Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.09.11, Pfarrer Titus Reinmuth

Woran Promis glauben: Milow, Musiker

O-Ton: What I always liked as a teenager, when I went to concerts: You look in the room and there are so many people so peaceful and there’s something that connects you.

You can imagine becoming friends with most people there … and maybe for some people it has taken a little bit of the place of religion.
Overvoice: Was ich immer als Teenager mochte, wenn ich zu einem Konzert ging: Du schaust in den Saal, und da sind so viele Menschen so friedlich, und da ist etwas, was alle verbindet. Du kannst dir vorstellen, mit den meisten dort befreundet zu sein. Vielleicht hat das für manche Menschen auf eine Weise den Platz der Religion eingenommen.

Autor: Sagt Milow, der vielleicht erfolgreichste Sänger und Songschreiber dieser Tage. Der lockere Typ mit der „Beinahe-Glatze“ und dem verschmitzten Lächeln hält sich selbst nicht für besonders religiös. Doch er lässt sich fragen. Und erzählt backstage woran er glaubt, was ihn Leben lässt, was er hofft.

O-Ton: I have this ridiculous believe and faith in the power of music. there is something so powerful at live moments, it brings people together. Now people are more and more towards themselves, there is less of a social cohesion in society, and I think it’s fantastic that music – it’s one of the few things that can get people from their computers and away from facebook and to get them somewhere in between.
Overvoice: Ich habe diesen verrückten Glauben und das Vertrauen in die Kraft der Musik. Aber es gibt etwas sehr starkes in Live-Momenten. Es bringt Menschen zusammen. Heute leben die Menschen zunehmend auf sich selbst bezogen, es gibt weniger sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Ich finde es fantastisch, dass Musik eines der wenigen Dinge ist, was Menschen von ihren Computern und von Facebook wegbringt und irgendwo zusammenführt.

Autor: Die Songs, die dabei herauskommen, stürmen seit drei Jahren regelmäßig die Charts in ganz Europa. Seit den Mega-Hits „Ayo Technology“ und „You don’t know“ spielte Milow über 300 Konzerte in 20 Ländern.

O-Ton: My songs are all big dreams, it’s dreaming out loud. I love doing something that is risky, because you don’t know, what will happen. But my dream says just to do what I want to do every day. I want to live a life where I’m being inspired every day and that I can turn this inspiration back into creative things, for example my songs.
Overvoice: Meine Lieder sind alles große Träume, ich träume sie laut heraus. Ich liebe es, etwas zu tun, das riskant ist. Denn du weißt nie, was passieren wird. Aber mein Traum sagt: Tu, was du tun willst, jeden Tag. Ich möchte ein Leben leben, in dem ich jeden Tag inspiriert werde und diese Inspiration in kreative Dinge verwandeln kann, zum Beispiel meine Songs.

Autor: Was so locker beschwingt daher kommt, erzählt aber oft eine Geschichte, die tiefer geht. Über die Dramen des Lebens, die Verluste, das Scheitern

O-Ton: but for me writing songs about it that eventually is really therapeutical almost. The things that happened to me – loosing people or other things – that’s something, that is part of life. (So when I write a song about it, it’s not because I want to complain about it. It’s just because) I think a lot of other people will know it to. I’m trying to write about it and I always try to inject some hope in there as well.
Overvoice: Aber einen Song darüber zu schreiben, das wirkt für mich manchmal wirklich therapeutisch. Dinge, die mir passiert sind – Menschen zu verlieren oder andere Dinge – das ist einfach Teil des Lebens. Wenn ich ein Lied darüber schreibe, dann nicht, um darüber zu klagen.  Ich glaube nur, dass viele andere Menschen das auch kennen. Ich bemühe mich, darüber zu schreiben – und jedes mal versuche ich genauso, etwas Hoffnung mit hineinzufügen. 

Autor: So hält der 30jährige Jonathan Vandenbroeck, wie Milow eigentlich heißt, den Menschen einen Spiegel vor. Und wie macht er das?

O-Ton: Obviously I like to work with layers, there is something there, but also there is a symbolism.
Overvoice: Offensichtlich mag ich es, mit verschiedenen Ebenen zu arbeiten. Da ist etwas klar, aber es gibt auch noch etwas Symbolisches.

Autor: Ist er  also so etwas wie ein moderner Prophet? Seinen Songs haftet oft etwas Religiöses an.

O-Ton: It’s close to magic sometimes. Inspiration is such a big part of it. That’s for me probably the thing I believe in the most. If it does the same thing that some people get out of institutionalized religion and some others get it from modern pop-/rock-music, then I wouldn’t be able to say that this one is better than that one. I would just say: I think it’s great, if it fills that gap for those people.
Overvoice: Manchmal ist es nahe an der Magie. Inspiration ist ein großer Teil davon. Wahrscheinlich ist es das, woran ich am meisten glaube. Wenn es dasselbe ist, was manche aus der institutionalisierten Religion bekommen, und andere aus der modernen Rock- und Popmusik, dann könnte ich nicht entscheiden, das eine ist besser als das andere. Ich würde einfach sagen, es ist toll, wenn es für diese Menschen diese Lücke füllt.

Autor: Symbole, Magie, Gemeinschaft, Hoffnung. Irgendwie ist das doch alles ziemlich religiös. Glaub’ ich.

Audiobeitrag Woran Promis glauben: Milow, Musiker


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