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Jahr der Taufe - Und wenn nicht?
Das Kind hat hohes Fieber, die Mutter ist verzweifelt. Sie ist allein mit dem Kleinen, wohnt abgelegen, es ist spät in der Nacht.
Sie kann nicht weg, die lehmigen Straßen sind vom Regen aufgeweicht. Hilfe ist nicht in Aussicht. Immer wieder kühlt sie das heiße Köpfchen des Babys mit Wasser. Da fasst sie einen Entschluss: Sie tauft ihr Kind.
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Ich bin getauft, wie wahrscheinlich die meisten von ihnen auch. Aber was wäre eigentlich, wenn nicht?
Die Taufe ist ein Sakrament, ein starkes Zeichen, das Gottes Liebe und Zuwendung zu einem Menschen zum Ausdruck bringt. Du gehörst zu mir, sagt Gott in der Taufe. Aber heißt das nicht umgekehrt, dass Ungetaufte nicht zu Gott gehören? Wenn die Taufe so ein wirkungsvolles Zeichen ist dann muss doch den Ungetauften etwas ganz Wesentliches fehlen, oder? Kriegen sie Gottes Liebe und Zuwendung nicht ab oder jedenfalls nicht so kräftig, ausdrücklich und persönlich? Kommen sie nicht in de Himmel?
Früher glaubte man das. Schon vor fast 2000 Jahren beschäftigten sich Theologen mit der schwierigen Frage: Wenn die Taufe notwendig ist, um gerettet zu werden was passiert dann mit den Kindern, die starben, bevor sie getauft werden konnten? Dazu konstruierte man eine Zwischenetage, einen besonderen Raum zwischen Himmel und Hölle. Hier sollten die ungetauften, unschuldigen Kinder nach ihrem Tod hinkommen, Höllenqualen sollte es dort nicht geben, aber so nahe bei Gott wie im Himmel wären sie eben auch nicht. Erst vor wenigen Jahren hat sich die katholische Kirche weitgehend von dieser Vorstellung verabschiedet.
Notwendig. Dass die Taufe Not wendet, zum Guten hin diese Überzeugung liegt auch der Nottaufe zugrunde. Das Evangelische Gesangbuch hält dafür eine Liturgie bereit: Notfalls, bei Lebensgefahr, darf jeder Christ taufen. Das hat auch die junge Mutter getan, von der ich eingangs erzählt habe. Später fragte sie unsicher den Pfarrer, ob das denn in Ordnung gewesen sei. Ja, selbstverständlich war das in Ordnung. Übrigens: Das Kind überlebte sein Fieber. Aber wenn es nun gestorben wäre, bevor die Mutter ihren Entschluss fasste?
Dann hätte sie sich deswegen nicht grämen müssen. Einen ungetauft Verstorbenen dürfen wir in Gottes Liebe geborgen wissen, steht im Evangelischen Gesangbuch. Was wäre das auch für ein kleinlicher Gott, der seine Liebe von einer menschlichen Entscheidung abhängig machte. Der ein kleines Kind verstoßen würde, das ungetauft stirbt. Nein, solche Sorgen müssen wir uns nicht machen. Die Taufe ist ein Gottesgeschenk. Es bleibt einzigartig, unabhängig davon, dass wir Gott unendlich viele Wege und Möglichkeiten zutrauen können, Menschen zu sich zu führen, getaufte oder ungetaufte. Das nimmt der Taufe nichts von ihrer Bedeutung. Sie eröffnet einen besonderen Raum, in dem ich mich - immer wieder neu - entscheiden kann, Gottes Zuwendung anzunehmen. Wenn ich das tue, stelle ich mein Leben unter seinen Schutz.
Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche Ihnen, dass Sie heute Gottes Zuwendung erfahren und annehmen. Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.
Jahr der Taufe - Und wenn nicht?
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