst du fort.
Autor: Ja, und dann gibt es sie eben doch: die Situationen, in denen es nichts mehr zu er-klären, zu beschreiben und zu verstehen gibt. Wo die Zeit stillsteht, weil ein unwiederbring-licher Verlust eingetreten ist. Eine zerstörte Liebe kann das sein, und das Lied von Jupiter Jones handelt, glaube ich davon. Junge Menschen, die leidenschaftlich aneinander gehangen haben, kennen das. Aber alte Menschen genauso, denen der Tod einen anderen nimmt, der einfach immer da war und jetzt unwiderruflich weg ist. Es ist auf einmal so still, dass man das Ticken der Uhr und die Geräusche der eigenen Schritte in der leeren Wohnung unerträglich laut empfindet.
Musik: So laut, die Stunden nach dem Aufschlag / als es galt, das alles zu erfassen und verstehen / und es war / so laut
Autor: In unserer lauten und erklärungssüchtigen Gegenwart, die alles kennt und alles weiß, fällt es schwer zu verstehen, dass ich nicht alles verstehe. Das, was mir ein anderer bedeutet, ist mehr, als ich erfassen kann. Und deshalb fasse ichs nicht, wenn es ihn nicht mehr gibt. Da kann ich noch so viel erfahren und verstanden und gehört haben.
Musik: Ich hab so viel gehört und doch kommts niemals bei mir an / das ist der Grund, warum ich nachts nicht schlafen kann / wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib / heißt das noch nicht, dass ich versteh / warum dieses Gefühl für immer bleibt.
Autor: Stimmt. Ein wirklicher Verlust, den ich erlitten habe, lässt mich nie mehr los. Und lässt mich nie mehr vergessen, dass ich, was mir wert und wichtig ist, irgendwann verlieren kann. Und trotzdem, das ist das unglaublich Befreiende, muss ich daran nicht verzweifeln. Die Stille kann mein Freund werden. Kann mich langsam und leise daran erinnern, wie viele Erfahrungen noch auf mich warten, wie viele Menschen mich noch brauchen, und dass es immer auch wieder welche gibt, die mich lieben und wertvoll finden. Das lässt mich leben. Auch mit Verlusten. Gottseidank.
So still
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