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Danken
Ein "Dankeschön" mitten im Alltag. Ist doch gar nicht so selten, oder? Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.Der Bürgersteig verengt sich wegen einer Baustelle.
Ich bleibe einen Moment stehen, damit die Mutter mit ihrem Kinderwagen, die mir entgegenkommt, mehr Platz hat. Sie lächelt und sagt "Dankeschön!" Auf dem Bahnhof sind die Rolltreppen kaputt. Ich mühe mich mit meinem Koffer auf den Stufen ab. Eine junge Frau kommt von hinten, fragt kurz "Darf ich?", ergreift meinen Koffer und bringt ihn hinauf. Ich bin dankbar und sage ihr das auch.
Selbst Anlässe zum Dank, die ein paar Nummern größer ausfallen, sind keineswegs selten. Eine gute Freundin hat die Kinder zu sich genommen, während die Mutter der beiden ins Krankenhaus muß.
"Das war doch selbstverständlich", sagt sie, als die Mutter sich bedankt. War es eigentlich nicht, oder doch? Der junge Mann beschränkt sich bei dem hinfälligen alten Herrn nicht auf das, was zu seiner Arbeit im Mobilen Pflegedienst gehört. In seiner Freizeit liest er ihm vor, führt ihn im Rollstuhl aus und diskutiert mit ihm. Bei so viel eingeschränkten Lebensfunktionen ist der Alte ihm dafür herzlich dankbar.
Dankbarkeit hält sich an keine Religion. Das war schon immer so. Der einzige von zehn Leprakranken, der nach der Heilung zu Jesus zurückkommt, um sich zu bedanken, war ein fremdgläubiger Samaritaner.
Aber Christen haben doch einen unvergleichlichen Grund, dankbar zu sein. Denn sie verdanken ihr ganzes Leben vor und nach dem Tod einer beispiellosen Entscheidung Gottes. Die kleinen Dankbarkeiten des Alltags sind gewissermaßen nur die Rinnsale, die von der Quelle, der großen Dankbarkeit, ausgehen.
Als Jesus von Nazareth auf Golgatha stirbt - freiwillig, und bis zuletzt seinem Vater vertrauend - da dreht es Gott gleichsam das Herz im Leib herum. Er wird es endgültig leid, die Menschen in dem Glauben zu lassen, sie könnten sich bei ihm mit irgendetwas wieder "lieb Kind" machen. Mit Opfern oder Büßen, mit Pilgern oder Wallfahren, mit Spenden oder mit einem anständigen Leben. Gott kommt ihnen zuvor und sagt: "Alles geschenkt! Bedankt euch bei Jesus. Er hat den Opfergott in mir sterben lassen." Seitdem sind also alle die schrecklichen Tauschgeschäfte vorbei: Seligkeit für Frömmigkeit, Paradies für Märtyrertod, ewiges Leben für gute Werke.
Ist für mein endgültiges Bleiberecht an Gottes Seite längst gesorgt, dann habe ich ein ganzes Leben lang Zeit, dafür zu danken. Und wie? Jesus sagt es deutlich: "Was ihr meinen Brüdern und Schwestern tut, das tut ihr mir:' Also fragen, was dem nahen und fernen Nächsten gut tut oder schadet, und dann entsprechend handeln, im Großen oder Kleinen. Wie der junge Mann bei dem Senior oder die junge Frau auf der Bahnhofstreppe.
Es dankt fürs Zuhören Hans Dieter Osenberg, Pfarrer aus Saarbrücken.
Danken
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