Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.08.11, Andreas Duderstedt

Jahr der Taufe - Schutz vor Unglück?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Haben Sie Kinder? Wenn ja, werden Sie mir sicher aus eigener Erfahrung zustimmen: Eltern wollen das Beste für ihr Kind.

Und auch falls Sie keine Kinder haben: Wer wollte da widersprechen?

Die meisten jungen Eltern, die zur evangelischen Kirche gehören, wollen ihr Kind taufen lassen. Das gilt auch für diejenigen, die sonst wenig mit Glauben und Religion anfangen können. Nun lässt sich über die Beweggründe und Motive trefflich spekulieren. Tradition, ein schönes Familienfest – das mag eine Rolle spielen. Aber längst nicht die einzige. Wer das Wunder eines neuen Lebens erfahren hat, wer nach Monaten gespannter Erwartung und nicht ohne Hoffen und Bangen endlich das kleine Würmchen auf den Armen hält – der ist zutiefst dankbar. An wen sollte sich dieser Dank richten wenn nicht an Gott? Und mit dem Dank einher geht der ganz starke Wunsch, alles zu tun, damit es diesem neuen kleinen Lebewesen gut gehen möge. Damit es behütet wachsen kann. Alles zu tun, alles Menschenmögliche, damit es vor Schaden und Gefahr beschützt wird.

Alles Menschenmögliche. Die Taufe, das spüren auch Leute, die selten in die Kirche gehen, geht über das Menschenmögliche hinaus. In der Taufe ist Gott am Werk. Sie geschieht im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie geschieht, weil Jesus zur Taufe aufgefordert hat.

Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Deshalb werden sie die bestmögliche Gesundheitsvorsorge treffen, alle notwendigen Impfungen durchführen lassen, auf gesunde Ernährung achten, alle Gefahrenquellen beseitigen und pädagogisch wertvolles Spielzeug kaufen. Manche schließen gleich nach der Geburt auch schon einen Bausparvertrag ab. Alles Menschenmögliche eben. Und dann noch die Taufe. Aber führt das nicht auf ein falsches Gleis? Taufe als übermenschlicher Schutz vor Gefahren? Als Magie, als Ritual mit Wasser und Beschwörungsformel?

Nein. Die Taufe ist weder ein unsichtbarer Talisman, den man sein Leben lang mit sich herumträgt, noch eine Lebensversicherung. Ihre Wirkung ist anderer Art. Sie ist ein spürbares Zeichen Gottes, ein Zeichen, in dem er ein für allemal erklärt: Du gehörst zu mir. Du, ganz persönlich. Gott gibt keine Garantie für körperliche oder seelische Unversehrtheit. Er sagt nicht: Wenn du zu mir gehörst, bleibt dir das Schwere erspart. Aber er sagt: Ich bin bei dir, wohin du auch gehst. Du bist mir wichtig. Wende dich zu mir, wirf dein Anliegen auf mich. Ich werde dich stärken und trösten.

Die Taufe ist ein Gottesgeschenk. Immer, wenn ich Trost und Kraft besonders nötig habe, kann das helfen – die Gewissheit: ich bin getauft. Gott lässt mich nicht fallen, denn er hat sich schon für mich entschieden, bevor ich mich entscheiden konnte. Von Martin Luther wird erzählt: Wenn er verzweifelt war oder depressiv, schrieb er mit Kreide auf den Tisch: „Baptizatus sum“ – ich bin getauft.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Trost und diese Kraft heute spüren. Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.

Audiobeitrag Jahr der Taufe - Schutz vor Unglück?


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