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Scherben bringen Glück
O-Ton: Atmo von zerbrechendem Gefäß / Scherben Autor: Oh je, hier ist etwas zu Bruch gegangen. Hier kann man nur noch die Scherben aufkehren. So ein Ärger!
Die meisten Menschen erschrecken richtig, wenn so etwas passiert. Für Kinder ist das oft ganz furchtbar: Ganz aus Versehen ist etwas runter gefallen. Ein Teller, eine schöne Blumenvase, ausgerechnet eins von den guten Gläsern. Dann zucken sie zusammen, beteuern, dass es doch keine Absicht war, und vielleicht fließen sogar Tränen, weil etwas kaputt ging. Man kann ja wirklich nur noch die Scherben zusammenkehren aber es wird nicht wieder ganz.
Nun, der Schreck vergeht, Eltern und Kinder können sich beruhigen, es wird wieder gut. Es war ja nur irgendein Gegenstand, niemand ist verletzt. Und war es wirklich so schlimm? Gehört es nicht zum Leben dazu, dass mal etwas zu Bruch geht?
Wir Älteren denken vielleicht schon an andere Brüche. Unsere Scherben. All das, was uns nicht so gelingt, wie wir uns das vorstellen. Alle Unzulänglichkeiten, wenn wir anderen Menschen nicht gerecht werden. Besonders denen, die uns nah sind. All die Hoffnungen und Träume, die doch nicht in Erfüllung gehen. Unsere Scherben. Wie leben wir damit?
Eugen Roth hat einmal gedichtet:Ein Mensch wünscht sich ganz unaussprechlich, dass Glück und Glas sei unzerbrechlich. Die Wissenschaft vollbringt das leicht; beim Glas hat sies schon fast er-reicht.
Tja und beim Glück? Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Und dennoch: Scherben bringen Glück, sagt ein Sprichwort. Wieso eigentlich? Steckt in jedem Bruch auch eine Chance? Beginnt dann etwas Neues? Kann sich unser Leben genau dann verändern zum Guten?
Manchmal ist es so. Zum Beispiel wenn ein großer Umzug ansteht. Da schwören die alten Nach-barn und Freunde, dass sie vorbeischauen und in Kontakt bleiben. So weit ist es ja nicht, wir be-suchen euch mal, wir telefonieren. Aber wenns dann soweit ist , sind all die Schwüre bald ver-gessen. Mit der Zeit zeigen sich erste Risse. Ein einziger Besuch kommt zustande, seit Wochen hat keiner mehr angerufen. Es ist doch etwas abgebrochen. Aber es fängt auch etwas an. Erste Kontakte, neue Freunde und bald das gute Gefühl, an dem neuen Ort zu Hause zu sein. Und wer weiß, vielleicht werden die neuen Freundschaften anders gepflegt als früher damit sie Bestand haben.
Oder wenn eine Beziehung kaputt geht. So sagt man: Eine Ehe ist in die Brüche gegangen. Manche machen noch einmal einen neuen Anlauf, versuchen, die Scherben aufzulesen und die Risse zu kitten oder noch einmal ganz neu zusammenzukommen. Doch selten gelingt das. Oft sind die Verletzungen zu groß und Menschen bleiben beschädigt zurück.
Ein Dichter der Bibel sagt: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben (Ps 34,19). Manchmal ist das der Kitt: Wenn ich glauben darf, Gott hält noch zu mir. Er will, dass ich lebe. Ich soll etwas Neues anfangen, denke ich dann.
Eine ältere Dame erzählt mir das im Rückblick auf ihre Scheidung. Damals sei sie schon sehr ver-letzt gewesen. Aber im Rückblick habe ihr die Trennung gut getan. Sonst hätte sie nie wieder ihren Beruf ergriffen, viele gute Freundinnen nicht kennengelernt, manche Reise nicht gemacht. Man sieht es ihr an: Stärker und selbstbewusster ist sie geworden. Nicht obwohl, sondern weil damals etwas in die Brüche ging.
Scherben bringen Glück? Vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht immer. Aber manchmal schon.
Scherben bringen Glück
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