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Zeit zu wachsen
Der Sommer herrlich! Die Kinder haben Ferien, viele Erwachsene eine ruhigere Zeit, einige waren verreist und haben sich mal richtig erholt.
Na gut, für manche ziehen sich die Ferien jetzt allmählich in die Länge. Die Tage müssen gefüllt werden, es wird Zeit, dass die Schule wieder anfängt. Trotzdem: Der Sommer ist eine Pause. Zeit um innezuhalten, durchzuatmen, Pläne zu machen.
Bei mir ist das jedenfalls so. Im Urlaub habe ich immer ein kleines Tagebuch dabei. Und meistens, so nach ein, zwei Wochen, schreibe ich da Ideen rein, was ich nach den Ferien anders machen will. Oder was ich Neues ausprobieren möchte. In den Ferien kommen all die Gedanken nach oben. Auf der Dachterrasse bei einem Glas Rotwein in Italien oder auf der Gartenbank zuhause. Dann schreibe ich es auf und genieße weiter den Sommer. Erst wenn die Arbeit wieder anfängt, schlag ich das Tagebuch nochmal auf, spinne die Ideen zu Ende, erzähle anderen davon und fange etwas Neues an. Es gibt Zeiten im Leben, die sind wie die großen Ferien. Menschen halten inne und orientieren sich neu. Frauen in der Mitte des Lebens, wenn die Kinder groß sind, richten ihr Leben neu aus. Steigen noch mal ein in den Beruf oder suchen sich eine größere ehrenamtliche Aufgabe. Und dann wird auch gleich die Wohnung umgeräumt und ein eigenes Zimmer eingerichtet. Schön, wenn sich etwas ganz Neues entwickelt.
Auch Männern, Mitte 40, sind solche Wechsel nicht fremd. Eine Zusatzausbildung, ein Stellen-wechsel, irgendetwas Neues. Ein Freund von mir hat seinen festen Job beherzt um die Hälfte reduziert und ist jetzt mit der anderen Hälfte selbstständig. Er kommt endlich da an, wo er immer hin wollte. Nach den Ferien gehts los. Die ersten Termine mit eigenen Kunden stehen schon im Kalender.
Doch nicht immer gehts gut. Menschliche Pläne und Träume sind immer nur etwas Vorläufiges. Was, wenn das Risiko doch zu groß war, und es mit der Selbstständigkeit nicht klappt? Was, wenn sich mitten im Kurs für das neue Ehrenamt herausstellt: Das ist doch nichts für mich, ich hatte mir das anders vorgestellt?
Dann braucht es Zeit zum Wachsen.Wie bei den Obstbäumen, die jetzt beim Nachbarn auf der Wiese stehen. Erst im dritten Jahr. Immerhin, inzwischen blühen sie prächtig, und eines Tages bringen auch sie Früchte. Jedenfalls wenns gut geht.
Dass neue Dinge Zeit brauchen, davon hat Jesus einmal in einem Vergleich gesprochen: Bei ihm gings um Feigenbäume. Der Besitzer einer Plantage kommt und sieht nach dem Rechten. Es sieht gut aus. Nur mit einem Baum stimmt etwas nicht. Seit drei Jahren bringt er keine einzige Feige hervor. Hau ihn ab! sagt er zum Gärtner. Was raubt er dem Boden die Kraft. Doch der sagt: Warte. Ich will die Erde noch einmal umgraben und ihn düngen. Gib ihm noch ein Jahr, vielleicht gibt er doch noch Frucht. Und so geschieht es.
Die kleine Geschichte erzählt mir: Manchmal brauchen die neuen Ideen noch Zeit. Sie sind noch nicht reif. Wir müssen die Erde noch mal umgraben, frisches Wasser holen, Kraft tanken. Wenn wir tief im Innern überzeugt sind: Das ist sinnvoll, das entspricht mir, da ruht Segen drauf. Dann gibt Gott auch die Kraft dazu. Selbst wenn andere sagen: Bringt nichts, lass es bleiben, trenn dich davon, sagt Gott: Ich glaube an dich. Bleibe dabei. Es kann gelingen. Ich gebe dir Zeit, zu wachsen.
Zeit zu wachsen
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