Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.09.11, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Frauenschutzhaus in Kenia

O-Ton: In Meru – Meru liegt 250 km nördlich von Nairobi – da gibt es ein Heim.

und diese Mädchen sind zwischen 4 Jahren und 17 Jahren  -   und all diesen Mädchen wurde ein Schicksal gemein: Sie sind alle Opfer von sexueller Gewalt.

Autorin: erzählt die Berliner Schauspielerin Natalia Wörner – sie ist Botschafterin der Kindernothilfe und hat das Schutzhaus in Meru besucht: Ein Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt und für das sie Geld sammelt . Als sie das Haus betrat, kam Sharon auf sie zugelaufen, die Jüngste von allen. Sie ist gerade mal vier Jahre alt.  48 Stunden lang wurde sie vergewaltigt und infolgedessen vier mal operiert: 

O-Ton: Ein  bezauberndes Kind, die voller Kraft  und Lebensfreude ist und gleichzeitig auch natürlich schwer traumatisiert ist. Und diese Kleine  saß eigentlich so zwei Tage  auf meinem Arm. Und ich  konnte - glaube ich -  nachts gar nicht schlafen vor lauter Schreck und gleichzeitig dachte ich: Mein Gott wie schön, dass ich jetzt genau  hier zu diesem Zeitpunkt sein kann und einen kleinen  Beitrag leisten kann, dass diese Kinder in Zukunft  keine Angst mehr haben müssen.
 
Autorin: Warum es in Kenia so viele Vergewaltigungen gibt, hat verschiedene Gründe. Mädchen prostituieren sich, weil sie Hunger haben. Fish vor Sex nennen die Mädchen das. Was auch eine Rolle spielt:

O-Ton: dass viele Männer die Aids haben nach wie vor in diesem Irrglauben sich befinden, dass wenn sie mit einer Jungfrau schlafen, dass  sie geheilt werden und das ist auch ein Teil dieser hohen Vergewaltigungsrate. Und das ist wirklich erschütternd und unfassbar. 

Autorin: Das Heim in Meru wird rund um die Uhr bewacht. Aus gutem Grund. Meist wissen die Täter wo die Kinder sich aufhalten, versuchen sie einzuschüchtern oder zu klauen. Neben der äußeren Sicherheit erleben die Kinder hier aber auch Geborgenheit. Von den Erzieherinnen werden sie liebevoll umsorgt. Die Therapeutinnen kümmern sich um ihre verletzten Seelen und sie bekommen etwas, das sie in Zukunft schützen wird: eine vernünftige Schulbildung. Doch das Heim ist in Gefahr:

O-Ton: Die konkrete Situation ist die – das in diesem Heim, das viel zu klein ist für die vielen Mädchen, die Pacht  ausläuft, die müssen raus, die sind da in einer relativ ungeschützten Situation und es gibt schon ein gekauftes Stück  Land und es  geht jetzt ganz konkret darum, in Bälde den Bau  dieses Heims voranzutreiben und den Mädchen eine Zukunft zu sichern. 

Autorin: Das neue Haus soll Platz für 72 Kinder haben – und es gibt gute Chancen, dass das  Geld zusammenkommt. Genauso wichtig wie das Schutzhaus ist aber die Verbesserung der Aufklärungsrate. Die Täter kommen meist ungeschoren davon. Dass die Täter vor Gericht gebracht und bestraft werden, auch dafür kämpft die Kindernothilfe zusammen mit dem Kinderrechte Netzwerk The Cradle.

O-Ton: Eine Vergewaltigung – sage ich mal – strafrechtlich zu verfolgen benötigt eine bestimmte  Form von amtsärztlicher Untersuchung.  Es gibt da ganz wenige Amtsärzte, die das formal  überhaupt bewältigen dürfen. Dann kostet allein dieses Verfahren 20 Dollar. Das ist für die meisten Familien unbezahlbar, weil die leben pro Tag von einem Dollar  d. h. die Dunkelziffer ist enorm groß.

Autorin: Deshalb kämpft die Kindernothilfe dafür, dass die Beweisaufnahmen überall im Land gemacht werden können und zwar unentgeltlich. Außerdem werden den Missbrauchsopfern von The Cradle Anwälte zur Seite gestellt. The Cradle hat im vergangenen Jahr 700 Fälle vor Gericht gebracht. Erfolge, die Mut machen, insbesondere den Kindern.

Audiobeitrag Frauenschutzhaus in Kenia


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen