Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.08.11, Andreas Duderstedt

Jahr der Taufe - Später selber entscheiden?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!„Mein Kind soll sich später mal selber entscheiden.“ Das hört man gelegentlich von Eltern, die ihr Kind nicht taufen lassen wollen.

Vorläufig jedenfalls nicht. Denn sie wollen einer so wichtigen, persönlichen Entscheidung nicht vorgreifen. Sie wollen ihrem Kind alle Freiheit lassen selbst zu entscheiden, später einmal, wenn es groß genug ist.

Eine scheinbar einleuchtende Begründung. Die Absicht, das Kind zu respektieren, es ernst zu nehmen. Es soll nicht in irgendwelche Bahnen gelenkt werden, die ihm vielleicht gar nicht entsprechen. Es soll seinen eigenen Weg finden. Der elterliche Wille soll es nicht einengen, nicht vorbestimmen. Schließlich sind unsere Kinder ja nicht unser Besitz.

Das sind sie gewiss nicht. Dennoch: Im Blick auf die Taufe ist die Auffassung „Mein Kind soll sich später mal selber entscheiden“ auf einer Illusion gegründet. Warum? Von Geburt an muss ich für mein Kind Entscheidungen treffen. Das beginnt mit den konkreten Fragen der Ernährung, des Rhythmus von Wachen und Schlafen, von Nachgeben und Widerstehen. Irgendwann wird das Kind dann Fragen stellen. Oft zeigt sich das in den Grenzbereichen des Lebens. Wo ist die tote Oma jetzt? Warum ist der Spielkamerad so schwer krank? Warum musste die Mama des besten Freundes tödlich verunglücken? Da muss ich als Vater oder Mutter Antworten geben. Ich präge mein Kind, ob ich will oder nicht, von Anfang an in eine bestimmte Richtung. Ich kann nicht anders. Und das ist gut und völlig natürlich. Nicht nur in dem, was ich sage, sondern mindestens ebenso stark in dem, was ich tue und lasse. Wenn mein Kind erfährt und spürt, welche Überzeugungen mich als Mutter oder Vater leiten, wird es sich zunächst daran orientieren. Vielleicht wird es später dagegen aufbegehren. Aber es wird nie unbeeinflusst davon bleiben.

Es ist also nicht möglich, seine Kinder weltanschaulich „neutral“ zu erziehen. Das zeigt sich weiter an den Entscheidungen, die anstehen: Melde ich das Kind in einem evangelischen Kindergarten an – oder ganz bewusst nicht? Es hat eine Kinderbibel geschenkt bekommen – lese ich ihm daraus vor? Melde ich es vom Religionsunterricht ab, wenn es in die Schule kommt? Oder schicke ich es auf eine christliche Schule? Weitere prägende Faktoren kommen hinzu. Freundinnen und Freunde, Lehrer, andere Erwachsene. Ob meine Erziehung gelingt, ob mein Kind sich entwickelt, wie es mein Wunsch ist, ob es glücklich wird – das habe ich am Ende nicht in der Hand. Aber ich kann etwas dazu beitragen.

Und das tue ich als Mensch, der keine objektive Instanz ist, sondern selbst geprägt, gläubig oder ungläubig, als Mensch mit Interessen, Grundsätzen und Überzeugungen. Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Was einem selbst gut tut, was einem im Leben hilft, das will man auch seinen Kindern weitergeben.'

Die Taufe ist ein Gottesgeschenk. Etwas Besseres kann ich mir für meine Kinder nicht vorstellen. Die Taufe bringt zum Ausdruck: Gott hat ja zu dir gesagt, hat sich schon für dich entschieden. Deine eigene Entscheidung wirst du später selber treffen. Gott schenkt dir seine Liebe und Zuwendung. Später wirst du entscheiden, ob du dieses Geschenk annimmst. Du hast die Freiheit, nein zu sagen. Aber Gottes Ja bleibt.

Diese Gewissheit wünsche ich Ihnen für den heutigen Tag, liebe Hörerinnen und Hörer. Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.

Audiobeitrag Jahr der Taufe - Später selber entscheiden?


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