Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.08.11, Andreas Duderstedt

Jahr der Taufe - Kleine Kinder

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Sind Sie getauft? Ich vermute: ja. Erinnern Sie sich noch an Ihre Taufe? Vermutlich: nein.

Die meisten von Ihnen werden als kleine Kinder getaut worden sein. Das ist auch heute noch die Regel.

Gott sagt ja zu mir, bevor ich selber ja sagen kann. Gott hat sich schon für mich entschieden, bevor ich selber entscheiden kann. Gottes Zuwendung zu mir, zu mir ganz persönlich, ist schon da, bevor ich da bin.

„Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war“, so steht es im 139. Psalm. Ein unglaublicher Gedanke.

„Wo war ich, bevor ich in Mamas Bauch war?“, fragen Kinder manchmal. Die Antwort darauf ist nicht einfach. Der Volksmund hält dafür mancherlei Redensarten bereit. Die schönste, die ich kenne, lautet: „Da warst du noch in Adams Garten“, also im Paradies. Ganz nahe bei Gott. Seine Augen „sahen mich, als ich noch nicht bereitet war“. Er hatte mich liebevoll im Blick. Mich als Person, als Individuum. Schon immer. Durch Raum und Zeit hindurch und darüber hinaus kennt mich Gott und liebt mich.

In der Taufe kleiner Kinder, die noch keine eigenen Schritte tun können, die noch nicht ja sagen können – in der Taufe kleiner Kinder kommt das besonders stark und schön zum Ausdruck. Die Taufe ist bedingungslos – wie Gottes Liebe.

Aber das bleibt nicht ohne Folgen. Die Taufe ist ein Gottesgeschenk. Ich kann es annehmen oder achtlos zur Seite legen. Ich kann es auspacken, anwenden und mich davon verändern lassen. Jedenfalls ist es vorhanden und bleibt, auch wenn es vielleicht eine Zeit lang irgendwo in einer Ecke liegt. Es bleibt wie ein Guthaben, das jemand auf mein Konto eingezahlt hat – ob ich darauf zugreife oder nicht. Und im Unterschied zum Bankkonto ist es weder schwankenden Zinssätzen noch Inflation ausgesetzt.

Das Gottesgeschenk bleibt. Es ist einmalig und einzigartig. Deshalb muss und kann die gültige Taufe auch nicht wiederholt werden – etwa, weil sie nicht im „richtigen“ Glauben vollzogen worden sein soll. Wer die Taufe aus solchen Gründen wiederholen wollte, würde das Gottesgeschenk auf menschliche Maßstäbe verkleinern und von menschlichen Voraussetzungen abhängig machen.

Mit manchen Geschenken kann ich nichts anfangen. Manches, was ich bekam, machte mich verlegen. Weil es geschmacklos, nutzlos, überflüssig war. Ballast, den man am liebsten so bald wie möglich wieder los wäre. Andere Geschenke entdeckt man vielleicht erst nach langer Zeit richtig. Beim Aufräumen fällt mir etwas in die Hände, was ich plötzlich mit anderen Augen anschaue. Erst jetzt weiß ich es richtig zu schätzen. Die Taufe ist ein Gottesgeschenk. Es ist mein ganz persönliches. Es verändert mich. Ich packe es aus und nehme es an. Das gilt für das ganze Leben.

Ich wünsche Ihnen für den heutigen Tag Freude an Ihrem ganz persönlichen Gottesgeschenk. Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld.

Audiobeitrag Jahr der Taufe - Kleine Kinder


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