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Fremd - oder zuhause?
Liebe Hörerin, lieber Hörer, unser Nachbar ist gerade in Urlaub gefahren. In die Türkei. Er will dort aber nicht nur faulenzen, er hat auch eine Woche Bildungsreise gebucht.
Auf den Spuren der Antike oder so ähnlich. Nein, ich beneide ihn nicht. Nicht, dass mich das nicht interessieren könnte. Auch nicht, weil es die Türkei ist! Nein, das ist ein faszinierendes Land: Und da gibt es ja nicht nur die tollen Strände, freundliche Gastgeber und immer noch günstige Preise. Nicht umsonst fliegen die Menschen auf den All-inclusive-Urlaub in Antalya oder Side! Nein, es entdecken immer mehr Menschen, dass dort bedeutendste Spuren unserer europäischen Geschichte und Kultur zu finden sind.
Das weiß unser Nachbar auch. Darum will er ins Innere des Landes, aber vor allem auch in die westlichen Küstenbereiche. Da sind viele Ausgrabungsstätten zugänglich. Manche will er besuchen. Aber er tut mir ein wenig leid. Denn jetzt, mitten im Sommer? Da wird er einiges aushalten müssen! Ich bin froh, dass wir Anfang April da waren. Schon damals wurde es uns recht warm. Man läuft da ja ständig in den Ruinen umher. Der kundige Reiseleiter erklärt alles schön auf Deutsch, man geht und bleibt sehen und guckt sich alles an, macht ein Foto und noch wieder eins und will sich alles merken und unter den Füßen brennen schon die Steine. Eine grelle Sonne und ein warmer Wind wollen den Geist ausdörren. Es sind ja nicht nur ein paar Meterchen, die man dann geht. Kilometer läuft man da in der Fremde in alten Zeiten umher. Das geht ganz schön in die Beine. Ach, armer Nachbar! Schattige Bäume wirst du in den Ruinenstädten nicht finden. Hoffentlich hin und wieder einen Sonnenschirm.
Ansonsten wird es ihm gehen wie uns: wenn man schon einmal da ist, will man auch etwas sehen und lernen. Etwas mitnehmen sozusagen. Z. B. aus Ephesus, wo wir waren. In alten Zeiten eine Riesenstadt. Mehr als 200000 Einwohner machten sie zu einer der größten im Römischen Reich. Man kriegt aus den Ruinen noch einen Eindruck davon: Hier stand eine berühmte Bibliothek, dort ein Tempel für die Verehrung des Kaisers, da war der Markt und drüben das große Theater, die Hafenstrasse und heute noch viel beachtet -, da auch das Zeichen für das Freudenhaus. Und natürlich die Hinweise auf die große Göttin der Epheser: Artemis, oder Diana wie die Römer sagten. Für manches braucht man viel Phantasie um das zu erkennen, was die Archäologen da entdeckt haben wollen. Anderes ist erstaunlich gut aus dem jahrhundertealten Schutt geborgen. Während wir dort liefen, schauten, fotografierten und immer müder wurden, ging mir durch den Kopf: Wie mag das vor fast 2000 Jahren für die ersten Christen gewesen sein, die hier lebten? Das war ja erst mal nur eine kleine Gruppe. Ob die sich in der Stadt zuhause gefühlt haben?
Der Apostel Paulus, der die christliche Gemeinde hier aufbaute, hatte sich ja nicht nur beliebt gemacht. Er war lange geduldet, aber irgendwann brachte er die Kunsthandwerker und Kaufleute mächtig gegen sich auf. Die machten nämlich hervorragende Geschäfte mit ihren silbernen Nachbildungen des Tempels der großen Göttin der Stadt. Doch Geschäftemacherei mit eingebildeten Gottheiten und Devotionalien? Nichts für den gelehrten Juden und überzeugten Christen Paulus. Was man selber macht, das ist kein Gott. Aber seine Predigt von dem einen Gott Himmels und der Erde kostet ihn um Haaresbreite den Kopf. Beinahe wäre er gelyncht worden. Er wird zwar von der Justiz geschützt, aber zieht es doch vor, erst einmal ganz zu verschwinden.
Und die Gemeinde, die in Ephesus bleibt? Sich als Christen outen? Das wollte wohl zweimal überlegt sein! Fremder und ungeschützter als jeder Tourist unter heißer Sonne auf unübersichtlichem Ausgrabungsgelände konnten sie sich vorkommen. Und das in der eigenen Stadt, der angestammten Heimat. Und Paulus? Na ja, der hat immerhin den Kontakt gehalten. Ein Brief in der Bibel wird ihm zugeschrieben, den man den Epheserbrief nennt. Und da wird den Christenmenschen in Ephesus und überall auf der Welt gesagt: Ihr seid nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger und Hausgenossen Gottes. (Eph 2,19)
Sich irgendwie beschirmt und zuhause fühlen ob zuhause oder im Urlaub, nein, nicht irgendwie: bei Gott zuhause zu sein, das wünscht Ihnen heute Eko Alberts aus Bonn
Fremd - oder zuhause?
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