Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.08.11, Andreas Duderstedt

Jahr der Taufe - Glaube

Sie waren ein Stück zusammen unterwegs. Der eine erklärt dem andern seinen christlichen Glauben. Er stößt auf offene Ohren.

Mächtig wächst in dem andern der Wunsch, auch ein Christ zu werden. Als sie zu einer Wasserstelle kommen, äußert er seinen Wunsch: Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Vielleicht kennen Sie den hohen afrikanischen Beamten, von dem die Apostelgeschichte der Bibel berichtet, auch als „Kämmerer aus Äthiopien“ bekannt. Ein Suchender, der nach Jerusalem gekommen war, um dort zu beten. Erst auf dem Rückweg findet er, was er suchte. Sein Entschluss ist spontan. Ohne weiteres erfüllt sein Gesprächspartner Philippus den Wunsch und tauft ihn.

Was war hier zuerst: der Glaube oder die Taufe? Offensichtlich war der Afrikaner im Gespräch zum Glauben gekommen. Und daraus folgte der Wunsch, mit der Taufe in die christliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Dem steht nichts im Weg: Sobald Wasser vorhanden ist, wird der Mann getauft.  Ohne Glauben ist die Taufe nichts nütze, erklärt Martin Luther. Gilt sie also nur, wenn der Täufling sich für den Glauben entschieden hat? Hängt die Gültigkeit der Taufe also an einer menschlichen Entscheidung?

Dann wäre sie kein Gottesgeschenk. Aber woher kommt eigentlich der Glaube? Lesen wir weiter bei Luther: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus [...] glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich [...] im rechten Glauben geheiligt und erhalten“. Es ist also Gottes Geist, der den Glauben in mir bewirkt. Ich kann nicht darüber verfügen, sondern nur darum bitten.

Als Gottesgeschenk ist die Taufe unverbrüchlich gültig – unabhängig von meinem Glauben oder Unglauben. Deshalb gilt die weitere Aussage Luthers: Mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern mein Glaube empfängt die Taufe.

Weil ich mich auf Gottes Zusage unbedingt verlassen kann, muss ich mir um meinen schwachen Glauben keine Sorgen machen. Weil Gott sich zu mir bekennt, muss ich mich nicht mit der Frage quälen, ob mein eigenes Bekenntnis wohl aufrichtig genug und echt ist. Mit der Taufe erhalte ich einen Anteil an dem, was Jesus für mich getan hat: Er ist gestorben und auferstanden. Er hat, ein für allemal, das Böse auf sich genommen, erlitten und überwunden. Damit ist es zwar nicht aus der Welt. Aber seine Macht ist gebrochen – durch eine andere, größere Macht, die Macht der Liebe. Die Taufe legt den Grund für die Befreiung vom Bösen. Noch einmal Martin Luther: die Taufe, sagt er, gibt „Überwindung des Teufels und Tods, Vergebung der Sünde, Gottes Gnade, den ganzen Christum und heiligen Geist mit seinen Gaben“.

Dieser Grund ist gelegt, wenn kleine Kinder getauft werden. Und er wird gelegt bei Erwachsenen, die sich für die Taufe entscheiden. Er bleibt als Fundament ein Leben lang. Ein Leben lang kann ich mich darauf bewegen, mich darauf besinnen, wohl auch damit ringen und mich daran reiben. Die Taufe bleibt ein Gottesgeschenk. Als Erwachsener habe ich die Freiheit, wie der Mann aus Äthiopien zu sagen: Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Oder, wie der frühere Magdeburger Bischof Axel Noack: „Ran ans Becken!“

Also, liebe Hörerinnen und Hörer, wenn Sie noch nicht getauft sein sollten: Was hindert’s? Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.

Audiobeitrag Jahr der Taufe - Glaube


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